Kritik zu: Der Wij
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''Was nun folgt, ist kein gruseliger Hexen-Sabbat sondern ein Spiel nach Shakespeare-Versen der drei Brüder mit der toten Schwester im Arm. Das wirkt recht surreal und auf den gefangenen Soldaten nicht minder verstörend. An Kletterwänden hängend erzählen die drei Brüder auch von Folterlagern und Erschießungskommandos. Der weiterhin stumme Soldat wird wie auch das Publikum einer gnadenlosen Psychofolter unterworfen. Auch das tote Mädchen spricht mit dem Soldaten. Seine Schuld wird ihm hier vor Augen geführt. Später tritt auch noch die Mutter (Viktoria Miroshnichenko) des Soldaten auf. Ein Monolog der Rechtfertigungen und Anweisungen an den Sohn, so zu sterben, dass er noch identifiziert werden kann und die Mutter Sterbegeld erhält.

Die DarstellerInnen sprechen nicht nur deutsch, sondern auch russisch und ukrainisch, was nicht in Übertiteln übersetzt wird, aber dennoch durch Wiederholungen in deutscher Sprache klar wird. Serebrennikow überträgt Gogols Geistergeschichte in die unmenschliche Barbarei des Krieges. Das ist zumeist nicht sehr subtil aber durchaus wirksam. Die Bewegungen sind wie zumeist bei seinen Inszenierungen stark choreografiert. Auch Live-Musik wird von den DarstellerInnen gespielt. Die Erscheinung des Wij in der Figur des Vaters mit Blindenbrille gerät dann zur bösen Farce, bei der Bernd Grawert einen zynische Witze reißenden und Beifall einfordernden Conférencier des Todes gibt. „Ich gehe dorthin, wohin ich gerufen werde.“ In den zwei intensiven Stunden kann einem schon mal der Atem stocken. Und auch der Soldat erhält am Ende sich auf dem Sargdeckel windend noch seine Sprache zurück. Ein Bündel Elend, fürs Vaterland zum Mitmachen gezwungen. Beifall mag man da nicht mehr zollen, was auch explizit nicht erwünscht ist. Dennoch sei dieser Abend empfohlen.'' schreibt Stefan Bock am 6. Dezember 2022 auf KULTURA-EXTRA
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''Aus der durchweg akzeptabelen Gesangssolistinnen- und -solistencrew ragte Maria Kataeva (als Titelfigur) großdimensional heraus! Ihre Stimme klingt klar und wunderbar warm, und sie bedient geradezu phänomenal eine Skala von "weit unten" bis "weit hoch". Ja, es ist gut zu wissen, dass - allein durch ihre gesangliche Totalpräsenz und schauspielernde Gesamterscheinung - endlich mit dem sinnlosen Netrebko-Nimbus aufgeräumt werden kann, will sagen: Außer jener sich immer noch als Dauer-Diva weltweit Verkaufenden existieren weitaus brillierendere "Stars", die die in ihrem Selbstverständnis nach und nach Verbleichende in naher Zukunft vergessen machen sollten; Gott sei Dank!

Die Inszenierung von Elisabeth Stöpler kann oder will recht wenig mit der reigiösen Überspanntheit des (vom Script her) unlogischen und auch langweiligen Stücks anfangen. Daher bricht sie diesen Unfug auch gelegentlich durch distanzierende Verschrägungen bis hin zur Fast-Satire. Dankbar muss man ihr zudem auch dafür sein, dass sie sich nicht zu irgendwelchen Aktualisierungen in puncto Krieg & Ukraine verführen ließ; das hätte wohl auch - allenfalls nicht auf der Grundlage von diesem Stück (Librtetto von Tschaikowski selbst; nein, hält man es für möglich?!) - überhaupt nicht funktioniert.

Wir halten fest: Scheißstück, tolle Musik!! Dirigent Péter Halász heizte den Düsseldorfer Symphonikern mächtig ein, ohne maßlos über die Stränge zu schlagen. Jubel über Jubel.'' schreibt Andre Sokolowski am 4. Dezember 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: The Magic Key
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''Vor die Alternative gestellt, eine ganze Riege – die inszenierenden Autoren, den Komponisten, den Dramaturgen, die vier am Text beteiligten Ensemblemitglieder, das schallend lachende und am Ende johlende Publikum – zu kränken oder zu heucheln, habe ich mich entschlossen, The Magic Key, das als Musical firmiert, nicht zu besprechen. Die Intendanz wird den Schlussapplaus als Bestätigung interpretieren, und der Kritiker, der diesen Abend als radikalen Versuch der Entprofessionalisierung von Theater erlebt hat wie selten zuvor, muss sich eingestehen, dass er offenbar keinen Ansprechpartner hat. Es bleibt ihm nur die Resignation. Vielleicht musste es so kommen. Die Klimakatastrophe lässt sich ja offenbar auch nicht aufhalten. Dass es sie gibt, leugnen allerdings nicht einmal jene, die sie durch ihr Handeln vorantreiben.'' schreibt Thomas Rothschild am 4. Dezember 2022 auf KULTURA-EXTRA