Kritik zu: Max und Moritz
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''Auf eine Moral hat es Nunes ganz bewusst nicht abgesehen. Er ist einer der sehr seltenen Regisseure, der puren Spaß am Spiel inszenieren will, an der Poesie, am Theaterzauberkasten. Allerdings bleiben seine Tricks hier oft zu lau, zu harmlos und putzig – ihm geht schlicht jede Boshaftigkeit und Grausamkeit ab.

Max und Moritz, die Stefanie Reinsperger und Annika Meier wunderbar slapstickhaft spielen, sind nur zwei dumme Jungs, die Scherze machen, keine lustvollen Tierquäler oder sogar Anarchisten. Den Onkel malträtieren sie denn auch nicht mit Maikäfern, sondern mit leuchtenden Glühwürmchen, die die Zuschauer mit ihren Handylämpchen improvisieren – eine kitschige wie schöne Szene.

Das alles reduziert den Text jedoch zu bravem Kindertheater, während bei Busch jede Menge anarchischer Witz vorhanden ist. Buschs pessimistische Weltsicht auf die kalte, unversöhnliche Menschheit teilt Nunes ganz und gar nicht, dafür ist er ein zu großes Spielkind, ein zu großer Menschenfreund. Vielmehr rettet er sich in Sentimentalität, wenn er am Ende den im Brotteig erstickenden Max von einem gigantischen aufblasbaren Engel abholen lässt, der in Max' Augen aus Leberkäse besteht. Moritz folgt ihm aus purer Freundschaft in den Tod. Wenn hier jemand böse ist, dann die Erwachsenen, die die beiden einfach sterben lassen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Das große Heft
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''Rasche wird gern für eine "Riefenstahl-Ästhetik" kritisiert, für die Reproduktion einer faschistoiden Bilderwelt. Auch bei diesem erschlagenden Vier-Stunden- Marathon schwankt man zwischen Faszination und Abwehr. Der Männerkörper-und Gewalt-Kult, das triefende musikalische Pathos, auch das Ausstellen von Sado-Maso-Schwulst ist schwer erträglich.

Doch diese Soldatenmärsche korrespondieren nun einmal mit dem Inhalt – Kristóf erzählt aus der Sicht der Zwillinge über den Krieg. Die Mutter hat die beiden aus dem Bombenhagel der Stadt aufs Land zur bösartigen Großmutter gebracht. Bei ihr müssen die Jungs ums Überleben schuften. Weil sie unverletzbar werden wollen, härten sie sich ab: Sie essen nichts, bis sie keinen Hunger mehr spüren, sie schlagen sich blutig, bis sie keinen Schmerz mehr spüren, sie quälen Tiere so lange bestialisch, bis sie kein Mitgefühl mehr spüren. Wie Rasche das darstellt, ist abstoßend, widerwärtig. Doch es gibt auch abgründige, beklemmende Momente von Einsamkeit, kalter Trostlosigkeit – in all dem bleibt Rasche sehr nah am Roman.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Formas Breves
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''Das Thema der Umwandlung und Verwandlung von (Bühnen-) Körpern inszeniert Rodrigues z.B. ebenso mit Spotlight von oben und mit Tänzerinnen, die sich biegen und krümmen und die durch den Schattenwurf und die Verkrümmungen zu kubistischen Figuren oder Phantasie- und Fabelwesen werden. Dabei stehen sie auf einer sehr kleinen kreisrunden Plattform, die von zwei anderen gedreht wird, so dass sie wie Objekte einer Ausstellung oder eines Museums wirken. In einer anderen Szene verkrümmt eine nackte Tänzerin sitzend mit dem Rücken zu uns ihren Körper derart, dass die Formen, die Oskar Schlemmer in seinen Figurinen gezeigt hat: Viereck des Brustkastens, Kreis des Bauches, Zylinder von Hals, Kopf, Haaren wieder erkennbar sind. Lia Rodrigues greift also die Formideen von Schlemmer auf und interpretiert sie auf ihre Weise zeitgenössisch neu und das konsequent und bildstark, phantasievoll und in strenger Klarheit und mit wunderbar lakonischem Humor zugleich.

Lia Rodrigues ist jedoch auch eine politisch engagierte Künstlerin, das war bei ihren vielen Gastspielen in Berlin und Potsdam immer wieder zu erleben. Und nicht umsonst hat sie 2003 mitten in einer der größten Favelas von Rio de Janeiro in einem leerstehenden Warenhaus ihr Kunstzentrum eröffnet, bietet dort Tanz- und Theater- und Musikkurse, Nachhilfe-Unterricht, ein Zuhause für Kinder und Jugendliche. Sie gehört mit ihren 63 Jahren zu den scharfen Kritikern des neuen brasilianischen Präsidenten. Und so war es keine Überraschung, dass die Tänzer beim Schluss-Applaus Plakate in die Höhe gehalten haben: für Demokratie in Brasilien, der Staat sei ein Mörder, es werde gestreikt gegen die 30-Prozent-Kürzungen in den Budgets für Universitäten und Schulen in Brasilien, ist da zu lesen. Eine beeindruckende Choreographie und ein klares politisches Statement.'' schreibt Frank Schmid auf rbbKultur

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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 663+
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Kritiken: 1979
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