Kritik zu: El Cimarrón
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''Der Bassbariton Robert Koller spricht, singt, zetert und tanzt. Tiefe Wörter werden zu hohen Tönen, und mit Händen und Gesten erklärt er die unterschiedlichsten Zustände. Am Tisch sitzt er nur kurze Zeit, dann springt er auf ihn, erhebt seine Hände in Priestermanier - will er beten? Nein, er prangert die Kirche an. In der Zeit hin- und herspringend wirft er sich stolz eine rasselnde Eisenkette um den Hals und dann diese in eine Ecke, erschlägt einen Aufseher mit einem Stein, schimpft zu einer Habanera auf die Kolonialmacht, rennt durch die Musikinstrumenten-Stadt - verfolgt von Christina Schorn und Ivan Mancinelli, während der Flötist auf der Maultrommel dazu spielt. Am Ende bleibt Montejo wieder nur das Plantagenfeld, weil die Freiheit eine falsche war und er trotz technischer Errungenschaften wieder bei großer Hitze Zuckerrohr schneiden muss, um überleben zu können. Koller leistet Großartiges zwischen anklagenden, groben und minimalen Gebärden und stolzer, expressiver Mimik. 

Christina Schorn spielt, hämmert, schreit, knurrt und streicht. Henze hat zwar klare Vorgaben über die Höhe von Tönen und Klängen gemacht, aber die Interpretation, die Lautstärke oder den Rhythmus der Improvisation der Solisten überlassen. Dazu stehen die Musiker permanent mit Blicken und Gesten in Kontakt. Filigrane Passagen und zauberhafte Duette gehen über zu Flöten- oder Gitarrensoli, minimalistische Passagen werden zu kubanischen Rumba-Rhythmen oder zu einer Habanera. Jedes Bild bekommt ein Instrument zugeordnet. Ganz unglaublich, dass nur drei Musiker all dies bewerkstelligen können.'' schreibt Christa Blenk am 9. Oktober 2018 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Die Orestie
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''Das Drama beleuchtet Mechanismen von Strafe, Gewalt und Schuld. Obwohl viel geschrien und gezetert wird, vermittelt Štormans Inszenierung jedoch die Beweggründe und Leidenschaft der Figuren nicht schlüssig. Es fehlt an einer nachvollziehbaren Personenführung. Viele der Figuren stehen oder sitzen minutenlang unmotiviert im Raum, unbeweglich wie Statuen. Einige Handlungen des Dramas werden nur symbolisch vorgeführt und teilweise erwachen Totgeglaubte wieder und werden dann – nun vielleicht als Geister – neu in das Geschehen eingebunden. 

Insbesondere die plötzlichen Stimmungsschwankungen vieler Figuren erscheinen unglaubwürdig. Orest (Sören Wunderlich) betrachtet erst voller Trauer seinen Vater (Wolfgang Rüter) am Grab, um sogleich jubelnd das Wiedersehen mit seiner Schwester Elektra (Sandrine Zenner) zu feiern. In der Rolle des potenziellen Muttermörders wirkt dieser eher schmächtige Orest überfordert. Sören Wunderlich vermag jedoch den Zwiespalt gekonnt zu akzentuieren, der die Figur einholt, als ihm die mögliche Rache an der Mutter von Elektra aufgetragen wird. Zur Rache an Aigisth kommt es in der Bonner Inszenierung dann jedoch gar nicht mehr, und auch die Erinyen werden nicht dargestellt. Den stärksten Eindruck im eher wenig dynamischem Zusammenspiel hinterlässt Sophie Basse als getriebene, machtvolle Klytaimnestra, die ein doppeltes Spiel treibt und mit sich und ihrem Tun hadert. Auch Daniel Breitfelder, der die Frauenrolle der Seherin Kassandra, Sklavin Agamemnons, verkörpert, setzt seine Figur effektvoll in Szene. Nur mit einem Herrenslip bekleidet demonstriert er dabei die nötige Nacktheit und Verletzlichkeit seiner Figur.'' schreibt Ansgar Skoda am 9. Oktober 2018 auf KULTURA-EXTRA
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''Es wird viel gesungen, musiziert, getanzt. Ausstatter Viktor Reim hat eine schöne Showtreppe in die Mitte der Drehbühne gestellt, auch hat er die beiden hochagilen und zu permanenten Lustigkeiten aufgelegten Protagonisten in schrille Kostüme und unter zig Perücken gesteckt. 
Das vitale Weltherumgehetztsein Rosas erfährt man, stichpunktartig freilich "nur", im Schnelldurchlauf. 
Es gibt natürlich viel zu lachen - zum Brüllen beispielsweise die Bavaria-Szene, in der Božidar sein bestes Stück, zwischen die Beine nach hinten gezogen, kurzerhand mal so verschwinden lässt und derart einen Frauenunterleib zum Gaudi aller ihn Besichtigenden simuliert. 
Zu sehen sind zig Ausschnitte aus Rosas Spiel- und Dokumentarfilmen, sowieso ist die "Stimme des Herrn" etliche Male per Tonband zu hören - und beim Schlussapplaus ist er gar plötzlich höchstpersönlich anwesend... 
Rosas Melancholie gepaart mit seinem überlebenswichtigen Humor vermittelt bekommen zu haben, war und ist die Quintessenz des von ihm selber inszenierten Stücks über sich selbst. 
Konfetti-Tusch auf ihn! Hoch soll er leben!! Hoch, hoch, hoch!!!'' schreibt Andre Sokolowski am 10. Oktober 2018 auf KULTURA-EXTRA
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3.3
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