Bewertung und Kritik zu

HAMLET
von William Shakespeare
Regie: Thomas Ostermeier 
Premiere: 17. September 2008 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

Hamlet wird wahnsinnig. Sein Vater ist an einer plötzlichen, seltsamen Krankheit gestorben, die Mutter hat nach nur einem Monat wieder geheiratet, und zwar den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Nachts hat Hamlet Visionen von seinem Vater: Der behauptet, sein Bruder habe ihn vergiftet. Nun soll Hamlet für ihn Rache nehmen und den Stiefvater töten. Zuerst spielt Hamlet den Wahnsinnigen, um seine Mordpläne zu verbergen. Dabei verliert er den Boden unter den Füßen. Die Freunde entpuppen sich als Spitzel des Stiefvaters, selbst seine Geliebte Ophelia wird Teil des Komplotts. Der Jäger wird selbst zum Gejagten.

Regie: Thomas Ostermeier
Bühne: Jan Pappelbaum
Kostüme: Nina Wetzel
Musik: Nils Ostendorf
Dramaturgie: Marius von Mayenburg
Video: Sébastien Dupouey
Licht: Erich Schneider
Kampfchoreographie: René Lay

Dauer: ca. 165 Minuten (keine Pause)


 
Meinung der Presse zu „Hamlet“ - Schaubühne


FAZ
★☆☆☆☆

rbb
★★★★☆

taz
★★★★★

nachtkritik
★★★★☆

Berliner Zeitung
★★☆☆☆

Der Tagesspiegel
★★★☆☆

Die Welt
★★★☆☆

Zitty
★★★★★

tip
★★★★☆

Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.6/5 Insgesamt 11 Bewertungen (2 mit Rezension)
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
lars eidinger als intensiver rachefürst
  · 27.10.14
ich bin süchtig. selbst beim vierten mal "hamlet" wurde mir klar, es wird noch ein fünftes mal geben. dieses mal saß ich statt in der letzten reihe mal in der dritten reihe und konnte wirklich jedes detail einatmen. ja, das stück geht 2 stunden und 45 minuten, hat keine pause, aber das muss keine angst machen. es passiert genug auf der reise in den kosmos "hamlet". ostermeier hat hier ein saftiges regiestück abgeliefert mit einem begnadeten lars eidinger als titelkraftstrotz. im fatsuit, im dunklen anzug und derben schuhen, gibt er den verzogenen muttersohn, eifersüchtig, anmaßend, launisch. und leidend, den vater verloren, die mutter in den armen des geilen großkotzes und verhassten onkels.
hamlet erscheint der vater als blutüberströmter geist und er erfährt vom mord. nach 40 minuten rauscht der theaterabend in einen wahnwilden ritt, in der eidinger zum totalen performer wird ohne den anspruch des klassikers aus den augen zu verlieren. immer nah am zeitgeist, popkulturlike, kommt uns der moderne hamlet gefährlich nah. es wird gerappt, gerast, geschrien, gegrinst, gefeixt, geschmollt. eidinger kriecht durch die erde (die bühne ist davon komplett bedeckt). frisst dreck, schmeißt um sich, will den wahnsinn und man rauscht hemmungslos mit. immer wieder wird es ironisch. dann garstig, dann wieder inbrünstig. ich kann mich nicht sattsehen an dem, was eidinger aus sich herausholt um zu diesem hamlet zu werden. ein totaler trip voller abgründe und tiefen. und trotzdem macht es verdammt großartigen spaß. 
dafür sorgt auch das schaubühnen-ensemble um ihren performing artist formerly known as lars eidinger. urs jucker als hamlets vater und onkel will strotzen, zerschellt aber an hamlets berserkertum. jenny könig spielte dieses mal die mutter und die geliebte ophelia und ringt sich in beiden rollen alles ab, zerbrechlich und doch stark. in hamlets armen muss sie viel erdulden. bühnenkingkauz robert beyer doppelrollt mal todernst, dann wieder urkomisch. sebastian schwarz und franz hartwig sind die sympathischstarken freunde/gesandten an hamlets seite. der tosende applaus galt allen, auch wenn eidinger natürlich die überdosis gebührt. 
mit im publikum: regisseur ostermeier und eidingers frau ute mit allerliebstem töchterchen. dieses mal gab es hinterher noch was auf die ohren. lars als fame-dj seiner autistic disco im saal c. von der decke glitzerpuschel, an der wand zoomten abgefahrene sprüche und es wurde irgendwie-getanzt zu oldschool-mucke von notorious b.i.g., beats international, ll cool j. ein perfekter sonnabend-abend.
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Lars Eidingers 200. Auftritt als Schaubühnen-Hamlet
  · 26.01.14
Bei der 200. Aufführung war ein Lars Eidinger zu erleben, der als Hamlet in den Wahnsinn abgleitet. Manches gerät zum Slapstick, die berühmte Theaterszene, bei der er den Stiefvater als Mörder überführen will, ist einer der gelungeneren komödiantischen Momente. Mit Tourette-Syndrom-haften Einlagen, Wasserschlachten und viel Dreck im Mund tobt er durch die knapp drei Stunden.
Ausgerechnet am Jubiläums-Wochenende kam er auch zwei Mal aus dem Konzept: mit der Wasserpistole traf er einen älteren Herrn in der ersten Reihe, der die halbherzige Entschuldigung annahm, aber nicht auf das Angebot einging, dass der Hauptdarsteller des Abends von der Bühne runterkommen und ihm die Brille putzen könnte. Der zweite Faux-pas war, als er sich beim Satz "Du hast meine Mutter zu einer Hure gemacht" verhaspelte.
Der Abend wurde mit viel Beifall bedacht, der freundlich über die Schwächen der Inszenierung hinwegsah. Weiterlesen
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