Kritik zu: Die Orestie
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''Wie man das Demokratie-Happy-End der Orestie inszeniert, ist immer die große Frage. Michael Thalheimer hat in seiner Inszenierung damals nihilistisch mit dem Blutbad geendet und die Demokratie komplett weggelassen. Ersan Mondtag zeigte alle Figuren als Ratten – auch kein positives Menschenbild. Arnarsson nun reißt den dritten Teil in ungefähr drei Minuten herunter, allein Athene entscheidet über den Mörder, weil die Bürger nicht mitmachen und nur dumm gucken. Dieses abrupte Ende wirkt völlig aus der Luft gegriffen und schlicht angehängt.

Mit seinem Fokus auf Albees Ehehölle möchte Arnarsson die Orestie auf den privaten Familienkampf herunterzoomen – doch das ist eben zu kurz gegriffen. Es ist schließlich ein hoch politisches Stück, das sich um Kriegstreiberei und Privatinteressen dreht, um Opfer, Rache und Bürgerbeteiligung. An diesem großen Gesellschaftsstoff scheitert Arnarsson (coronabedingt?) regelrecht.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''She She Pop geben Anregungen, aber keine Antworten. Ihr kurzweiliger 70-minütiger Abend gleicht einer höchst selbstironischen Mischung aus Horrorfilm und Hexenküche. Verschiedene Live-Videobilder verschmelzen auf der Leinwand. Mal nimmt ein Performer Embryo-Stellung ein und schlüpft aus dem darüber projizierten Performerinnen-Körper, der längst nicht mehr blutet. Dann werden Brustwarzen zu Monsteraugen in einem schwarzen Gruselwald. Sebastian Bark, der einzige Mann im Team, kocht auf der Bühne Menstruationsblut nach Anleitung nach.

Der Ekel vor der Frau nach den Wechseljahren, das wird jedenfalls deutlich, ist nichts Frauengemachtes. Und so endet die angenehm lockere, ungeschliffene Inszenierung in einem emotionalen Finale mit den nackten Damen auf den Barrikaden. Nach Lana Del Rey singen sie: "Will you still love me, when I am no longer young and beautiful?" Um dann zu protestieren: "Nein, kein young, kein beautiful, kein you mehr, kein me. Du bist vergessen – und ich bin jetzt viele!" Kampf-Feminismus und Aktivismus bedient der Abend aber zum Glück nur am Rande. Es ist seine Intimität, die Unaufgeregtheit und der Humor, die einen erreichen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Play Strindberg
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''In abgewetzter blauer Rittmeister-Uniform sitzt Ulrich Matthes an seinem Tischchen und spielt seinen verbitterten Edgar bärbeißig-breitbeinig vom Blatt, während Sophie Rois in schwarzer Spitze und überdimensionierten Puffärmeln daneben wirkt wie sein persönlicher Todesengel mit Giftspritze. Manuel Harder stößt zu beiden mit den Waffen eines nur leicht angegrauten Sunnyboys. Gespielt wird hier keine psychologische Wohnzimmerschlacht im Stil eines Edward Albee oder einer Yasmina Reza, sondern eine überdrehte Groteske. Dürrenmatt hat Strindberg jede Sentimentalität ausgetrieben und damit jede psychologisch nachvollziehbare Verletzung. Geblieben ist nur der Hass, unbegründet und grell. Jede Runde wird blutig ausgefochten – doch Grund und Sinn des Kampfes bleiben vage.

Und so sieht man drei Virtuosen dabei zu, wie sie im Ring ihre Kunststückchen zeigen, die man denn auch gern beklatscht. Rois rollt die Augen und spreizt die Stimme ironisch-exaltiert, Matthes ächzt als todkranker Brummbär zu seinem Lieblingsmarsch über die Bühne. Wozu dieses leicht angestaubte Übungsspiel, jetzt, hier, von Adrian Linz als szenische Lesung eingerichtet, also in abgespeckter Form, das bleibt allerdings unklar. "Nur für Fans" würde man sagen, wäre es ein Musikalbum.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

 

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