Kritik zu: Wolken.Heim.
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''Was man den Autoren nicht fiktionaler Texte zum Vorwurf macht – das ungenaue Zitat –, ist bei Elfriede Jelinek Methode. Diese Verfälschung von Zitaten aber erschwert die Entscheidung, ob sich der (satirische) Angriff gegen die Quellen der Zitate, gegen deren Benutzer wendet, oder ob sie nicht überhaupt nur Spielmaterial sind für einen Text ohne eindeutige Zielrichtung. Diese Mehrdeutigkeit ist die Ursache für die sich stapelnde Sekundärliteratur, die in der Regel mehr über die Interpreten, ihre Vorurteile und ihre Ideologie aussagt als über Jelineks Werk. Und weil sich dieses Werk eben wegen seiner Ambiguität für ganz verschiedene Standpunkte funktionalisieren lässt, gibt es davon, jenseits gehässiger, politisch motivierter journalistischer Polemiken, vorwiegend apologetische und kaum kritische Analysen und Interpretationen. 

Schon das „wir“ ist ja ambivalent. Grammatisch lässt es sich vom „wir“ etwa im Solidaritätslied – „Wollen wir es schnell erreichen,/ brauchen wir noch dich und dich“ – nicht unterscheiden. Vereinfacht gesprochen begegnet Jelinek dem gleichen Dilemma wie Brecht bei seinem Mann ist Mann: dass man die Frage des Widerspruchs von Individualismus und Kollektiv nicht ohne Berücksichtigung der jeweiligen historischen Situation beantworten kann. Und woher nimmt man eigentlich das Vertrauen auf das Einverständnis bei der Ablehnung fremdenfeindlicher Sätz? Gehen AfD-Wähler nicht ins Theater? Wird es sie überzeugen, wenn die erste Darstellerin hochschwanger eine Zeitschrift lesend und Kaffee trinkend neben einer Zimmerpflanze sitzt, ehe sie deutsche Muttererde gebiert?'' schreibt Thomas Rothschild am 25. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: House of Horror
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''Einige Themen wirken abgenutzt. So nennt der Darsteller Daniel Stock als „geniale“ Urheberinnen dramaturgischer Werke einzig Elfriede Jelinek und Pina Bausch. Dabei gibt es doch eine ganze Frauenliteraturgeschichte, zu der bereits unzählige Sachbücher und Anthologien erschienen. Später werden Übergriffe und typische Missbrauchssituationen vorgeführt. Eine theatrale Darstellung sexueller Gewalt wird in einer längeren, durchaus sehenswerten Szene hinterfragt, in der die Vergewaltigung der Lavinia in Shakespeares Titus Andronicus nachgestellt werden soll. Als die Darstellerin Lydia Stäubli sich weigert weiter mitzuspielen, wird sie gegen ihren Willen freigestellt, und es springt spontan Sandrine Zenner ein. Diese wird sogleich zusammen mit einem Teppich und ihrer Kollegin Birte Schrein in den Boden unter der Bühne gezogen. Auf Großleinwand werden nun Sandrine Zenner und Birte Schrein auf einer Suche im Untergrund gezeigt und mit zahlreichen Szenen konfrontiert, die weibliche Unterordnung vorführen. Birte Schrein begegnet Bertolt Brecht (Daniel Stock) als gewichtigen Schwerenöter, dem im Hintergrund bleibende Schriftstellerinnen wie Elisabeth Hauptmann (Sophie Basse) und Margarete Steffin zuarbeiten. Sandrine Zenner wird von Jack the Ripper (ausdrucksstark: Annika Schilling) verfolgt und mit allerlei Penisnasen und frauenverachtenden Sprüchen großer Schriftsteller konfrontiert.  (...)

Auf die Emanzipationsbewegung und den Feminismus folgten ja bekanntlich die Queer Theory und Queer Studies. Wenn sich Volker Lösch das nächste Mal um ein „Minderheiten“-Thema bemühen sollte, läge hier ja vielleicht das Thema LGBT nahe. Es stimmt auch, dass am Theater Bonn ausgesprochen wenig Theaterstücke und Opern von Frauen Premiere feiern. Andere Häuser sind da sehr viel progressiver. So gibt es seit 2018 am Badischen Staatstheater Karlsruhe ein Frauen-Leitungsquintett und die dortige Schauspieldirektorin Anna Bergmann arbeitet ausschließlich mit weiblichen Regiekräften.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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''Nach der ersten von zwei Pausen folgt eine Die trunkene Nacht genannte Choreografie der Männer, die schon in der Pause als elend kostümierte Penner das Publikum belästigten. Begleitet werden sie von einem Musiker an großen Bongotrommeln und russischem A-capella-Gesang der festlich gekleideten Frauen. Die melancholischen Gesänge kontrastieren den sehr körperlichen und schweißtreibenden Tanz der Elendsfiguren, die sich selbst schlagen, in Tonnen rollen oder Figurentürme bilden. Ein starkes Gruppenbild der Hoffnungslosigkeit, das einen nicht kalt lässt. 

Der dritte Teil beginnt dann wieder etwas positiver. Das Ensemble geht mit besagtem Wodkaeimer nach glücklichen Menschen im Publikum auf die Suche. Dabei sind sie nicht immer freigiebig. Der Wodka muss sich schon mit etwas Einfallsreichtum verdient werden. So gesehen ist es also nicht nur in Russland einfach, einen glücklichen Menschen zu finden. Nur dass sich die Bedingungen für das persönliche Glück wohl unterscheiden dürften. Dann wird es wieder pessimistischer, wenn Evgenya Dobrovolskaya, eine berühmte Schauspielerin in Russland, wie mir meine russische Sitznachbarin versicherte, den großen Tragödien-Ton anschlägt und als gequälte Arbeiterin von ihrem schlimmen Schicksal berichtet. Die Männer ziehen sich dann immer wieder mit diversen Slogans und Motiven bedruckte T-Shirts über. Die populistischen Heilsversprechungen und -Versprecher gehen nicht aus. Großer Jubel, Beifall und Standing Ovation für das großartige Ensemble.'' schreibt Stefan Bock am 25. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA

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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 663+
4 1496+
3 1308+
2 745+
1 338+
Kritiken: 1978
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