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''Der junge Hausregisseur der Münchner Kammerspiele Christopher Rüping hat nun Sinclairs Roman in eigener Bearbeitung zum Saisonauftakt am Deutschen Theater Berlin auf die dortige Kammerbühne gebracht. 
Sinclairs Story wirkt bei Rüping wie ein schlechter Kolportageroman. Etwas antiquiert angehaucht sind die Gegenspieler Jessup und Windrup schon. Beide hängen ihren guten alten Werten nach und verpassen den Anschluss an die Realität. Die heißt bei Rüping Haik. Und Benjamin Lillie bekommt zum Schluss sein Solo als singender Militärdiktator, der sich als knallharter Führer nicht mehr ans Volk ranwanzen muss. Wer will, kann applaudieren oder zur Knarre greifen. Schon wegen der musikalischen Körperverletzung empfiehlt sich letzteres. Wer Hintergründe sucht, sollte lieber Brecht lesen. Auch der ist ganz unterhaltsam.'' schreibt Stefan Bock am 22. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Caligula
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''Erst hoffte ich als Noch-nicht-Kenner dieses nicht sehr oft gespielten Stücks des jungen Albert - und Camus ist halt, schon vom Talent her, besser noch Erzähler als Dramatiker - , dass ich womöglich etwas mehr und tiefschürfender in den Titelhelden dringen könnte als nach meiner zufälligen Konsumtion jenes verheerend-grauenhaften Blut-und-Sperma-Films von Tinto Brass, der in den 1990ern zur Wiederaufführung in einige Programmkinos gelangte. Aber außer dass der Titelheld sein totes Schwesterlein betrauerte, den Mond einfangen lassen wollte und eine Verschwörung gegen sich erwitterte und letztendlich nicht überlebte, kam nix weiter Sinnstiftendes bei mir an. 
Womöglich kann man es dann, so gesehen, auch dem jungen Regisseur Antú Romero Nunes nicht verübeln, dass ihm außer seiner mittels leichter Hand erzwungenen Distanz & Coolness nicht viel mehr gelang, um meine gähnkrampfigen Anwandlungen aufmunternder Weise zu ersticken - - wieso hattet ihr dann überhaupt zu diesem nullwertigen Text gegriffen, wo es doch dann immerhin die allererste von den drei Premieren der Eröffnungswoche war? Habe die Logik dieser Stückwahl nicht begriffen. 
Läppisch inszeniert.'' schreibt Andre Sokolowski am 22. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Zeppelin
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„Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen.“ heißt es in Kasimir und Karoline. So hängen sie dann alle auch am Ende in den Stangen und starren minutenlang ins Publikum. Der Versuch düsteren Quatsch zu machen, ist Herbert Fritsch an neuer Wirkungsstätte leider leicht missglückt. Ein netter Spaß zwar, aber auch etwas zu minimalistisch geraten, fast wie eine Studioproduktion. Was wäre das in der großen Volksbühne gewesen? Man kann es nur ahnen. Der sonst so leichte Fritsch-Witz samt walfischartigem Zeppelin, auch wenn er hin und wieder etwas über dem Boden schwebt, will einfach nicht abheben.'' schreibt Stefan Bock am 20. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Roma Armee
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''Vom kämpferischen Rap und choreografierten Revuetanz fällt man in pathetische Roma-Romantik. Bevor das Ganze aber ins melancholisch-schöne La-La-Gypsyland abdriftet, bekommen die beiden Nicht-Roma auf der Bühne, die israelische Schauspielerin Orit Nahmias und der deutsch-türkische Schauspieler Mehmet Atesci, ihren Rampenauftritt in Carmen-Kostümen, dem theatralischen Zigeuner-Klischee schlechthin, und dürfen nicht ohne Humor stellvertretend für das weiße Publikum ihre „Supporting Role“ reflektieren. 

Der Abend findet allerdings hier noch nicht sein Ende. Hinter der Bühne hat sich das Roma-Ensemble schnell ein paar Superheldenkostüme übergeworfen und glitzert nochmal im Rampenlicht, während Lindy Larsson seine Kindheitshelden von Batman und Robin bis zu den X-Men-Mutanten Revue passieren lässt. In einer letzten Vision nimmt Yael Ronen - wie schon in ihrer Münchner Produktion Point Of No Return - wieder Bezug auf Walter Benjamins Engel der Geschichte. Ihr Bild ist ein Rücken-an-Rücken. Der eine schaut in die Zukunft, der andere in die Vergangenheit, dazwischen die Gegenwart. Wir müssen uns umdrehen für einen gemeinsamen Blick in die Zukunft. Let‘s roll! 

Das Gorki feiert wieder den Community-Gedanken. Im Publikum muss man da sicher niemanden mehr überzeugen. So ganz überzeugend ist dieser gut gelaunte Revue-Abend dann aber doch nicht.'' schreibt Stefan Bock am 19. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
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''Mit einem emotional bedrückenden und dramaturgisch-theatralisch stark gelungenen Real-Szenario aus dem aktuellen Nahen Osten eröffnete das Berliner Maxim Gorki Theater gestern Nachmittag in seinem Studio Я die neue Spielzeit. (...)

Den stärksten Eindruck, den das 70- Minuten-Theater auf mich machte, war das "menschenstumme" Video aus einer von den besagten toten Städten (höchstwahrscheinlich aufgenommen von einer Kamera-Drohne). Ich sah weit und breit Zerstörung und unendliche Verlassenheit - - und hörte über allem und von Allem unbeeindruckt: Vogelgesang. 

Großartig gemacht. '' schreibt Andre Sokolowski am 13. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Fuck the facts
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''Hrund Ósk Árnadóttir, Angela Braun, Allen Boxer und Mario Klischies (in alphabetischer Reihenfolge), die vier hochsympathische Sängerinnen und Sänger, sangen einen ca. 70minütigen und durch Bijan Azadian von seinem Apple-Notebook aus gesampelten Händel-Messiah, also Rezitative, Arien, Duette, Quartette oder Chöre. Und sie sangen das nicht nur, sondern sie spielten und - sie tanzten es sogar; das sah bei ihnen freilich sehr, sehr schön aus, weil: Vier junge schöne Menschen seh'n halt immer sehr, sehr schön (und sexy!) aus. Auch wollten wir dann ruhig in naher Zukunft insbesondere den Allen und die Hrund in echt sowie in live bei einer echt-live dargebotenen Mesiah-Aufführung erleben; was wir hier und heute (f**k the facts) koloratös geboten kriegten, war dann schon mal sehr, sehr vielversprechend!! (...)

Kurz vorm Ende fielen dann noch moraline Schlussbemerkungen à la Was-lernen-wir-aus-der-Geschichte? Hm, weiß ich jetzt auch nicht so auf Anhieb zu erklären. 

Leicht und lustig war es allemal. '' schreibt Andre Sokolowski am 13. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Macbeth
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''Nach Schenkelklopfen ist nun also Hauen und Stechen im Monbijou Theater angesagt. Das nötige Theaterblut dafür schleppt man gleich in mehreren Zinkeimern und -wannen auf die Bühne. Das Geschehen um den schottischen Edelmann Macbeth, der, angestachelt von seiner Frau und den Weissagungen dreier Hexen, er würde es zum Thane von Cawdor und schließlich gar zum König von Schottland bringen, den alten Monarchen Duncan ermordet und nachfolgend noch viele weitere Widersacher ins Jenseits befördert, spielt sich hier in einer kleinen Sandkastenarena zu Füßen der Zuschauertribüne ab. Während hier noch die drei Hexen ihre verwunschenen Beschwörungsformeln im Original singen, rollen nach gewonnener Schlacht Macbeth und Kumpan Banco von oben herab.'' schreibt Stefan Bock am 2. August 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Jakob Lenz
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''Sehr anspruchsvoll ist die Titelpartie des Lenz´. Von Singen über Schreien, über Sprechen, über Flüstern - alle Formen der menschlichen Stimme sind gefordert. Der Wechsel zwischen Sprechen und Singen beansprucht die Stimme und damit Georg Nigl extrem. Georg Nigl verfügt über viel Erfahrung mit zeitgenössischer Musik, und die Rolle des Lenz´ hat er schon über 20 mal gesungen. Dirigent Franck Ollu entlockt dem Kammerorchester der Staatskapelle Berlin solistische Qualitäten. Die Musik wirkt intensiver in diesem reduzierten Set Up, kann sich wunderbar in den Stimmen der Solisten und des Vokalensembles entfalten. Tolles Stück und tolle Regiearbeit, die Wiederholung der Inszenierung von Stuttgart kann man noch vielen Opernhäusern wünschen.'' schreibt Steffen Kühn am 11. Juli 2017 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Bette & Joan
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''Wohl nicht viel anders wird es auch dem eingangs schon erwähnten Duo Manon, Désirée ergangen sein - es wird sich allem Anschein nach (durch Regisseur Folke Braband) in die "Materie" nach und nach dann eingearbeitet haben lassen. Und sein spürbar leidenschaftlich-intensives Rollenstudium führte letzten Endes zu der glaubwürdig sich (auch zu mir) manifestiert habenden Menschendarstellung. 
Das augenscheinlich Tollste dieser Inszenierung war'n die filmisch nachgestellten Szenen aus dem Psychothriller Was geschah wirklich mit Baby Jane?! Quasi als Stück hinter dem Stück, wo es dann, ziemlich parallel, um ''schwesterliche'' Zu- und Abneigungen ging. 
Fantastische Kostüme - insbesondere diejenigen von Joan werden durch Désirée mit wollüstigster Trägerinnenwonne akzeptiert und angenommen worden sein. 
Sehr, sehr vergnüglich alles Das.'' schreibt Andre Sokolowski am 9. Juli 2017 auf KULTURA-EXTRA
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''Die Inszenierung von Bassbariton Otto Katzameier muss sich der Enge der Werkstatt im Schiller Theater anpassen. Er verzichtet auf sieben stumme Rollen und reduziert die singenden Personen durch diverse Koppelungen auf insgesamt sieben Sängerdarsteller. Statt spielender Gespenster gibt es im leeren und rohem Raum Stephan von Wedels überlebensgroße Videoprojektionen. (...)
Die im Rang der Werkstatt positionierten, aber mit Gaze verborgenen Instrumentalisten der Staatskapelle Berlin und der Orchesterakademie leitet Dirigent Michael Wendeberg. Mit adäquaten Farben setzt er ganz auf die Klangwirkungen der Instrumente oder lässt sich auf teils lautmalerische Exkurse der Partitur ein. Eine gelungene Inszenierung im Berliner Reimann-Jahr 2017.'' schreibt Steffen Kühn am 2. Juli 2017 auf KULTURA-EXTRA

Premieren

23 September 2017
Kaukasische Kreidekreis
Michael Thalheimer
Berliner Ensemble

24 September 2017
Bremer Stadtmusikanten
Tobias Ribitzki
Komische Oper Berlin

24 September 2017
Nach uns das All
Sebastian Nübling
Maxim Gorki Theater

24 September 2017
Rückkehr nach Reims
Thomas Ostermeier
Schaubühne

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