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''Katharina Thalbach hat als Hercule Poirot und als Regisseurin alle Zügel in der Hand. Ihre Auftritte als eitle Intelligenzbestie sind Kabinettstückchen. Aber in der Inszenierung hat sie klug dafür gesorgt, dass dies nicht alles andere überdeckt, sondern zu einem wunderbaren Zusammenspiel führt. Sie hat – und das gibt dem Abend endgültig Klasse – eine ihrer wichtigsten Maximen beherzigt - nämlich dafür zu sorgen, dass Bühne und Zuschauerraum gleichsam miteinander verschmelzen. Wofür auch ein pfiffiger Einsatz von Film und Video sorgen. Dadurch werden etwa Zeitsprünge quasi im Handumdrehen absolviert.

Am Premierenende gab es für den wie im Fluge vergehenden drei Stunden dauernden Abend extrem großen Zuspruch vom prominent besetzten Publikum. Schauspielstar Katja Riemann, ihr Kollege Gerd Wameling, Berlins Kultursenator Klaus Lederer, Promi-Anwalt und Kunstförderer Peter Raue, die Filmproduzentin Regina Ziegler und viele andere saßen spürbar animiert im ausverkauften, jedoch corona-gerecht nicht voll besetzten Theater. Immer wieder gab es Szenenbeifall und am Schluss – berechtigt – etwa fünfzehn Minuten wahrlich donnernden Beifall, Bravo-Rufe und Jubel. Einen derartigen Publikumszuspruch gab es an einem Berliner Sprechtheater in den letzten Jahren nur sehr, sehr selten.'' schreibt Peter Claus auf rbbKultur
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''Senita Huskićs bosnischer Hintergrund sei der Ausgangspunkt für das Stück gewesen, sagt das Theater, man habe es allerdings nicht mit ihrer eigenen Biografie zu tun. Doch Huskić steht als Senna auf der Bühne – und wenn ihr beim Schlussapplaus die Tränen kommen, wird auch der letzten im Publikum klar, wie viel ihr dieses Stück bedeuten muss. Zusammen mit Natalie Mukherjee als Sennas Mutter und zugleich Schwester bilden die beiden ein gefühl- und kraftvolles Spielerinnen-Doppel, das einem sehr nah kommt.

Fabienne Dür, die hier zum ersten Mal auch Regie führt, verlässt sich ganz auf die Kraft der Erzählung und ihrer Spielerinnen. Auf der Bühne nur eine Wäscheleine, an die Esma und Senna ihre auf Papier gekritzelten Erinnerungen hängen, als müssten sie erst noch eine Weile im Sommerwind trocknen. Erinnerungen an eine junge europäische Geschichte, von der das deutschsprachige Theater viel zu selten derart lebendig erzählt.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Michael Kohlhaas
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''Überhaupt ist das Hören hier das sinnlichste Erlebnis. McBurney lässt Flugzeugdröhnen, das Öffnen eines Fensters, vor dem die Massen grölen, religiöse Choräle und Elektrobeats sekundengenau einspielen – als schlage man ein Instrument beim Kammerkonzert an. Auf dem Höhepunkt, wenn Renato Schuchs glühender Kohlhaas zum Brandschätzer und Mörder wird, bläst die Akustik zum Sturmgewitter.

Doch auch beim Spielen ist das Ensemble auf Hochleistung. Im fliegenden Wechsel werden die Kurfürsten-Kostüme übergeworfen und die Handykameras bedient, um Videos der Kollegen auf die Leinwand zu projizieren. Auch hier erzeugen die einfachsten Mittel große Wirkung. Etwa, wenn Gottwald und Laurenz Laufenberg nackt auf allen Vieren, mit Krücken als Verlängerung der Arme, die verhungerten Mähren spielen, die Kohlhaas statt seiner beiden Rappen auf der Tronka-Burg ausgehändigt bekommt – der Beginn allen Übels. Oder wenn, eine der wenigen Dialogszenen, Genija Rykova ihren Mann nicht mehr versteht, der Haus und Hof für seinen Rachefeldzug verkaufen will.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur