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'Eine Inszenierung also über das Deutschland der 1970er Jahre mit RAF, Ost-West-Teilung – doch auch der faschistischen Vergangenheit und der Paradoxien zwischen Massenmord und klassizistischer Griechenlandsehnsucht. Eine komplexe, verrätselte, auch statische Arbeit, die keine nachvollziehbare Geschichte erzählt. Heute ist all das ohne Hintergrundwissen allein beim Blick auf den Bildschirm schwer verstehbar. Theater ist eben stets auch an Zeitgeschichte, Menschen der Gegenwart gebunden. Andererseits war die Aufführung auch damals keine leichte Kost, wie man den Premierenkritiken entnehmen kann.

Man sollte am Bildschirm nicht so sehr versuchen, das Geschehen zu verstehen, sondern die Kraft der Bilder auf sich wirken lassen. Die Einsamkeit des Wanderers, der nicht zu den Kämpfern im Zelt gehört, die davon reden, aufräumen zu wollen auf Erden, das Unkraut an der Wurzel durchzuschneiden – aber auch nicht zu den pöbelnden Menschen am Würstchenstand. Eindrücklich, wie hier jemand seinen Weg sucht in einer von Terror, Krieg, Staatsgewalt geprägten Gesellschaft. Die Aufzeichnung selbst zumindest macht es einem leicht – es ist keine abgefilmte Aufführung, sondern eine eigene Fernsehproduktion von 70 Minuten, bei der man den Spielern im Stadion durchaus nah kommt. Allerdings machte sich die Verlorenheit im gigantischen, leeren, eiskalten Stadion, viele Meter weit weg von Spielern und Sportlern, sicher ganz anders körperlich bemerkbar als zuhause im warmen Wohnzimmer.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Hamlet
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''Gespielt wird in einem artifiziellen, symbolischen Raum von Johannes Schütz. Die Spielfläche ist weiß und umrandet, eine große Schachtel. Darin rollt am Ende die Totengräberin in einer Mischung aus Boule und Billard silberne Kugeln, Totenschädel als Spielkugeln, Menschen als Spielfiguren. Darüber hängt ein gigantisches Mobile, sich immer wieder zur einen oder anderen Seite neigend, wankend, sich drehend. An einem Ende eine leuchtende Kugel, ein Vollmond. Am anderen eine schwere, kupferfarbene Platte, leicht verspiegelt, immer fortgleitend, wie die Wahrheit. Die Sehnsucht am Bildschirm wächst, im Zuschauerraum sitzen zu dürfen, wo die Wirkung dieses Raums deutlich intensiver erlebbar sein muss.

Anhand der Aufzeichnung lässt sich zumindest sagen, dass Johan Simons einen Hamlet für Fortgeschrittene inszeniert hat, ein philosophisches Extrakt, eine Hamlet-Abstraktion, die sich komplett auf dessen moralische Wahrheitssuche konzentriert. Die Handlungszusammenhänge sollte man vorher kennen, auf der Bühne bleiben sie verkürzt oder werden nur angedeutet. Das Duell etwa zwischen Laertes und Hamlet findet nicht statt, sondern wird erzählt. König Claudius, Hamlets Mutter, die Figuren am Hof bleiben einseitige, in ihrer schlichten Korruption flache Figuren.

Doch Hamlets Ausweglosigkeit, seine verzweifelte Rebellion gegen die kaputte und schlechte Welt, die Sandra Hüller so menschlich spielt, wird zum großen Gegengewicht dieser Abstraktion. Zwei clowneske Totengräberinnen begleiten ihn, kommentieren sein Tun. "Er ist allein", heißt es immer wieder. Wenn die Spieler am Ende ihren Platz als Leichen auf dem Spielfeld einnehmen, ein jeder einsam in eine andere Ecke gedrückt, ist das ein großes Bild.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Wut
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''Auf der Bühne präsentiert er das als bombastische, musikalische Revue. Ins Publikum führt eine breite rote Showtreppe – hier sitzen die Spieler und lesen ihren Text aus dem Textbuch. Die meiste Zeit aber breiten sie sich quer über die Bühne aus – vieles läuft parallel: Ein Schauspieler verkleidet sich etwa als Friedenstaube, ein anderer bekleckst ihn mit roter Farbe, vorne spricht jemand eine Passage, Stemann, der selbst mitspielt, ruft, auf welcher Seite man sich gerade befindet. Auf einer Leinwand werden Schauspieler per Video übertragen, dazu spielt jemand Klavier.

Die meisten Szenen bestehen aus Slapstick und Trash: Jesus feiert eine Party mit Buddha, Zeus, Ganesha, dem Weihnachtsmann und dem fliegenden Spaghetti-Monster. Ein gewisser "Mo" taucht im Goldröcken auf und darf selbstredend auf keinen Fall als Mohammed interpretiert werden: Mache dir kein Bildnis! Alles ist ganz im Geiste der Postdramatik inszeniert: keine Figuren, alle Spieler lesen den Text aus ihren Textbüchern vor. Dreieinhalb Stunden lang.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

 

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