Kritik zu: Das Opferfest
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''Nicht nur bei den eigenen Kindern bemängelt er fehlende Reife und Naivität. Auch gegenüber dem Verlobten seiner Tochter Rania, den sie als Veganer vorstellt, verhält sich Rashid instinktiv abweisend: „Dieser Kerl ist nicht aus unserer Kultur. Dann geh doch nach Veganistan.“. Da kann der potenzielle Schwiegersohn noch so oft den hochfliegenden Titel seiner geplanten Dissertation nennen: „Somatisierung in der Diaspora bei Menschen mit Migrationshintergrund“. Derartige Feinheiten spielen keine Rolle. Es wird gestritten bis die Fetzen und auch Kugeln fliegen. Eine Puppe mit verweinten Riesenkopf spricht als Enkelbaby Mohamad Koranverse. Es mahnt, dass wir verblendet und abgelenkt seien und erklärt, dass der Glaube wertvoller als das Leben sei. Mohamad verkündet wie altersmilde: „Gott schuf euch und ihr schuft Kunststoff.“ Figuren witzeln auch mal selbstironisch über Quotenmigranten, Freizeitmuslime, den sozialen Status, kulturelle Hintergründe und transkulturelles Theater. Auch wenn Falafeln, Shawarmas und Döner in der Keupstraße halal (also: erlaubt) sein mögen, wird bei diesem neurosenreichen Fest unter freiem Himmel dem Publikum grundsätzlich viel Opferbereitschaft abverlangt. Denn Ausrufe wie „Es ist so geil auf Arabisch zu ficken“ oder „Bin ich nicht mehr Manns genug“ lassen auf eine wenig geistreiche Soap Opera mit sozialpädagogischem Bildungsauftrag für Islamkunde schließen. Einen Pluspunkt gibt es dennoch, da der Programmflyer auf Samenpapier zum Einpflanzen gedruckt wurde. Möge neues Grün die Opfer befrieden.'' schreibt Ansgar Skoda an 22. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Ode
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''Die Lust am Schauspielern selbst schillert insbesondere im letzten, extra für die Kölner Inszenierung von Melle dazugedichteten Teil des Stückes hervor. Es wird zwar behauptet, dass nunmehr nach 2.000 Jahren das Theater womöglich am Ende ist, aber mit fulminanter Spielkraft und Freude am Inszenieren wird auch diese, von den Schauspielern zwar bezweifelte, aber dennoch gelebte Realität gezeigt. Derartige stetige Ambivalenzen machen den Reiz von Ode aus. Nichts ist mehr gewiss. Dies so mit prallem Leben zu füllen macht dann doch irgendwie hoffnungsvoll. Theater kann lebendig sein, auch jetzt noch.

Neben Yvon Jansen glänzen Paul Basonga, Nikolaus Benda, Nicola Gründel, Benjamin Höppner, Rebecca Lindauer und Kei Muramato nicht nur schauspielerisch, sondern auch durch tänzerische und teils auch gesangliche Darbietungen. Die Live-Musik besorgt dabei Cornelius Borgolte. Übrigens verweist der Name Fratzer möglicherweise auf das fragmentarische Bühnenstück Fatzer (1931) von Bertolt Brecht. Auch gegen Ende der über zweistündigen und trotzdem kurzweiligen Performance wird man an Brecht erinnert. Ein ambitionierter, aber von seinem hypersensibilisierten Ensemble ausgebremster, Theaterregisseur kriecht über die Bühne. Seine Darsteller wollen seine Figuren aus moralisch-ethischen Gründen nicht nachstellen. Er sinniert nur noch darüber, dass er Hunger hat und essen will. Wie heißt es doch in der Dreigroschenoper: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ schreibt Ansgar Skoda am 21. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
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''Die Vorführung regt anhand vieler Beispiele und Fakten für ein Umdenken hin zu nachhaltigen Landnutzungskonzepten, der Einbettung von Technik in Ökologie und Umwelt und auch einen Übergang in nachhaltige Mobilitätssysteme und Anbaumethoden an. Natürlich sind Empathie, Solidarität und das Gemeinwohl wichtige Bausteine unserer Gesellschaft. Doch das Vorgeführte beantwortet weniger, wie Solberg zu Göpels Kritik an der Durchsetzungsmacht internationaler Konzerne steht.

Trotzdem regt das Vorgeführte zum Nachdenken an. Auf Simon Solbergs Bühne prunkt zeitweise auch ein Auto als eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte, um das sich die Darsteller effektvoll fläzen. Ist der Verbrennungsmotor tatsächlich unverzichtbar? Sind SUVs als Statussymbole nicht eigentlich auch primitiv? Nirgendwo ist es so offensichtlich, wo Verzicht nötig wäre, wie beim Auto. Menschen tendieren trotzdem vermehrt zum Zweit- und Drittwagen. Doch macht mich das Reisen mit großen Autos wirklich glücklich? Vielleicht brauchen wir auch Autos weil in Deutschland der öffentliche Nahverkehr so unzuverlässig ist und die örtliche Polizei den zunehmenden Fahrraddiebstahl gefühlt unzureichend ahndet. Und wie passt der Titel zum Stück? Alle Gedanken sind eigentlich bereits gedacht. Doch Menschen denken Verzicht nicht gerne, weil er negativ konnotiert ist. Es wird die Frage gestellt, wer die Macht hat und ob eine Wahl – auch die kommende Bundestagswahl – wirklich etwas ändert. Eine Sitznachbarin meint, in dieses Drama solle man FDP-Vertreter schicken. Am Ende erstirbt das kraftvolle Drama in etwas zu viel Pathos und schönen Worten und Bildern. Das „zu schnell zu viel“, was beim menschlichen Konsumverhalten kritisiert wird, trifft hier auch etwas auf die insgesamt trotzdem gelungene Vorführung zu.'' schreibt Ansgar Skoda am 21. September 2021 auf KULTURA-EXTRA