Kritik zu: Wut
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''Auf der Bühne präsentiert er das als bombastische, musikalische Revue. Ins Publikum führt eine breite rote Showtreppe – hier sitzen die Spieler und lesen ihren Text aus dem Textbuch. Die meiste Zeit aber breiten sie sich quer über die Bühne aus – vieles läuft parallel: Ein Schauspieler verkleidet sich etwa als Friedenstaube, ein anderer bekleckst ihn mit roter Farbe, vorne spricht jemand eine Passage, Stemann, der selbst mitspielt, ruft, auf welcher Seite man sich gerade befindet. Auf einer Leinwand werden Schauspieler per Video übertragen, dazu spielt jemand Klavier.

Die meisten Szenen bestehen aus Slapstick und Trash: Jesus feiert eine Party mit Buddha, Zeus, Ganesha, dem Weihnachtsmann und dem fliegenden Spaghetti-Monster. Ein gewisser "Mo" taucht im Goldröcken auf und darf selbstredend auf keinen Fall als Mohammed interpretiert werden: Mache dir kein Bildnis! Alles ist ganz im Geiste der Postdramatik inszeniert: keine Figuren, alle Spieler lesen den Text aus ihren Textbüchern vor. Dreieinhalb Stunden lang.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Hamlet
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''Sein "Hamlet" ist kein Meisterwerk, andere Ostermeier-Inszenierungen wirken genauer, menschenklüger. Hier arbeitet er mit (zu) zahlreichen Mitteln: Slapstick, Kameras, ständigem Rollenwechsel, Erd- und Blutschlachten. Alle Figuren sind lediglich Stichwortgeber für Hamlet – das liegt an Eidinger, doch es passt auch zu Hamlet, der die Regie über das Spiel übernimmt, weil er besser denken kann als die anderen. (...)

Im Lauf der Jahre hat sich die Inszenierung stark verändert – ein theaterhistorisch spannender Vorgang. Der Abend hat an der Schaubühne heute eine Länge von zwei Stunden 45 – in Avignon war er 20 Minuten kürzer, da Eidinger damals noch kaum mit dem Publikum interagiert hat. Heute macht das einen großen Teil des Kults aus: Eidinger improvisiert, provoziert die Zuschauer – meist in seiner Rolle. Das wirkt manchmal schrecklich eitel, doch es ist auch unglaublich schlagfertig. Eidinger spielt nie auf Nummer sicher, er liefert sich jeden Abend mit Haut und Haar aus. In seinem Spiel ist er inzwischen differenzierter, feiner, sicherer geworden. In der Aufzeichnung wirkt er gröber, weniger gewitzt. Und auch äußerlich hat sich die Inszenierung verändert: drei der sechs Spieler von damals sind nicht mehr dabei – Stefan Stern, Sebastian Schwarz und Judith Rosmair. Ein Verlust.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Die Diskrepanz zwischen Körper und Sprache haben freilich schon viele Regisseure in den vergangenen Jahrzehnten aufgegriffen, sie ist elementarer Teil der Postdramatik – wo der Text weniger gilt als das, was der Körper erzählt. Trotzdem kann dieses Spiel in Okadas Arbeiten einen eigenen Reiz entwickeln, wenn eine rhythmisch-gestische Choreografie entsteht. Diesem Abend allerdings geht der Rhythmus völlig ab, die Schauspieler illustrieren schlicht ihre Worte mit großen Gesten – mal mehr mal weniger konsequent, manchmal gar nicht. Es wirkt unentschieden, inkonsequent.

Doch man muss klar sagen: Dies ist nicht die Beurteilung einer Inszenierung, sondern der Aufzeichnung einer Inszenierung. Vieles von dem, was Kritiker an diesem Abend gelobt haben, ist schwer auf den Bildschirm zu übertragen. Etwa die Wirkung der Langsamkeit. So gut wie nichts geschieht in den gut anderthalb Stunden, es wird lediglich der Körper gymnastisch verrenkt und viel geredet – über substanzielle Dinge: Wut, Schuld, Selbstverletzung. Über die Sinnlosigkeit des Alltags, die Einsamkeit der Menschen, die im Leistungs- und Konsumsystem abgeschnitten voneinander leben. Die Poesie und Zärtlichkeit, Okadas Humor, sind über den Bildschirm nicht zu spüren. Im Gegenteil: Die Aufzeichnung wirkt eher ermüdend. 

Das Video bleibt also ein schwacher Ersatz für das Gastspiel beim Theatertreffen. Toshiki Okada sollte man bei dieser Bestenschau als prominente ästhetische Stimme durchaus einmal vorstellen. Ob allerdings gerade der "Vacuum Cleaner" mit seinem unmotiviert und ziellos wirkenden Spiel zu Okadas besseren Arbeiten zählt, darf man dennoch bezweifeln.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

 

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