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''Ein hoch aufragender Leuchtturm, gestaltet von Barbara Steiner, steht auf der Bühne, was zu Witzen über die sichtbehinderten ZuschauerInnen im 2. Rang reizt, aber ansonsten kaum Wirkung entfaltet. Die wegen Auftritten in einigen Kinofilmen länger vom Theater abstinente Sophie Rois ist der Star. In rotem Kleid wie einst Kim Basinger in Meine Stiefmutter ist ein Alien (1988) mischt sie als in besonderer Mission auf der Erde gelandeter Alien den Abend auf. An ihrer Seite agieren Trystan Pütter als tollpatschiger Wissenschaftler auf der Suche nach außerterrestrischem Leben und Kotbong Yang als nicht sichtbare Mitaußerirdische und Putzfrau. Die vorprogrammierten Liebeswirren und Missverständnisse sorgen für einiges an Erheiterung beim Publikum.

Unklar bleibt aber, warum man dem Stück bis auf ein paar nette Parodien auf heteronormatives Sexualverhalten 90 Minuten lang folgen sollte. Die großen Fragen, die Pollesch bisher angetrieben haben könnten, verpuffen hier zu einem eher ärgerlichen und auch nur mäßig spannenden Klamauk. Nicht weiter schlimm, da das Gastspiel von René Pollesch am DT wohl in der nächsten Spielzeit beendet scheint. Man muss sich aber Sorgen machen, ob er als Intendant der Volksbühne so weiterhin bestehen kann. Bis auf einen neuerlichen Auftritt der Wiener Extrem-Choreografien Florentina Holzinger ist jedenfalls nicht bekannt, was die nächste Volksbühnen-Spielzeit bringen wird'' schreibt Stefan Bock am 2. Juli 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Tina kommt nicht
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''Es werden (als Rahmen) jede Menge Querdenker- und Impfgegner-Idiotien im O-Ton preisgegeben. Zwischendrin "tanzt" der splitternackte Drabek mit seiner Bettwäsche und formt so tolle Kissen- und Laken-Gespenster, die sich der wahrscheinlich mehr oder weniger gespaltenen Persönlichkeit des von ihm Dargestellten bemächtigen. Und ab und zu sieht man ihn so, als würde er sich um-geschlechtigt fühlen und begreifen, dies vollführt er dergestalt, dass er sich seinen Schwanz quasi nach hinten zieht bzw. ihn zwischen den Oberschenkeln so verbirgt, dass letztlich nur dann noch sein Schamhaar sichtbar wird und es so aussieht wie der Schamberg einer Frau... Ja und dann redet er viel, viel, viel Text dazu; vielleicht bisschen zu viel, weil wir ja schon bereits nach 10 Minuten irgendwie verstanden hatten, was er eigentlich dann meinte.

Überraschende Bilder, fetzige Musik. In allem: Eine schöne sommerliche Unterhaltung.'' schreibt Andre Sokolowski am 26. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: PIGS
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''Das Publikum wird von Bildschirm zu Bildschirm gejagt, mal per Du, mal per Sie angesprochen und aufgefordert, vorformulierte Fragen aus einer Menükarte an ein Gegenüber der Wahl zu stellen. Was also ist interaktiv an dem Nicht-Stück von Miriam Tscholl? Die Befolgung von Anweisungen und Befehlen? Die Aufforderung zum Gehorchen ("Wollt ihr das totale Geschwätz?") bei dem Widerspruch nicht zum Kalkül gehört? Die Frage, ob sich die Klimakatastrophe durch individuellen Verzicht auf Fleisch, Eier oder Garnelen in den Griff kriegen lässt, oder ob es nicht sinnvoller wäre, zum Boykott aller Politiker aufzurufen, die die Autoindustrie fördern, ist im vorliegenden Katalog nicht vorgesehen.

Was uns da aus Hildesheim hereinweht ist Pseudokommunikation der schlichten Art. Verglichen mit dem „Dialog“ mit „Fachleuten“, die inzwischen daheim – bei der Bratwurst? – sitzen und die man nicht unterbrechen kann, weil sie nur Abbilder sind, kommuniziert die Schauspielerin, der Schauspieler auf der Bühne im „normalen“ Theater weit mehr mit dem Publikum. Wie die Dinge liegen, werden wir den interaktiven Installationsschachsinn jedoch noch eine Weile ertragen müssen. Es hört uns ja niemand.'' schreibt Thomas Rothschild am 24. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA