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Er war eine literarische Sensation, der Roman „Bonjour Tristesse“, 1954 veröffentlicht von der damals 18jährigen Französin Françoise Sagan, von größter Anziehungskraft für das Lesepublikum. Gewiss nicht nur des Stils und der Story wegen, sondern eben auch wegen der dort geschilderten erotischen Freizügigkeit - eine für die Zeitgenossen noch ungewohnte Milieuskizze von einem ganz neuen Persönlichkeitsbild und Lebensgefühl.  Der Sohn der Autorin hat kürzlich das Hamburger St. Pauli-Theater autorisiert, die von Ulrich Waller erarbeitete Bühnenfassung der Romanvorlage in einer Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen herauszubringen. Diese Ur-Aufführung ist nun im Berliner Renaissance-Theater zu sehen. 

Auf den spezifischen Reiz der französischen Sprachmelodie muss man in der Übertragung allerdings verzichten. Was von der Romanhandlung übrig bleibt, ist eine längere Folge kurzer Szenen, die jeweils durch Blackout voneinander getrennt sind. Eingangs und am Schluß steht ein Chanson in französischer Sprache, das gleichfalls auf den Begriff der „Tristesse“ Bezug nimmt und von der Schauspielerin der Elsa, Anneke Schwabe, vorgetragen wird. Unterwegs im Spiel setzt ein Instrumentaltrio aus Baritonsaxophon, Querflöte und Schlagzeug behutsam disponierte musikalische Akzente. Das Bühnenbild ist vergleichsweise einfallslos und besteht eigentlich nur aus Gazevorhängen und einer Fototapete. Regisseurin ist Dania Hohmann.

Die Konstruktion der gesamten Handlung ist ebenso einfach wie raffiniert. Schauplatz ist eine Villa an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Josephin Busch ist die 17jährige Cécile, die mit ihrem Vater Raymond in einer „fast inzestuösen Vater-Tochter-Beziehung“ lebt, wie Übertrager Ulrich Waller im Programmheft formuliert. Raymond (Uwe Bohm) ist der geborene Frauentyp, und seine oft mit frühreifem Sarkasmus monologisierende Tochter bezeichnet ihn und sich selbst als „Nomaden“. Aus Paris hat Raymond Elsa (Anneke Schwabe) mitgebracht, zu der er sich  hingezogen fühlt, obwohl er solche Beziehungen nach einigen Monaten wieder zu lösen pflegt. Cécile lernt ihrerseits den jungen Cyril (Metin Turan) kennen, der sich später für eine amouröse Intrige bestens einsetzen lässt. 

Das Trio aus Cécile, Raymond und Elsa lebt in heiterer Belanglosigkeit vor sich hin, bis sich Anne (Annika Mauer) ansagt, eine frühere Freundin Raymonds aus verflossener Beziehung. Rasch entwickelt sich aus dieser Besuchssituation ein neues Techtelmechtel, das die angestammte Vater-Tochter-Beziehung zu gefährden beginnt. Auf einmal erklären Raymond und Anne, dass sie heiraten wollen, und nun läuten bei Cécile die Alarmglocken. Sie fädelt eine Verschwörung ein, indem sie absichtsvoll Elsa und Cyril miteinander flirten läßt in der berechtigten Erwartung, dass Vater Raymond es nicht ertragen wird, dass ein anderer seine Freundin Elsa besitzt und sich stattdessen ihr wieder zuwendet. Damit wäre die ältere, von Cécile als gouvernantenhafte Bevormunderin erlebte Anne aus dem Spiel, und das bisherige Leben könnte fortgesetzt werden. 

Gesagt, getan. Alles geschieht wie geplant. Anne streicht daraufhin empört die Segel und steigt zur Heimfahrt ins Auto. Wenig später erhält Raymond die telefonische Nachricht, dass Anne bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Die fatale Intrige hat funktioniert, aber an ihrem Ende herrscht Trauer und einer Rückkehr zu einem letztlich als öde empfundenen, allseits gesicherten Leben in gänzlicher, auch sexueller Freiheit steht nichts entgegen.

Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Cécile, hinter der man wohl ein frühes Selbstporträt der Autorin Françoise Sagan vermuten darf. Ihre erfrischende, einigermaßen hemmungslose Lebensphilosophie war in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als beispiellos revolutionär erschienen, und das seinerzeit als „Tristesse“ bezeichnete Grundgefühl ist bis heute in der jüngeren Generation  anzutreffen. Wem in jungen Jahren alle Annehmlichkeiten des Lebens zufallen, ohne darum kämpfen zu müssen, sieht im weiteren Leben bisweilen eine von tiefer Traurigkeit geprägte Sinnlosigkeit. 

Viel Beifall vom Publikum der Berliner Premiere für eine Aufführung mit gut ausgewählten, treffend besetzten Schauspielern und eine reizvolle Begegnung mit einem Roman, der vor mehr als einem halben Jahrhundert die öffentliche Moral im katholisch geprägten Frankreich erheblich touchiert hat. 

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Kritik zu: Die Kameliendame
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Steckt in diesem Romanerfolg des Alexandre Dumas aus dem Paris des Jahres 1848 wirklich mehr als die Kontur eines klassischen Tränenziehers, umweht von der Aura der legendären Sarah Bernhardt, die einst in der Bühnenfassung des Romans Triumphe feierte ? Oder strahlt der ungebrochene Glanz von Verdis „La Traviata“ auf die literarische Quelle zurück ? Einerlei: Es gibt eine Neubearbeitung des Stoffes von Ulrich Hub, die jetzt in der Regie von  Philip Tiedemann am Berliner Schloßparktheater Premiere hatte. 

Marguerite Gautier (Anouschka Renzi) ist eine in Paris stadtbekannte Lebedame, die von den Zuwendungen ihrer Liebhaber lebt. Der Begriff „Liebe“ ist für sie eng mit dem Geld verbunden, das sie für ihre Dienste erhält. Um sie herum Arthur de Varville (Fabian Stromberger) und der Modedesigner Gaston Rieux (Oliver Nitsche). Bis Marguerite den jungen Armand Duval (Arne Stephan) kennenlernt, der ihr mit wirklicher, tief empfundener Liebe begegnet und damit zum ersten Mal ähnliche Empfindungen in ihr selbst erweckt. Das Glück der beiden wird lediglich durch die Intervention von Armands Vater Georges Duval (Joachim Bliese) getrübt, der eine solche Verbindung als für seinen Sohn nicht standesgemäß ablehnt und Maguerite zwingt, sich unter dem Vorwand von Armand zu trennen, daß ihre Zuneigung zu ihm nicht echt sei und sie ihn nicht mehr liebe. Diese Wendung ins Tragische wird noch dadurch potenziert, dass Marguerite an Tuberkulose leidet und nicht mehr lange zu leben hat. Erst kurz vor ihrem Tode erkennt Vater Georges sein Fehlurteil und schätzt ihr Bündnis mit seinem Sohn nun ebenso hoch ein wie dieser selbst. In der Sterbestunde sind alle vier Männer in Reue und Bestürzung um ihr Lager versammelt. 

Die Inszenierung von Philip Tiedemann auf der durch Gazevorhänge und kluge Lichtregie intelligent genutzten Bühne (Stephan von Wedel) hält die Handlung flüssig in Gang und vermeidet alles nur Weinerliche. Viele Dinge werden nur angedeutet, statt sie in aller Breite auszuwalzen.  Auch ein schwarzer Flügel liefert auf der kleinen Drehbühne in der Mitte der Szene ein paar dramaturgische Akzente. 

Anouschka Renzi gibt der Figur der Marguerite anfangs den oberflächlichen Leichtsinn einer Lebedame, auch wenn dabei das mondäne Flair einer stadtbekannten „femme fatale“ etwas auf der Strecke bleibt. Desto besser gelingt ihr die Wandlung zur wahrhaft Liebenden und vor allem der Ausdruck der Qual, diesem Gefühl entsagen zu müssen, der sie mit einem Aufschrei hinter der Szene Ausdruck gibt. Auch ihre Sterbeszene meistert sie bewegend und dezent. Arne Stephan ist der feurige, später enttäuschte junge Liebhaber aus dem Bilderbuch. Sein Rivale Fabian Stromberger kann sich hinreissend aufregen über die schwankende Zuneigung Marguerites, und Oliver Nitsche gibt seiner Rolle mit trefflich sarkastischen Randbemerkungen die richtige Farbe. Joachim Bliese spielt vortrefflich den anfangs hochmütigen, später reumütig zerknirschten Vater Duval. 

Viel Beifall vom Premierenpublikum und ein Blumenbukett aus der Hand des Intendanten Dieter Hallervorden für das ganze Ensemble. Das Stück verdient ohne Zweifel die Achtung, die man einem Klassiker entgegenbringt, der in dieser Bearbeitung  sein Existenzrecht auch im Sprechtheater einleuchtend bewiesen hat. 

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Kritik zu: Der Untertan
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Lars Georg Vogel, der sowohl für die Bühnenversion des Romans wie auch für Regie und Ausstattung der Aufführung im kleinen Theater der „Vagantenbühne“ verantwortlich ist, greift entschlossen in die Kiste theatralischer Möglichkeiten und schlägt Kapital aus der unmittelbaren Nachbarschaft zum kaiserlichen Prachtbau des 1896 eröffneten „Theater des Westens“ und läßt dem Publikum vor Beginn der Aufführung Kopfhörer aushändigen, um die ersten Spielszenen im Hof hinter dem Theater gut verfolgen zu können. Hier ist der Antagonismus der Phrasen in einer Art Exposition zu verfolgen: der Kaiser verkündet Pathetisches aus einem höhergelegenen Fenster, Diederich Heßling gibt mit ersten hohltönenden Donnerworten seine politische Visitenkarte ab, und ein rebellischer linksgerichteter junger Arbeiter wird von Schüssen niedergestreckt. Danach wandern die Zuschauer ins hell erleuchtete Foyer vom „Theater des Westens“, hören erstmals von Lohengrin und König Heinrich als Figuren einer „deutschen Kunst“ und bewundern den Glanz der Kristall-Lüster. Sie verlassen diesen Ort zu den eingespielten Klängen des „Badenweiler Marsches“ über die seitliche „Kaisertreppe“ und gelangen erst dann in den Zuschauerraum der „Vagantenbühne“, um der eigentlichen Bühnenhandlung zu folgen. Diese „Hinführung“ im doppelten Wortsinn vermittelt bereits nützliche Impressionen vom zeittypischen Umfeld der Romanhandlung. Mobilität als Prinzip wird auch weiter kultiviert, als der zweite Teil nach der Pause erst auf einem Podest im Foyer startet, bevor die Zuschauer wieder ihre zuvor belegten Plätze im Saal einnehmen dürfen. 

Nun schliessen sich Szenen aus dem Leben des Papierfabrikanten Diederich Heßling (Joachim Villegas) an, dessen markige kaisertreue Stärke eigentlich aus seiner Schwäche und Unterwürfigkeit resultiert. Die einzelnen Momentaufnahmen sind der Romanvorlage mit Geschick entnommen und gewinnen dadurch überzeugende Präsenz. Zwei Frauen kreuzen Heßlings Weg, die eher sanft romantische Agnes Göppel (Senita Huskić) und die praktische, dominante Guste Daimchen (Samira Julia Calder). Heßling dient sich empor, beim Militär wie in der kommunalen Hierarchie, wird Stadtverordneter und kann reichliche Aufträge für seine Papierfabrikation ergattern. Ein junger Mann mit Engelsflügeln (Lawrence Jordan) übernimmt die Rolle des Erzählers. (...)

Viel Beifall für die gelungene, bis in die Sprache sorgfältig erarbeitete Adaption eines berühmten, zeitkritischen Romans. Weiterlesen
Kritik zu: Boris Godunow
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Die Inszenierung von Richard Jones versteht es meisterhaft, den durchgehend archaisch-düsteren Charakter dieser Handlung, die von der überaus eigenwilligen, gelegentlich schroffen, dann wieder elegisch dahinfliessenden Musik Moussorgskis wie in weiten Bögen getragen wird. Eine besonders markante Rolle spielt das Volk, das sich in seiner dumpfen Hörigkeit über eindrucksvolle Chöre (Einstudierung Raymond Hughes) artikuliert. Eine gute Unterstützung gibt das Bühnenbild von Miriam Buether, dessen Raumaufteilung nach Art russischer Ikonen zusammen mit der ausgewogenen Lichtregie den szenischen Rahmen liefert. 
 
Unter der Leitung von Kirill Karabits schafft das Orchester der Deutschen Oper mit einfühlsamer Intensität das musikalische Fundament dieser Aufführung. Abgesehen von einigen Momenten dramatischer Verdichtung herrscht vor allem der weite Atem ausgeprägt russischer Melodik vor, in dem bisweilen das Zeitgefühl zur Nebensache wird und ein lähmender Fatalismus vorherrscht, aus dem vor allem die Not und Rechtlosigkeit des Volkes hervorscheint. Weiterlesen
Kritik zu: Willkommen
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Es greift mit leichter Hand hinein ins volle Menschenleben, das neue Stück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, uraufgeführt am 4. Februar dieses Jahres im Düsseldorfer Schauspielhaus, jetzt im Renaissance-Theater Berlin in der Regie von Torsten Fischer mit Geschick auf Berliner Örtlichkeiten und Befindlichkeiten umgesetzt. Thematisch wird hier ein ganzer Strauss von widerstreitenden Haltungen und Empfindungen präsentiert: Einblicke in den Miniaturkosmos einer Wohngemeinschaft, emphatische Weltverbesserung und verkrusteter Rassismus, Offenheit und Angst, rücksichtsvolle Schonung und heimliche Feigheit. Das alles geschieht erfreulicherweise nicht durch trockenes Dozieren mit erhobenem Zeigefinger, sondern in dramaturgisch abwechslungsreicher Szenenfolge, deren federnde Spannung während des ganzen Abends erhalten bleibt. Die erfolgsgewohnte Routine des Autorenduos erringt einmal mehr den Sieg über alle denkbaren Sperrigkeiten der Materie. Das ist neben der feinfühlig komponierten Vorlage natürlich vor allem den hervorragend ausgewählten Darstellern zu danken. (...)

Viel Beifall vom durchweg angenehm unterhaltenen Publikum. Der langanhaltende Applaus gilt sowohl den Akteuren wie dem Regieteam und steigert sich bis zu rhythmischem Händeklatschen. Weiterlesen
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Die Besetzung erfüllt an diesem Abend nahezu sämtliche Wünsche. Allen voran sind die Chöre zu nennen, von Raymond Hughes wirkungsvoll einstudiert und von der Regie aus der statischen Positur herausgeholt und  in dynamischer Choreographie inszeniert. Die Wucht von Sentas leidenschaftlicher Ballade im zweiten Aufzug bläst die schwatzhaften Zuhörerinnen buchstäblich zur Seite, und im finalen Matrosenchor, der mit intensiver Dramatik entlang der Rampe gesungen wird, sorgt die akribisch genau durchdachte Personenführung für mitreissende Bewegung. Der heimliche Held dieser Aufführung ist der Erik von Thomas Blondelle, dessen heller, vom Liedgesang geschulter Tenor mit vorbildlich klarer Artikulation den Leidensweg des verschmähten romantischen Liebhabers in bewegender Weise vorführt. Die Senta von Ingela Brimberg  bringt mit leidenschaftlich ausdrucksvollem Sopran die  Hingabe und existentielle Identifikation mit dem Schicksal des Holländers überzeugend zum Ausdruck. Tobias Kehrers samtig getönter Bass gibt dem Seefahrer Daland Farbe und Charakter. Lediglich der Holländer von Samuel Youn bleibt bei aller Zerquältheit die tiefere dämonische Faszination schuldig, und die Stimme scheint mehrfach der physischen Belastung nicht recht gewachsen zu sein. 
Fundament des gesamten musikalischen Erscheinungsbildes ist einmal mehr das Orchester der Deutschen Oper unter Leitung des Wagnerspezialisten Donald Runnicles. Ist der Einstieg anfangs noch etwas breit angelegt, gewinnt das Klangbild im Laufe des Abends an Entschiedenheit und rhythmischer Prägnanz, und auch die tänzerische Liebenswürdigkeit der Empfangsszene bei der Heimkehr Dalands gelingt hervorragend. 
Ausführlicher Beifall vom Publikum, akzentuiert von ein paar vereinzelten Buh’s für das Regieteam. Weiterlesen
Kritik zu: Phädra
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Die Inszenierung von Stephan Kimmig hat den Vorzug der Konzentration auf die wesentlichen dramatischen Elemente. Vor dem strahlend weissen Hintergrund des allgegenwärtigen Bühnenbildes haben die Akteure alle Möglichkeiten, plausible Charakterbilder und zutreffende Signale ihrer Interdependenz zu entwickeln. Die Wirkung hängt zum guten Teil auch vom Umgang mit Schillers anspruchsvoller Sprache ab. Das gelingt am überzeugendsten Corinna Harfouch in der Titelrolle, dicht gefolgt von Bernd Stempel als Theseus. Bei ihm versteht man jedes Wort, und seine verschiedenen Auftritte in verblüffend wechselndem Habit bis zu Sommeranzug und Sonnenbrille verbreiten den erforderlichen szenischen Reiz. Unübertrefflich der Schlusseffekt von Phädras Sterbeszene in blutrotem Reifrock vor weissem Hintergrund. Weiterlesen
Kritik zu: Glückliche Tage
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Wie Dagmar Manzel da mit Hingabe und Akribie in Winnies Erinnerungskasten kramt, ist durch die Geschlossenheit der hier ausgebreiteten Alltagsphilosophie durchaus faszinierend. Winnie spult auch nicht einfach ihren Text ab, sondern inszeniert ihn als Interaktion mit dem Publikum. Zahllose Erinnerungen tauchen überraschend aus den Tiefen ihres Gedächtnisses auf, ohne dass wehmütige, nostalgische Gefühle die Oberhand gewinnen. So schmerzlich diese Reminiszenzen sein könnten, Winnie gewinnt der Erinnerung stets etwas Positives ab und bewahrt sich auf diese weise instinktiv vor dem Versinken in einer Flut von Klagen. Obwohl sie am Ende nahezu erstarrt in unbeweglicher Pose verharrt, nähert sich ihr Gatte auf allen Vieren mit devoter Geste, wie um Verzeihung bittend, und Winnie haucht ein rührendes Dokument verflossener Herrlichkeit, das Couplet „Lippen schweigen, s flüstern Geigen“ aus Léhars „Lustiger Witwe“. Viel Applaus für bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, in den auch das Regieteam einbezogen wird. Weiterlesen
Kritik zu: Niemand
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Das Panoptikum kulminiert im Aufeinandertreffen der beiden Brüder Fürchtegott und Kaspar Lehmann, die ihre jeweilige Lebensgeschichte aus Kindheitserlebnissen ableiten und sich instinktiv als Sparringspartner verstehen. Dabei kommt der Hausbesitzer ums Leben und entschwebt an einem Seilzug in die Höhe des Bühnenhimmels. Zurück bleibt Bruder Kaspar, der auch die nunmehr alleinstehende Witwe Ursula umarmt, sich aber bald wieder aus dem Staube macht. Auf der Szene steht am Ende die dunkle Silhouette der verlassenen Frau. 
Ach ja, und wer ist „Niemand“? Vermutlich einfach Gott, ein irgendwo verschwundenes höheres Wesen, das sich der Kommunikation verweigert und das man ebensogut „Satan“ nennen könnte. 
Die sorgfältig gezeichnete Reihe der Charakterbilder macht den Abend sehenswert. Viel Beifall für das gesamte Ensemble, das  zum Schluß auch noch als Begleitband für einen resümierenden Song zu hören ist. Weiterlesen
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Ein Anstellungsversuch von Biff bei einem früheren Schulfreund Oliver mißlingt- der erkennt ihn gar nicht, und Biff klaut ihm lediglich seinen Füllhalter.  Ein gemeinsames Dinner der beiden Söhne mit dem Vater, zu dem Happy eingeladen hatte, um den erwarteten Job für Biff zu feiern, zerflattert - die beiden Söhne ziehen mit rasch angeheuerten Mädchen davon und ignorieren Vater Willy. Als alle wieder zu Hause sind, zieht die nächste Auseinandersetzung herauf - Biff gibt zu, während einer dreimonatigen Abwesenheit wegen Diebstahls im Gefängnis gewesen zu sein, und kündigt seinen Auszug aus dem Elternhaus an. Vor dem abendlichen Schlafengehen verläßt Willy das Haus, um den Tod zu suchen, damit seine Familie von der Lebensversicherung existieren kann. Viel Beifall für die eindringliche Zeichnung der Figuren, für Ulrich Matthes und das übrige Ensemble. Weiterlesen

Premieren

23 September 2017
Kaukasische Kreidekreis
Michael Thalheimer
Berliner Ensemble

24 September 2017
Bremer Stadtmusikanten
Tobias Ribitzki
Komische Oper Berlin

24 September 2017
Nach uns das All
Sebastian Nübling
Maxim Gorki Theater

24 September 2017
Rückkehr nach Reims
Thomas Ostermeier
Schaubühne

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