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Deutsches Theater Berlin
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SPIELPLAN & KARTEN

Fake Jews

Fake Jews – Eine Autofiktion von Noam Brusilovsky

Uraufführung

Premiere: 29. Januar 2026
Ort:Deutsches Theater Berlin, Box
Text und Regie: Noam Brusilovsky

Über das Stück

Im Jahr 1995 veröffentlicht der Suhrkamp Verlag die Erinnerungen eines angeblichen lettischen Holocaustüberlebenden. Das Buch wird zunächst gefeiert, erhält Auszeichnungen und gilt als eindrucksvolles Zeitzeugnis. Doch nur wenige Jahre später deckt ein schweizerisch-jüdischer Journalist auf, dass der Autor weder jüdisch ist noch persönliche Erfahrungen mit der NS-Verfolgung hat. Die vermeintliche Autobiografie entpuppt sich als vollständig erfundene Identitätskonstruktion.

Hintergrund: Das „Wilkomirski-Syndrom“

Der Fall bleibt kein Einzelfall. Die fiktive Biografie des Binjamin Wilkomirski führt später zur Bezeichnung „Wilkomirski-Syndrom“ – ein Begriff für Menschen, die sich eine jüdische Opfergeschichte aneignen, um daraus gesellschaftliche oder persönliche Vorteile zu ziehen. Gerade in Deutschland, wo viele Familiengeschichten nur unzureichend aufgearbeitet wurden, tauchen immer wieder Personen auf, die eine solche Verfolgungsbiografie behaupten: darunter eine prominente Bloggerin, ein ehemaliger Vorsitzender einer jüdischen Gemeinde bei Hamburg oder ein einflussreicher Journalist.

Identität als Ressource

In einer Gegenwart, in der Identität zunehmend über Sichtbarkeit und Deutungshoheit entscheidet, werden bestimmte biografische Hintergründe zu einem Privileg. Das Stück stellt daher zentrale Fragen: Ist die Aneignung jüdischer Identität ein strategischer Vorteil? Ein Mittel zur Selbstinszenierung? Oder wird die Überprüfung solcher Behauptungen bewusst vermieden, weil das Thema historisch so sensibel ist?

Brusilovskys künstlerischer Ansatz

Noam Brusilovsky widmet sich diesen Fragen in einem Monologprojekt, das die blinden Flecken der deutschen Erinnerungskultur beleuchtet. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft untersucht er, wie erfundene Identitäten entstehen, warum sie geglaubt werden und welche Mechanismen dahinterstehen.

Künstlerisches Team

Bühne und Kostüme: Julia Plickat
Musik: Tobias Purfürst
Licht: Heiko Thomas
Dramaturgie: Jasmin Maghames

Besetzung

Bühnen-Solo: Moritz Kienemann
Mit den Stimmen von: Alexander Cocotas, Moritz Gerlach, Jutta Menschik-Bendele und Barbara Steiner

1 Kritik

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Solist verausgabt sich zwischen Dokumentation und Satire
4 Tage her.
Kritik

Die Seele schreit und spielt sich Moritz Kienemann an diesem Abend in der Box, der kleinsten Spielstätte, des Deutschen Theaters Berlin, aus dem Leib. Er hat sichtlich Freude daran, wenn er gegen Ende seines Solos zum Rundumschlag gegen die verkrampften deutsch-jüdischen Beziehungen ausholen darf. In Noam Brusilosvskys Text rechnet er mit den „Henriettes“ ab, die sich israelische Männer angeln und ganz ergriffen von sich selbst die jüdischen Rituale mitmachen, oder mit der Aktivistin Amalia aus wohlhabendem Charlottenburger Haus, die aus Protest gegen ihre im Zentralrat der Juden engagierte Familientradition zur palästinensischen Aktivistin wird.

Der autofiktionale Ich-Erzähler, den Kienemann spielt, stellt sich als Narzisst, aber vor allem als Blender heraus. Seine behauptete jüdische Herkunft als Nachfahre ist erfunden und erlogen. Dafür gibt es auch ganz reale Vorbilder, über die mehrere Stimmen aus dem Off (Journalisten oder eine Psychologie-Professorin) berichten. Die Schwäche des Abends ist, dass er dramaturgisch unentschieden bleibt. „Fake Jews“ schleicht sich an sein Thema heran, im Lauf des Abends dominieren mal eher die satirischen Momente, später wird es eher dokumentarisch mit Fakten, die aus dem Hintergrund eingesprochen werden.

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