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''Einziger Kunstgriff, den sich die Regisseurin erlaubt, ist die aus dem Bühnenboden als „Mater Dolorosa“ auftauchende Autorin Reimann (Elke Petri), die sich in ein Zwiegespräch mit der zweifelnden Franziska begibt. Der recht poetische in den Erzählweisen springende Text hätte da durchaus mehr an Möglichkeiten geboten.

Nach der Pause nimmt die Inszenierung dann etwas an Fahrt auf. Gegenpart zur dominierenden Männerwelt sind die trinkende Sekretärin Gertrud (Maren Eggert mit ein paar großen Auftritten) und die Kellnerin Frau Hellwig (Maike Knirsch). Zwei resolute, selbständige Frauen, die aber in ihrem Leben auch nicht besonders glücklich sind. Die Frau von Schafheutlin (Kathrin Klein) hat im Gegensatz zur Hellwig ihre Arbeit für die Kinder aufgegeben und sehnt sich danach zurück, was sie Franziska auf einem Betriebsball gesteht. Beruflich kann Franziska einige Erfolge feiern, aber das Schafheutlin abgerungene Beratungsbüro wird wieder geschlossen und das geplante kulturelle Stadtzentrum nicht gebaut. Die Liebesbeziehung zum undurchsichtigen Ben (Felix Goeser) bleibt bei Löffner leider etwas zu blass. Dafür kann Goeser dann noch die Lebensgeschichte des nach falschen Anschuldigungen zu 4 Jahren Bautzen verurteilten Wissenschaftlers in die Livekamera sprechen. Am Ende bleibt das ungute Gefühl, zwar Brigitte Reimanns Roman in weiten Teilen auf der Bühne gesehen zu haben, aber nicht so richtig zu wissen, was uns die Regie eigentlich damit sagen will.'' schreibt Stefan Bock am 19. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
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''Annika Schilling verkörpert ausdrucksstark eine eigenwillige, selbstbewusste und spielfreudige Minna, die gerne die Fäden zieht und offensichtlich behütet vom Eindruck des Krieges verschont blieb. Den demonstrativ sein Leid vor sich hertragenden Tellheim gibt Alois Reinhardt als jammernden Schreihals, der sich nur allzu bereitwillig von seinem fürsorglichen Diener Just (Christian Czeremnych) tragen lässt. Annina Euling ist als Kammerzofe stets um das Wohl ihrer Gebieterin Minna bemüht und umschwärmt diese. Sobald sie jedoch einen Moment für sich hat, interessiert sie sich geradezu mannstoll für die sie umgebenden jungen Herren. Bernd Braun mimt den Wirt schleimig-schnoddrig und süffisant im bodenlangen Glitzer-Pallettenkleid mit Wanst und Glatze. Auch Klaus Zmorek hat einen höchst komischen Auftritt im rosafarbenen Torerokostüm. Er stellt den ungeschickten und raffgierigen Höfling Riccaut de la Marlinière aus Frankreich dar.

Bald trägt Tellheim das überdimensionierte Reifrockkleid selbst wie ein Brautkleid, während Minna sich in ein schwarzes Gewand hüllt. Verlobungsringe werden erneut getauscht. Es gibt einige zotige Dialoge zwischen Minnas Zofe und Tellheims ehemaligen Wärter. Wenn letztere bald knutschen, sabbert der Winkekatze literweise Badeschaum aus dem Maul. Zum Heiratsversprechen zwischen Minna und Tellheim kommt es indes in Bonn nicht. Sie stehen sich zum Ende hin unversöhnlich gegenüber.

Die stark gekürzte Textfassung wird in Lessings Sprache beibehalten, was wohltuend ein wenig mit der poppig-bunten Inszenierung kontrastiert. Leider hat die etwa dreistündige Vorführung zähe Längen. Die Welt der Ehre Tellheims als auch die Welt der Liebe Minnas werden in ihrer exzessiven Intensität und Ausschließlichkeit recht infantil dargestellt. So gewinnt der Zuschauer wenig Verständnis für den Konflikt der Figuren, der ja realhistorisch und politisch durchaus Relevanz hatte. Die heitere Aufklärungskomödie um die Überwindung des Ehrbegriffs durch die Liebe lässt somit über weite Strecken trotz guter Darsteller emotional eher kalt.'' schreibt Ansgar Skoda am 18. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Iwanow
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''Es ist ein bemerkenswerter Theaterabend geworden, ein Schauspielerfest – hervorgehoben sei Michael Stiller in der Rolle des Pawel Lebedew, des Vaters von Iwanows neuer Braut, der bei Icken – warum bloß? – Peter heißt –, und eine ziemlich genaue, weil nicht übertreibende und auf psychologische Erklärungen verzichtende Studie eines depressiven Charakters. Plötzlich holt der geschichtliche Ort Ickes Aktualisierungsversuche ein. Freud ist ebenso nahe wie das Motiv von der Affäre Friedrich Hofreiters und Erna Wahls in Arthur Schnitzlers Weitem Land . Übrigens: alle drei, Freud, Schnitzler und Tschechow, waren Ärzte.

Die Bühnenbildnerin Hildegard Bechtler hatte den nicht mehr ganz neuen und technisch wie finanziell aufwendigen Einfall, die halbdunkle Bühne zu fluten und in dem künstlichen „See“ eine quadratische Fläche aufzupflanzen, die sich langsam, fast unmerklich immer wieder dreht. Auch dies trägt mehr zur Stimmung als zur Deutung bei. Aber das ist bei Tschechow nicht verkehrt. Man muss deshalb kein Parteigänger Stanislawskis in der Tschechow-Debatte sein.'' schreibt Thomas Rothschild am 18. November 2019 auf KULTURA-EXTRA

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