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''Einem Martin Wuttke, einer Kati Angerer sieht man natürlich immer gern zu, auch Katrin Wichmann, Franz Beil und Jeremy Mockridge, vor allem nach so langer Theaterpause. Doch gerade weil Pollesch seine Stücke erst auf den Proben entwickelt, hätte das Stück zumindest eine winzige Verbindung zeigen können zu den großen philosophischen Fragen, die die Welt und das Theater umtreiben – auch auf Meta-Ebene. Doch es ist ein Abend, der wie eine Pollesch-Schneekugel im Regal steht, seltsam abgeschlossen vom Rest der Welt. Und ein Abend voller Melancholie: Am Ende sinniert Angerer über das Verschwinden einer großen Liebe. Dass der Funke nicht überspringt, liegt auch an den wenigen Zuschauern, der reduzierten Reaktion aus dem Publikum. Die Hoch-Stimmung, die sonst bei Pollesch aufkommt, kann bei einem nur viertel gefüllten Saal nicht entstehen. Es ist, als stehe man mit drei Leuten auf der Tanzfläche. Und obwohl am Ende alle klatschen, klingt der Applaus mit so wenigen Zuschauern lau.

So sehr man sich darüber freut, dass wieder gespielt werden kann: Corona hat das Theater deutlich verändert. Nach den ersten Premieren an der Volksbühne, am Gorki Theater, am DT wird deutlich, was mit Corona verloren gegangen ist. Die Energie zwischen Zuschauenden und Spielerinnen fließt nicht. Die Spieler wirken wie auf Reserve. Und das Gemeinschaftsgefühl im Publikum ist so groß wie in einem halbleeren Fußballstadion. Das verändert das Theater, diese Publikumskunst, ganz beträchtlich – nie konnte man das so gut studieren wie jetzt. Schlimmer als alle Huster dieser Welt ist ein totenstiller Zuschauerraum. Es bleibt ein Hoffen auf die Zeit, in der der Überschwang, das Gesurre und Gebrumme, die Anspannung, Aufregung, die Freude und das Leben ins Theater zurückkehren dürfen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Bluthochzeit
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''Herbert Olschok inszeniert getragen. Es dauert, bis man sich in das langsame, harte Leben Andalusiens eingefunden hat. Das Stück wird ungekürzt gespielt, die ersten Dialoge wirken noch lang und zäh, bis nach der Pause der Rhythmus stimmt und die Katastrophe in schweren Schritten ihren unaufhaltsamen Lauf nimmt. Schwieriger bleibt die musikalische Untermalung mit einem nicht nachvollziehbaren Stilmix. Neben den andalusischen Klängen, die immer wieder eingespielt werden, erklingt das dunkle, unheilschwangere Wiegenlied des Stücks plötzlich als süßlicher Popsong. Tritt dann der blutdürstende Mond auf, eine bösartige Gestalt, die den Liebenden mit seinem eiskalten Licht jedes Versteck nimmt, liegt unter seinen Worten eine liebliche Schlafliedmelodie, die Lorcas Sprache völlig verunklärt. Das Stück ist brutaler als das Hörspiel es wirken lässt.

Die Bilder aber, die Olschok erschafft, die Art, wie er Figuren durch den Raum bewegt, das hat große Poesie. Und die Sprecher und Sprecherinnen sind hervorragend: Vor allem Hildegard Alex, die die Mutter des betrogenen Bräutigams voller Bitterkeit spricht und doch so, dass ihr Schmerz durchbricht, ist bewegend. Man sieht Masken und Pantomime – hört und spürt jedoch die Zerrissenheit, die Sehnsüchte von Menschen. Die weite Landschaft und das Maskenspiel sind für Lorca ein Gewinn. Die symbolträchtige Geschichte, ja, der ganze Abend wirkt nach.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Der Koffer
''Der Regisseur Rolf Kemnitzer inszeniert surreal und halbironisch, in den Knallbonbonfarben des Autoscooters – die "Anrufbeantworterstimme" etwa, die durch die Telefonleitung steigt, lässt er sich aus einem grauen Stoffschlauch entpuppen. Für den Erzähler und jene Telefonstimmenfrau, Paul Maximilian Boche und Ini Dill, findet er zudem eine zweite Geschichtsebene: das Netz zwischen Deckengerüst und Boden, sodass die beiden direkt über den Köpfen der Zuschauer spielen. Trotz (fast immer eingehaltenem) Corona-Abstand ein ungehemmtes und nie aseptisch wirkendes Spiel, das muss einem erst mal gelingen.

Allerdings findet man kaum einen Zugang zu dieser Geschichte und ihren Figuren, einen Punkt, an dem man sich festhaken könnte. Zum Einen mag das am luftigen Ambiente liegen. Unter heulenden Sirenen herübergeweht vom Alexanderplatz, dröhnenden Ghettoblastern, kreisenden Autos auf dem Parkplatz gehen viele Feinheiten des konzentrierten, komplexen, metaphorischen Textes verloren. Zum Anderen treibt Kemnitzer in der harmlosen Glitzer-Konfetti-Zauber-Welt des Autoscooters dem Text zu sehr die gesellschaftspolitische Relevanz aus. Das Private ist hier eben nur privat – Auschwitz hin, Erinnerungskultur her.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

 

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