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''Der für so komplizierte Frauenpsychen hochprädestinierte Christof Loy hat aus dem über dreistündigen Schinken das gemacht, was szenisch für ihn ging. Sehr sehenswert - als hormoneller Auflöser des trägen Abends - die vom Dutzend schauspielernder Kleindarsteller stilisierte Sex-Orgie. Daniel Johansson (als Schatzgräber Elis) und Elisabet Strid (als Schankwirtin Els) brillierten stimmlich und hielten den Höhen-Steigerungen, die von Mal zu Mal extremer wurden, mit bewunderswertem Durchhaltevermögen tapfer stand. Thomas Johannes Mayer (als der Vogt) und Patrick Cook (als Mörder Albi) imponierten ebenso. Auch Michael Laurenz (als Narr) muss nachgerade lobende Erwähnung finden. Und schön, dass ich die DOB-Tenorlegende Clemens Bieber endlich einmal wiedersehen/ -hören durfte.

Dirigent Marc Albrecht war eindeutig anzumerken, dass er die Musik des Schatzgräbers besonders liebt; ja und ich sagte es bereits, dass das Orchester schön und saftig klang. Gut war halt, dass die Leute, die den Schreker-Schatzgräber bisher nicht kannten (so wie ich), jetzt diese Exklusivgelegenheit freiwillig nutzen konnten. Doch was mich in dem Zusammenhang betrifft: Nie wieder.'' schreibt Andre Sokolowski am 7. Mai 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Das neue Leben
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''Wir sehen hier aber keine freche brechtsche Dante-Revue, ein Fragment des Augsburger Dichters, den die vom Theater nicht ganz unbeleckte Claudia Roth kurz auch in ihrer Rede erwähnte. Christopher Rüping lässt uns mit Dante und Friends ein wenig schmachten und über zwei gute Stunden auf den Pfaden der Entsagung wandeln. Ein recht steifes Unterfangen, dass auch nicht durch berühmte Popschmachtfetzen von heute wie etwa I Will Always Love You von Whitney Houston, Baby One More Time von Britney Spears oder I Would Do Anything for Love von Meat Loaf wirklich aufgelockert wird. Man kommt sich auf Dauer ein wenig wie beim diskursiven Trockenschwimmen vor. Das muss auch Regisseur Rüping aufgegangen sein, so dass er irgendwann einfach ein großes Leuchtpendel von der Decke schweben lässt und das Publikum mit Ambient-Sound und Lichtspielen weiter langweilt.

Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss. Dann tritt die 76jährige Viviane De Muynck als gelalterte Beatrice auf und erklärt den vier verdutzten Dante-Playern recht trocken und abgeklärt, dass das ganze Leben ein Lauf zum Tode und sie nur die Fußnote in einem Buch, das nie jemand liest, sei. „Lebe mit dem was ist.“ ist da aber auch nur eine mäßig tröstende Auskunft über die Zukunft. Dafür wird für alle noch ein großer Trostschirm aufgespannt. Zumindest mit technischen Gimmicks geizt die Inszenierung am Ende nicht. Um auf die Frage nach dem Wohin zurückzukommen. Frei nach Dante: Lasset die Hoffnung noch nicht ganz fahren. Und frei nach Danger Dan, der sich auch noch beim THEATERTREFFEN die Ehre geben wird: „Ich hab 'ne gute Nachricht und 'ne schlechte auch“: Es geht noch weiter mit neun Inszenierungen. Da ist noch viel Luft nach oben.'' schreibt Stefan Bock am 7. Mai 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: reading tosca
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''Ein riesig großer roter Samtstoff wurde zusehends zu einem die Kunst im allgemeinen symbolisierenden Ganzkörperkleid, das freilich weit über die üblichen Konturen des menschlichen Körpers hinausragte und letztlich nur noch als ihn in der Fortbewegung hinderliche Schleppe taugte. Alle drei Protagonisten taten übrigens, obgleich auch nur vorübergehend, in das Rot hineinschlüpfen, also auch die zwei (Haupt-)Männer der Tosca-Handlung - wie als ob sie spüren wollten, wie sich Kunst - statt Leben - halt so anfühlte.

Das tollste Einzelbild (für mich): Wie eine der vier Tosca's mit sechs Weingläsern, die sie auf ihren beiden Armen kleben hatte, auftrat, wobei eins der Gläser voll mit Rotwein war, welchen die Tänzerin jeweils dann in ein anderes der jeweils leeren Weingläser umfüllte; das sah wirklich toll aus. Sehr beeindruckend das Ganze, sehr emotional!!'' schreibt Andre Sokolowski am 5. Mai 2022 auf KULTURA-EXTRA