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Bewertung und Kritik zu

MACBETH
von Heiner Müller nach Shakespeare
Regie: Michael Thalheimer
Premiere: 29. November 2018 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: "Macbeth" gehört zu den berühmtesten Dramen des William Shakespeares. Heiner Müllers Übersetzung ist viel mehr als nur eine Überarbeitung. Sie  ist ein originäres Drama über die Dialektik der Macht.

Nach der Flut grausamer Diktatoren, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, rückt neben Hamlet auch Macbeth in die Reihe der archetypischen Figuren. Sein Machtwille wird so lange angestachelt, bis er eine Position erreicht hat, die er nicht mehr ausfüllen kann. Seine Angst bekämpft er mit immer grö­ßerer Gewalt und seine Herrschaft kann er nur noch in sadistischen Befehlen genießen. Die politische Lage in "Macbeth" gleicht einer trüben Sumpflandschaft, in der jede Handlung erstirbt.

Regie: Michael Thalheimer
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Nehle Balkhausen
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Bernd Stegemann
Licht: Ulrich Eh


 
Meinung der Presse zu 

„Macbeth“

Berliner Ensemble


FAZ
★★★☆☆

nachtkritik
★★★☆☆

Berliner Zeitung
★☆☆☆☆


Tagesspiegel
★★☆☆☆

Die Welt
★★★★★

tip
★★★★★

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Der pessimistische Blick auf die Welt
  · 30.11.18
''Nur Monster, Karikaturen auf der Bühne – von Menschen keine Spur. Constanze Becker gibt sich als bleiche, schwarz gekleidete Lady Macbeth alle Mühe, wie eine böse Märchenhexe pathetisch an der Rampe zu deklamieren. Sascha Nathan wirkt als schuldgetriebener Macbeth noch als das humanste Geschöpf der Inszenierung. Wie er später zum irren Kind, zu einem absurden König Ubu mutiert, hat mitunter gar einen grotesken Humor. Ansonsten herrscht nur unfreiwillige Komik: Wenn Lady Macbeth ihrem Gatten entsetzt die Dolche entreißt, die er doch hätte am Tatort liegen lassen sollen und in hysterisches Krächzen verfällt, wirkt das mehr wie die Parodie eines Splatter-Movies als wie eine menschliche Tragödie.

Natürlich: Man muss akzeptieren, dass Thalheimer derart pessimistisch auf die Welt blickt, dass er jedem Ringen um Demokratie, Solidarität, Gerechtigkeit Hohn spricht, von so unmöglichen Dingen wie Freundschaft und Liebe ganz zu schweigen. Doch die fehlenden Ambivalenzen dieser Zombies, die alles Niedermetzeln, machen den Abend grässlich langweilig, dumpf und schlicht. Die Welt ist böse, alle Menschen sind Sadisten – diese Verdichtung ist (nicht nur gemessen an William Shakespeare und Heiner Müller) allzu simpel.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Tragödie wird zur Farce
  · 06.12.18
In einem lesenswerten Esssay für das Programmheft wird Müllers Weltanschauung sehr anschaulich erklärt: er sieht die Geschichte als Abfolge blutiger Gemetzel und als Aneinanderreihung von Klassenkämpfen. Der Staat dient nur als Repressionsinstrument, um die Audgebeuteten und das Proletariat in Schach zu halten. Diese düstere, marxistische Philosophie prägt auch Thalheimers Abend.

Dies bringt einen großen Nachteil mit sich: die Figuren wirken austauschbar. Ohne scharfe Konturen ihrerr Persönlichkeit metzeln sie sich gegenseitig nieder. Ihre Beweggründe und Charakterzüge verschwinden schemenhaft im Nebel. Trotz der nur 110 Minuten hat dieser „Macbeth“ einige Längen: ein Befund, der gerade bei Thalheimer, dem großen Sezierer und Skelettierer der Dramen auf ihren Kern, ungewohnt ist.

Dennoch hat dieser „Macbeth“ seinen Reiz. Allein schon wegen Constanze Becker als Lady Macbeth lohnt sich dieser Theaterabend. Die schneidende Verachtung und Eiseskälte, die aus jedem ihrer Sätze spricht, ist ihre große Stärke, in dieser Tragödie kann sie ihre Begabung nach einigen schwächeren Auftritten und Rollen, die nicht optimal zu ihr passten, wie in „Caligula“ und „Griechische Trilogie“ endlich wieder voll ausspielen. Thalheimer lässt seine Star-Schauspielerin, mit der er seine größten Erfolge feirte, umso heller leuchten, weil sein „Macbeth“ bei Sascha Nathan von vornherein die Karikatur eines armen Würstchens ist. Mit Pappkrone und schwerfälligen, schläfrigen Bewegungen ist er eher Marionette als handelnder Akteur. Mit seinem Jammern wirkt er oft kindisch wie ein verwöhnter Junge. Die Tragödie wird zur Farce.

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Schlachtfest
  · 01.12.18
''Sascha Nathan ist trotz der Massigkeit des Körpers ein Wicht, der den trotzigen Kind-König spielt, in dieser Pose aber nicht in den Schoß der Unschuld zurückkehren kann. Ein Grundthema der schicksalhaften Apotheose des Bösen bei Heiner Müller. Erst ist es der Wille zur Macht, der ihn antreibt, dann, einmal mit solcher Anstrengung und Grausamkeit ans Ziel gelangt, kann sich Macbeth nicht mehr selbst von der Macht trennen. Angst vor seinen Gegnern ist dabei sein ständiger Begleiter. Und so watet der Schlächter weiter im Blutsumpf, bis er selbst am Ende, wie von den Hexen prophezeit, von Macduff zur Strecke gebracht wird. Ingo Hülsmann würgt von hinten den mit angstverzerrtem Gesicht ins Publikum Starrenden. „Mein Tod wird die Welt nicht besser machen“, sind Macbeth‘ letzten Worte. Mit dem jungen Malcom kommt schon der nächste Kind-König von hinten an die Rampe und setzt sich die Krone aufs Haupt. Macht korrumpiert, ist die einzige, allgemeingültige Aussage des Abends. Damit ist der Kreislauf der ewigen Gewalt geschlossen. 

Heiner Müller hatte seinen Macbeth aus der Shakespeare`schen Dichtung wieder in einen historischen Kontext gestellt. Da Thalheimer den kapitalismuskritischen Ansatz von Müller weginszeniert und allein auf den Hauptprotagonisten fokussiert, bleibt da am Ende nur ein nacktes, wimmerndes Würstchen, dessen Schicksal es ist, aus einer fixen Idee eine blutige Ideologie zum Machterhalt zu schaffen. Die Wucht von Müllers Text und Thalheimers Inszenierung passen formal gut zusammen, auch wenn es in dieser Stringenz dann doch recht spannungsarm ist. Müller selbst hat das Stück 1982 an der Volksbühne mit drei Macbeth-Darsteller inszeniert. Sicher nicht ohne Grund. Das löst die strenge Form, die Thalheimer unbedingt beibehalten will. So steht er sich formal oft selbst im Weg. „Der Mond schneit Blut.“ Und morgen wird es wieder weggewischt. Im Kühlschrank steht ja neues.'' schreibt Stefan Bock am 1. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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