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    Schaubühne am Lehniner Platz
    www.schaubuehne.de
    Kurfürstendamm 153 - 10709 Berlin
    Telefon: 030 890023
    SPIELPLAN & KARTEN

    Prinz Friedrich von Homburg

    Bewertung und Kritik zu

    PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG 
    von Heinrich von Kleist
    Regie: Jette Steckel 
    Premiere: 14. November 2023 
    Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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    Zum Inhalt: Heinrich von Kleists letztes, 1809/10 entstandenes Drama zieht sein Konfliktpotential aus den Gegensätzen, die sich aus der Befehlsverweigerung Homburgs ableiten: individuelle Freiheit und Staatsräson, Gefühl und (militärische) Gehorsamspflicht. Held oder Außenseiter? Sinnverwirrter Träumer oder Traumatisierter? Homburg ist ein von Widersprüchen Zerrissener, der seine innere Weltvorstellung nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen weiß. Ist es unmöglich, wie es Ingeborg Bachmann formulierte, »Offizier und Mensch zugleich zu sein«?

    MIT: Jule Böwe, Holger Bülow, Stephanie Eidt, Bastian Reiber, Renato Schuch, Alina Vimbai Strähler, Axel Wandtke

    REGIE: Jette Steckel
    BÜHNE: Florian Lösche
    KOSTÜME: Pauline Hüners
    MUSIK: Mark Badur
    CHOREOGRAFIE: Dominika Knapik
    VIDEO: Zaza Rusadze
    DRAMATURGIE: Bettina Ehrlich
    LICHT: Erich Schneider

    3.3 von 5 Sterne
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    Ein beklemmender Abend
    7 Monate her.
    Kritik

    ''Wir leben in einer Zeit archaischer Kriege. Aber die Inszenierung hat Hoffnung im Gepäck, ob und wie wir diesen Zivilisationsbruch beenden können. Sie zeigt, wie leicht Menschen ins Räderwerk der Anpassung und Gleichförmigkeit geraten, ideologisch vereinnahmt und zu Tötungsmaschinen mutieren, jede Individualität und jedes Gefühl von Menschlichkeit auf dem Schlachtfeld geopfert wird.

    Es ist ein beklemmender Abend, bedröppelt schleicht man aus dem Theater und weiß doch ganz genau: Wir müssen "Nein" sagen, wenn wieder gerufen wird: "In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!" Wir dürfen uns nicht, wie Prinz Homburg in Jette Steckels Finale, selbst das Gehirn wegschießen und hoffen, dass alles nur ein Alptraum ist, aus dem wir bald erwachen. Seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt: Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses niederschmetternden Abends.'' Frank Dietschreit auf rbbKultur

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    Vom Traum zum Trauma
    7 Monate her.
    Kritik

    ''Diesem Kleist-Menschen, dem „im Leben nicht zu helfen“ war, entzieht Jette Steckel mit ihrer düsteren Inszenierung nun auch noch die Fähigkeit ohne Angst zu träumen. Natürlich spult sich nebenbei noch das ganze Drama um die gewonnene Schlacht über die Schweden ab. Ein Sieg, der dem Kurfürsten von Brandenburg (Axel Wandke) nur durch die Verletzung der Order, nicht in den Kampf einzugreifen, bevor er gerufen wird, „schwer gekränkt“ wurde. Viel pathetisches Gedöns, das hier noch mit Videoprojektionen von marschierenden Soldaten und viel Musik vom Band, wie den Doors-Song Riders on the Storm untermalt wird. Wie sooft geht da die Lust am kräftigen Bild mit der Regisseurin förmlich durch. Der Prinz (Renato Schuch) zunächst im roten Camouflage, dann in Unterhose kopfüber hängend oder sich in ein aus den Säcken gerissenes Grab kauernd, liegt schließlich wie der vom Kreuz abgenommene Jesus in den Armen der Kurfürstin (Stephanie Eidt).

    Ein David-Bowie-Cover (Let's Dance) und ein Soldaten-Ballett nach Tschaikowskys Nussknacker wechseln mit über die Schräge rutschenden SchauspielerInnen oder dem im engen Clinch liegenden Homburg mit seiner Natalie (Alina Vimbai Strähler), die hier höchst selbst als Offizier das Dragonerregiment befehligt. Als Kottwitz knarzt Jule Böwe. Man hat da noch Carmen-Maja Antonie in Claus Peymanns letzter Inszenierung am Berliner Ensemble in guter Erinnerung. Der Prinz fällt am Ende nicht in Ohnmacht, sondern richtet sich höchst selbst. Traum oder Albtraum dürfte da keine Frage mehr sein. Wer dennoch Lust am Krieg verspürt, ist vermutlich nicht besonders empfänglich für derart traumatischen Brachial-Pazifismus. Ein wenig übers Ziel hinausgeschossen? Könnte sein.'' schreibt p. k. am 16. November 2023 auf KULTURA-EXTRA

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    Große, plakative Bilder vom Grauen des Krieges
    8 Monate her.
    Kritik

    Keuchend und schwitzend erklimmen die Spieler*innen wieder und wieder diese steile Wand oder lassen sich von ihr abrollen. Gewehre werden präsentiert, die Hacken der Stiefel werden gehorsam aneinander geschlagen und dröhnender Kriegslärm unterlegt weite Strecken dieses Abends. Jette Steckel beweist ihr unbestreitbares Talent, große, eindrucksvolle Bilder zu schaffen. Sehr naturalistisch zeigt sie das Grauen des Krieges. An Edward Bergers Oscar-prämierten Netflix-Blockbuster „Im Westen nichts Neues“ nach Erich Maria Remarque fühlten sich einige nach dieser Premiere erinnert.

    Ein Markenzeichen von Jette Steckels Inszenierungen sind die Popsongs, in denen manche ihrer Abende so schön schwelgen wie ihre preisgekrönte Hamburger „Romeo und Julia“-Inszenierung. Wenn das plakative Anti-Kriegs-Reenactment auf die zarten Melodien trifft, macht es sich Jette Steckels Kleist-Inszenierung manchmal zu einfach und ist der Kitsch nicht weit. „Eine ungute Ästhetisierung des Krieges“ warf Elena Philipps Nachtkritik diesem Abend aus guten Gründen vor.

    Auf welcher Seite Steckel mit diesem „Antikriegs-Blockbuster“ (Barbara Behrendts treffende Charakterisierung im rbb) steht, unterstreicht sie durch einige Einschübe aus Kleists Briefen, in denen er die Motive für seinen Bruch vom Militär und seinen Hierarchien präzise beschrieb, mit denen sie den leicht gekürzten Originaltext des Dramas anreichert. Die Sprache von Kleists Figuren bleibt uns so fern wie ihre Auseinandersetzungen um Befehl, Gehorsam und Vaterland. Die Brutalität des Krieges bleibt über die Jahrhunderte gleich. Das Entsetzen darüber möchte uns Steckel sehr eindringlich vor Augen führen und zieht viele Register des Überwältigungs- und Breitwand-Theaters. Die Bilder sind es, die von diesem Abend in Erinnerung bleiben, die Erkenntnisse sind nicht neu.

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