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''So abgehackt und fragmentarisch, wie der Text hier gesprochen wird, geht es an dem nur etwa 90 Minuten dauernden Abend auch weiter. Viel Zeit nimmt sich die Regisseurin dabei nur in den Szenen der anfänglichen Verlobungsfeier im titelgebenden Wiener Wald, bei der Marianne am Ende Oskar für den zwielichtigen Charmeur Alfred (Daniel Hoevels) verlässt. Zuvor deuten schon gezielt Sätze wie „Nur niemals die Autorität verlieren! Abstand wahren! Patriarchat, kein Matriarchat!“ und „du entgehst mir nicht“ diesen Ausbruch aus Demütigungen und vorbestimmtem Ehegefängnis als Befreiung („Jetzt bricht der Sklave seine Fessel.“) an. Ein bisschen Me-Too als geisterhafter Danse Macabre, der sich auch in den folgenden Szenen vorsetzt mit dem leicht verfremdet immer wieder eingespielten Wiener- Walzer-Thema. Hier lässt niemand seine vorgefertigte Maske fallen.

Marianne wird als einzige ihre puppenhafte Kostümierung ablegen, wenn sie allein im schwarzen Dress in der Szene im „Maxim“ für die Herren tanzt. Eine weitere tranceartige Techno-Einlage, der ein finales Satzstückwerk über „Versöhnung“ und pastorales Bla-Bla folgt. Eine gebrochene Marianne im weißen Kleid mit blutiger Babypuppe steht am Ende an der Rampe. Als rein ästhetisch orientierte, stark verdichtete Live-Stream-Variante ist das durchaus interessant, insgesamt aber eine doch recht verkürzte Darstellung der düsteren Horváth‘schen Zurichtungsdramatik, der es für die Umsetzung vor Live-Publikum leider etwas an Spannung und Figurenausformung mangelt.'' schreibt Stefan Bock am 8. November 2020 auf KULTURA-EXTRA
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''Musikalisch bewegt sich der Abend zwischen Marschmusik, Cha Cha Cha und Schlager im Stile der Comedian Harmonists (Eine kleine Vorhaut), was auch einigen Unterhaltungswert besitzt. Als Adi und Jugendfreund Gustl witzeln sich die beiden grandiosen Schauspieler durch Hitlers Jugend, seine verdrängte Homosexualität und andere Eigenarten des verhinderten Künstlers, der aber später trotzdem zum größten Massenmörder avancierte (Lied für „Mamilein“). Ein Lied über „Kinder für den Krieg“ ragt da politisch schon etwas über die sonstigen Albernheiten hinaus. Passend dazu wird hier auch AfD-Gaulands „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte entsprechend gewürdigt.

Später gibt Bomhard eine tuntige Karikatur von Friedrich dem Großen, der ja bekanntlich eine ähnlich tragische Jugendliebe zu seinem Freund Katte pflegte, und Kocevski himmelt nun als verkannter Hitler sein großes historisches Vorbild an. Zwei Hundeliebhaber kämpfen in einer „Nacht voll Zärtlichkeit“ mit Flöte und Riesenpenis. Rosa von Praunheim lässt in seinem „großen Theater der Weltgeschichte“ nichts unversucht die beiden großen Männer ziemlich lächerlich aussehen zu lassen. In dieser Hinsicht ist die Farce schon ein zwar sehr schräges aber auch bitterböses Abbild deutscher Geschichte, die dem Publikum damit tragischer Weise auch nicht allzu viel Neues zu erzählen hat.'' schreibt Stefan Bock am 4. November 2020 auf KULTURA-EXTRA
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''Als sich der Premierenvorhang schließlich hebt, ist festzustellen: Dafür interessiert sich Kosky nicht die Bohne. Lieber streut er seinem Bühnenpersonal dasselbe Juckpulver in den Schlüpfer, welches schon bei Die schöne Helena und dem Salzburger Orpheus in der Unterwelt zur Anwendung kam. Diesmal allerdings blickt man dem aufgekratzten Gerenne völlig überdrehter Paillettenhühner mit schnell zunehmender Genervtheit entgegen. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Tänzer*innen, die erneut ekstatisch zuckende Ahhh-Ohhh-Schnippel-le-dingdong-Nummern zum Besten geben müssen - nur halt in anderen Kostümen. Die Gags spielen in einer Liga, in der ein blinder General - BUMM! - gegen Wände läuft oder die Grande-Duchesse kurze Nickerchen hält. Was jedoch wirklich zum Haareraufen ist: Mit diesem trivialen Klamauk, den bestrapsten Cancan-Beinen, frivolen Zoten und all dem Gekreische, bedient Kosky allerschlimmste Offenbach-Klischees.

Selbst der Coup, aus der Hauptpartie eine Rôle travesti zu machen, verpufft, weitestgehend, was nicht an Tom Erik Lie liegt, der seine Sache als baritonal gurrende, Falsett-flötende, Töne-wegkichernde und zarahleandernde Operettendiva ziemlich gut macht. Doch wie der übrige Cast kann auch Lie nicht verhindern, dass der Abend nicht zünden will. Ivan Turšić weiß mit dem Fritz nicht viel anzufangen; Jens Larsen singt einen preußisch polternden, grob geschnitzten Bumm; Tijl Faveyts, Christoph Späth und Christiane Oertel sind völlig unterfordert, und selbst Alma Sadé bleibt als Wanda merkwürdig blass. Was derweil aus dem Graben tönt, verströmt überwiegend Kurkapellencharme: Unter (der eingesprungenen) Alevtina Ioffe spielt das Orchester der Komischen Oper einen rundgelutschten, spannungsarmen, mitunter sogar klappernden Offenbach auf.'' schreibt Heiko Schon am 1. November 2020 auf KULTURA-EXTRA

 

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