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Deutsches Theater Berlin
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Heimsuchung

Heimsuchung – Deutsches Theater Berlin

Premiere: 23. Januar 2026
Nach dem Roman von: Jenny Erpenbeck
Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Claudia Irro
Live-Musik: Sven Michelson und Niklas Kraft
Video: Oliver Rossol
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: Johann Otten

Über die Inszenierung

Alexander Eisenach bringt Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ mit einer präzisen, atmosphärisch dichten Handschrift auf die Bühne des Deutschen Theaters. Die Inszenierung folgt den Spuren eines Hauses am See, das über Generationen hinweg zum stummen Zeugen deutscher Geschichte wird. Eisenach erzählt nicht linear, sondern in poetischen Fragmenten, die sich zu einem vielschichtigen Bild aus Erinnerung, Verlust und Neubeginn verweben.

Die Bühne von Daniel Wollenzin schafft einen Raum, der sich zwischen konkreter Topografie und symbolischer Landschaft bewegt. Verschiebungen, Leerstellen und Übergänge spiegeln die Brüche der Figuren wider. Claudia Irros Kostüme verankern die Szenen in unterschiedlichen Zeiten, ohne sich auf historische Exaktheit zu beschränken – sie betonen vielmehr die inneren Bewegungen der Figuren. Die Live-Musik von Sven Michelson und Niklas Kraft legt sich wie ein atmender Klangteppich unter die Szenen und verstärkt die melancholische, manchmal unheimliche Grundstimmung.

Oliver Rossols Videoarbeiten erweitern den Bühnenraum um visuelle Erinnerungsschichten, während Robert Grauels Lichtgestaltung präzise emotionale Akzente setzt. So entsteht ein Abend, der zwischen Intimität und epischer Weite changiert und die Frage stellt, wie Orte Geschichten speichern – und wie Menschen von ihnen geprägt werden.

Ensemble

  • Julischka Eichel
  • Felix Goeser
  • Florian Köhler
  • Svenja Liesau
  • Benjamin Lillie
  • Peter René Lüdecke
  • Anja Schneider
  • Almut Zilcher
  • Siri Carla Brodowski oder Zita Theresia Pol

Warum dieser Abend berührt

  • eine poetische, vielschichtige Adaption eines bedeutenden Romans
  • ein Ensemble, das mit großer Präzision und emotionaler Tiefe spielt
  • ein Bühnenraum, der Erinnerung, Zeit und Geschichte sichtbar macht
  • Live-Musik, die den Abend atmosphärisch trägt und verstärkt
  • eine Inszenierung, die historische Dimensionen mit persönlicher Intimität verbindet

„Heimsuchung“ am Deutschen Theater Berlin wird zu einem eindringlichen Theatererlebnis, das die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Frage zurücklässt, welche Geschichten Orte bewahren – und welche wir selbst weitertragen.

2 Bewertungen

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Zäh nacherzählt
4 Tage her.
Kritik

''Regisseur Eisenach versucht das mit einem Ensemble von acht SchauspielerInnen, einem Kind und zwei Live-Musikern (Sven Michelson & Niklas Kraft an Schlagzeug und Klavier) szenisch umzusetzen. Er geht dabei nun doch ganz nacheinander die einzelnen Etappen durch und lässt dabei das jeweilige Hauspersonal ihre Geschichten erzählen. Es beginnt wie im Roman mit dem Prolog, von einer Kinderdarstellerin (alternierend: Siri Carla Brodowski, Zita Theresia Pol) vorgetragen. Die Entstehung der brandenburgischen Landschaft und des Sees aus der Eiszeit heraus. Das Bühnenbild (Daniel Wollenzin) mit einem brückenartigen Bogen und einem Sandhaufen auf der Drehbühne, wirkt da fast wie eine stilisierte glaziale Serie. Papierstellwände darum bilden die transparente Hülle des Sommerhauses. Es folgt die Geschichte des Schulzen (Peter René Lüdecke) und seiner vier Töchter, von denen die jüngste, Klara (Julischka Eichel), ein bewaldetes Seegrundstück zur Mitgift erhält. Ein karges Leben in Tradition, die durch verschiedene Bräuche beschrieben wird. Klaras Liebe zu einem Fischer (Benjamin Lillie) wird vom Vater nicht geduldet. Sie verfällt darauf dem Wahn und ertränkt sich im See. Der Schulze verkauft das Grundstück parzelliert an zwei jüdische Kaufleute und einen Berliner Architekten (Felix Goeser), der auf seinem Teil das Ferienhaus für sich und seine Frau (Anja Schneider) baut.

Das wird alles recht bildlich erzählt und dabei z.B. Sand geschippt, oder mit Wassereimern hantiert. Die Figuren wechseln und mit ihnen die Rollen und Kostüme (Claudia Irro). Als dauernder Beobachter, im Roman eigentlich eher stilles Faktotum, fungiert der Gärtner, den Almut Zilcher mit Wachsjacke, einem breitkrempigen Hut und schnarrender Stimme gibt. Relativ unkommentiert stehen die einzelnen Episoden der jüdischen Familien neben denen des Architekten und seiner Frau, die das Grundstück mit dem Bootshaus der Gubener Tuchfabrikantenfamilie (hier gespielt von Peter René Lüdecke, Benjamin Lillie und Siri Carla Brodowski), deren Mitgliedern die Flucht nach Australien gelingt, oder in KZs abtransportiert und dort umgebracht werden. Sehr ergreifend ist auch hier auf der Bühne die Episode, in der die junge Doris in einem Versteck ausharrt und um ihre Existenz ringt.

Dagegen schneidet die Inszenierung das Tischgelage des Architektenpaars mit übertriebenem Gelächter. Die Vergewaltigung der Frau des Architekten am Ende des Zweiten Weltkriegs durch ein jungen Rotarmisten ist im Roman sehr explizit als symbolische Kampfhandlung Sieger gegen Besiegte beschrieben und wird hier auf der Bühne von Anja Schneider und Benjamin Lillie erzählt. Nach der Flucht des Architekten in den Westen beziehen neue Pächter das Haus. Der zweite Teil nach der Pause widmet sich ausführlich dem Schriftstellerpaar, das nach dem Exil in der Sowjetunion ins Haus zieht, und ihren Gästen. Die Fluchterfahrung der Schriftstellerin trägt Julischka Eichel in einem weiteren Monolog vor. Der fast 3stündige Abend endet mit dem Bericht der Enkelin als letzter Bewohnerin des Hauses, deren Schilderungen durch die nach der Rückübertragung des Grundstücks an die Erben der Architektenfrau durchs Haus ziehenden Kaufinteressenten unterbrochen wird. Erpenbecks Roman ist ein starkes Stück Geschichte, die szenisch aufzubereiten diesem Abend in seinem Hang zur puren Nacherzählung nicht wirklich gelingen kann und deren gesellschaftliche Aufarbeitung die eigentliche Heimsuchung wäre.'' schreibt Stefan Bock am 8. Februar 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Frontale Geschichtslektionen im Halbdunkel
19 Tage her.
Kritik

Sehr frontal wird aus dem Bühnen-Halbdunkel in den Saal gesprochen. Die 11 Kapitel plus Prolog und Epilog, in die sich das Geschichtspanorama gliedert, werden auch in den knapp drei Stunden recht brav nacherzählt und wesentliche Stationen deutscher Geschichte abgehandelt. Für die Überleitungen ist wie im Roman der Gärtner des Anwesens zuständig, als Faktotum mit Mantel und Mütze geistert Almut Zilcher über die Szenerie.

Wenig spielerisch, aber sehr didaktisch läuft fast jede Miniatur auf eine Geschichtslektion zu: genannt seien hier die Bereicherung der Nazis an jüdischen Vermögen, die Vergewaltigungen durch die Rote Armee oder das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“, das viele Ostdeutsche im Einigungsprozess der 1990er Jahre erboste.

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