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''Wenn man Frljić Inszenierungen kennt, ist das aber vergleichsweise noch recht zahm. Der Regisseur lässt einen diesmal lange warten, bis er zu drastischeren Mittel greift, um die Situation zu eskalieren bzw. sogar gänzlich umzudrehen. Dazu werden schließlich alle Reichen an den Händen gefesselt, und Warwara übernimmt das Kommando. Die Zarenbilder im Hintergrund wechseln gegen ein Leninportrait. Die Verschärfung der Widersprüche führen schließlich zum Umsturz. Was erst wie eine Art Kultur-Revolution daherkommt, bei der zur Schaffung einer proletarischen Kultur Tolstois Romangesellschaft nochmal auf den Prüfstand kommt und dazu Passagen aus ihren Dialogen zu wiederholen hat, gipfelt schließlich in einen Sturz der Männergesellschaft.

Mit Heiner Müllers Mauser im Anschlag fordert Warwara die Tolstoi-Frauen auf, ihre Männer zu erschießen. Klassen- oder Frauensolidarität, oder doch lieber der Tod stehen hier zur Auswahl. Man muss nicht lange rätseln, wie es bei Frljić ausgeht. Simon Stone hat in seiner Griechischen Trilogie am BE Ähnliches verzapft. Doch wo mit Müller Revolution gemacht wird, lauert auch der Verrat. Frank Castorf weiß das schon lange. Und so gehört das Ende Dostojewskis Roman vor einem Putin-Bild. Sehr subtil ist das nicht. Aber aller Anfang ist schwer und scheinbar auch ziemlich langwierig.'' schreibt Stefan Bock am 17. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Eine Odyssee
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''Mehr als tönende Leere hat die Inszenierung bis hierher auch nicht verströmt. So geht es nach zwei Stunden erstmal zum Aufräumen in die Pause. Leer ist dann auch die Bühne zu Beginn des zweiten Teils. Arnarsson nimmt nun Druck und Tempo vollkommen raus. Claudio Gatzke und Silvia Rieger deklamieren einen Text des Autors Mikael Torfason über zwei Brüder wie bei einer szenischen Lesung. Der eine alkoholkranker Drehbuchautor mit Schreibblockade in Los Angeles, der andere britischer Soldat in Afghanistan. Man weiß nicht, wer schlechter dran ist. Dieser autobiografisch angehauchte Dialog in Briefen wurde zur Premiere noch von drei überlebensgroßen Puppen von amerikanischen Präsidenten mit erigierten Penissen umkränzt. Bei der zweiten Vorstellungen fehlen diese. Ein Zeichen, dass sich der Regisseur der Plakativität der Szenen wohl bewusst war.

Daniel Nerlich als runtergekommener Tramp Odysseus darf noch aus den Abenteuern seiner Irrfahrten berichten, bis er in seinen Heldenschilderungen von der Nymphe Kalypso (Sólveig Arnarsdóttir) unterbrochen wird. Zur Heimkehr durch den Gott Zeus (Sarah Franke im Gold-Overall) verdammt, irrlichtert er noch ein wenig durch den Hades, wo er auf tote Helden und seine ihn als gescheiterten Helden beschimpfende Mutter (Sólveig Arnarsdóttir) trifft. Was Odysseus zu Hause erwartet, verschwimmt im „Fog of War“. So gewaltig wie der Abend im ersten Teil begann, verflacht er im zweiten. Nicht nur dramaturgisch ist das Ganze schlecht gebaut, auch im Spiel ist diese Inszenierung gescheitert. Der Mythos der der Volksbühne-Vorgänger ist wohl immer noch zu stark.'' schreibt Stefan Bock am 16. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Der Liebestrank
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''Viel Slapstick und Komik sind die Ingredienzen dieser amüsanten Inszenierung, ein Gag jagt den nächsten und wird vom Publikum mit viel Lachen quittiert. Vor allem der arme Nemorino schafft es regelmäßig, die Aufnahmen durch unpassende Auftritte zu sprengen denn die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sind ihm nicht bewusst und lassen ihn glauben, Adina wolle tatsächlich Belcore heiraten, obwohl das nur im Drehbuch steht. Piotr Buszewski erfüllt diese Rolle bravourös mit allem was sie braucht: Leidenschaft, Verzweiflung, Tragikomik und wunderbar anrührender Ehrlichkeit, ohne dabei je ins Alberne abzugleiten. Beeindruckend, wie Buszewski diese Partie spielt und mit seinem lyrischen aber dennoch durchschlagskräftigen und unangestrengten Tenor gestaltet.

Selbstbewusst, temperamentvoll und keck ist Bianca Tognocchis Adina und überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Glockenklar, leicht und geschmeidig bis in die höchsten Höhen klingt ihre Stimme und meistert mühelos alle Koloraturen. Jonathan Michie gibt mit kernigem Bariton einen schön selbstverliebten und schnittigen Belcore, der scheinbar jede Frau mühelos erobern kann. Sejong Chang ist ein gewitzter Regisseur/Wunderdoktor Dulcamara, dem Sandra Maxheimer als stets präsente Regieassistentin Gianetta zur Seite steht.

Wichtiger Bestandteil ist dieses Mal auch wieder der Chor, der sowohl musikalisch als auch szenisch besonders gefordert ist und diese Aufgabe bestens gerecht wird. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Giedrė Šlekytė, die mit leichter Hand die verschiedenen Nuancen der temporeichen und übersprudelnden Partitur herausarbeitet und dem Gewandhausorchester feine Belcanto-Klänge entlockt.'' schreibt Eva Hauk am 15. September 2019 auf KULTURA-EXTRA

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