von: William Shakespeare Premiere: 26. August 2026, Hangar 1, Cottbus (Lausitz-Festival)
Leading Team
Regie: Marcel Kohler Bühne und Kostüme: Torsten Köpf Musik: Christoph Bernewitz Laute: Jonas Nordberg Licht: Henning Streck Dramaturgie: Michael Höppner
Besetzung
Corinna Harfouch Sina Kießling Dagna Litzenberger Vinet Linn Reusse Leonard Burkhardt Tom Gramenz Götz Schubert Kinder aus Cottbus
Über die Inszenierung
Marcel Kohler entwickelt einen „Hamlet“, der die klassische Tragödie als zeitgenössisches Konfliktfeld zwischen Macht, Identität und moralischer Zerrissenheit zeigt. Die Inszenierung arbeitet mit klaren, atmosphärischen Bildern und einer intensiven, psychologisch präzisen Figurenführung.
Torsten Köpf gestaltet Bühne und Kostüme als reduzierten, zugleich symbolisch aufgeladenen Raum, der die innere Zerrissenheit der Figuren spiegelt. Die Kostüme betonen die Übergänge zwischen öffentlicher Rolle und privater Verletzlichkeit.
Christoph Bernewitz’ Musik und Jonas Nordbergs Laute schaffen eine klangliche Ebene, die zwischen barocker Anmutung und moderner Verfremdung wechselt. Henning Strecks Licht setzt klare dramaturgische Akzente und moduliert die Atmosphäre zwischen Intimität und Konfrontation.
Michael Höppners Dramaturgie strukturiert die komplexen Textschichten und schafft eine präzise Balance zwischen klassischer Vorlage und zeitgenössischer Lesart.
Besondere Aspekte dieser Produktion
– psychologisch präzise Figurenzeichnung – atmosphärische, reduzierte Bühnenästhetik – starke musikalische und lichtdramaturgische Akzente – intensives Ensemble mit großer Ausdruckskraft – zeitgenössische Interpretation eines klassischen Stoffes
Dieser „Hamlet“ verbindet klassische Tragödie mit moderner Bühnenästhetik und zeigt Shakespeares Werk als kraftvolles, zeitgenössisches Drama über Wahrheit, Macht und Selbstverlust.
Klassiker zwischen Immersion, Kindertheater-Gastspiel und Gen Z-Zerrissenheit
10 Stunden her.
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Kritik
Einschüchternd und fröstelnd ist die Atmosphäre: Kanonen vor der Halle, junge Männer, die sich hinter Sturmhauben verschanzen, postieren sich neben den Zugängen. „Helsingør“ steht in großen Lettern über dem Eingang.
Während der ersten anderthalb Stunden erleben wir eine respektvolle Annäherung an den Klassiker von William Shakespeare. Marcel Kohler, der an der Schaubühne in Berlin engagiert ist, sich aber seit einigen Jahren auch mit Regie-Arbeiten an unterschiedlichen Häusern einen Namen gemacht hat, folgt wie zuletzt auch Johan Simons der Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch. Er nimmt sich jedoch mehr Freiheiten, lang ist die Liste der Fremdtexte, die er einbaut. Selten sind sie so eindeutig zu erkennen wie das „Blablabla“ aus Heiner Müllers „Hamletmaschine“. Auf einem Jeep werden die Kinder vom Piccolo Theater Cottbus hereingefahren und von Reusses Hamlet für das Stück im Stück, die „Mausefalle“ instruiert, mit dem er den Stiefvater und Onkel als Mörder überführt und das er mit dem Müller-Klassiker kreuzt. Ein erster Höhepunkt vor der Pause!
Holpriger geht es nach der Unterbrechung weiter, die man für etwas frische Luft oder einen Rundgang durchs Bühnenbild nutzen kann. Hinter den jeweiligen Tribünen wurden einige Klappstühle aufgebaut: stark eingeschränkt ist für die allermeisten der Blick auf die Szenen. Die Gruppe mit den blauen Bändchen sitzt zunächt vor Gertruds Schlafzimmer, wo Polonius hinter seinem Vorhang ermordet wird, alle mit rotem Bändchen starten im Kloster und wechseln dann hinüber. Doch nicht nur die Sicht ist eingeschränkt, auch akustisch ist der Szene kaum noch zu folgen. Das liegt am wenigsten an der komplexen Akustik der gewaltigen Halle, die mit Mkroports gut gemeistert wird, sondern an zwei anderen Faktoren: den herübergellenden Schreien vom parallelen Spielort hinter der anderen Tribüne und dem Gebrabbel einiger Zuschauer, die den Zugang zu dieser Szene verloren und ganz offensichtlich abgeschaltet haben.