Kritik zu: Monte Rosa
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Die Bergsteiger-Tragikomödie über Männlichkeits-Entwürfe kommt mit knappen Ping-Pong-Dialogen und ist in einer halbrealen Alpen-Traumwelt angesiedelt: Matterhorn und Dolomiten werden immer wieder als vertraute Orientierungspunkte genannt, das Trio spinnt sich aber vor allem in die eigenen uneinangestandenen Sehnsüchte ein.

Auffällig ist, dass die Menschen in Hannover so stolz auf ihr lupenreines Hochdeutsch sind, viele Inszenierungen des dortigen Schauspiels aber sehr bewusst Dialekt in ihre Inszenierungen einbeziehen: Stella Hilb sprach in „Ein Mann seiner Klasse", das in einem sozialen Brennpunkt in Kaiserslautern spielt, im Pfälzer Dialekt, diesmal lassen der Schweizer Lukas Holzhausen (Regisseur des zum Theatertreffen eingeladenen Abends) und der Österreicher Nikolai Gemel (Hauptdatsteller jenes Abends) ihre Heimat-Idiome durchschimmern.

„Monte Rosa“ bleibt hinter diesem tt-Überraschungshit zurück: Teresa Doplers skurrile Fingerübung ist ein kurzer Abend für die kleine Bühne in den DT-Kammerspielen. Die Figuren sind Stereotype, irgendwo zwischen Loriot und Godot, wie die Hannoveraner Lokalzeitung „Neue Presse“ ihre Premieren-Besprechung treffend titelte.

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Nach 3,5 Stunden war an diesem Sommerabend schon Schluss. Castorf-Kenner reiben sich die Augen: wo bleiben die obligatorischen zwei Stunden, in denen ein Abend des Meisters völlig durchhängt, die Fremdtexte ausfransen und sich der Saal leert, bevor dann die letzten Getreuen nach Mitternacht hinaus wanken.

So fokussiert und präzise war schon länger kein Abend des abgetretenen Volksbühnen-Heroen mehr. Zum Einstieg arbeitet er sich an Sebastian Kurz ab. Die wortgewaltigen Passagen, in denen Jelinek mit ihrem Regierungschef abrechnete und die Karin Beier in ihrer Hamburger Uraufführung wegließ, kostet Castorf für sein Wiener Publikum aus. Minutenlang wird er nur umschrieben, bevor Kurz dann in vielfacher, sich selbst widersprechender Ausführung in einer Videoschnipsel-Collage über die Leinwand flimmert und später noch als Pappmaché-Double über die Bühne stolpert.

Die Pandemie ist in den Medien derzeit nur als Hintergrundrauschen präsent und trotz Empfehlung trägt nur noch eine Minderheit im Saal Maske, aber mit vielen treffend ausgewählten Querdenker*innen- und Impfgegner*innen-Zitaten ist der Abend, der bei den Autor:innentheatertagen an diesem Wochenende am Deutschen Theater Berlin gastiert, ein anregendes und wichtiges Zeitdokument, das die aufgeheizten Debatten der vergangenen beiden Jahre spiegelt.

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Aus dispositorischen Gründen konnte „Eleos. Eine Empörung in 36 Miniaturen“, das im November 2021 im Haus 2 des Schauspielhaus Graz uraufgeführt wurde, bei den Autor:innentheatertagen am Deutschen Theater Berlin nur als Stream auf einer Leinwand in den Kammerspielen gezeigt werden.

Regisseur Daniel Foerster und sein Team haben eigens für das Festival eine Theaterfilm-Version dieser gerade abgespielten Inszenierung gedreht, die in Berlin nur an einem Abend lief und am kommenden Wochenende als „Stream des Monats“ auf Nachtkritik abrufbar sein wird.

Auch wenn schon die Original-Inszenierung stark auf die Live-Videokamera von Timo Neubauer setzte, ist „Eleos“ ein Beispiel für Stream-Adaptionen, die nicht gut funktionieren. Der Theaterfilm, ein Genre, das im zweiten, langen Corona-Lockdown an vielen Häusern ausprobiert wurde und seitdem wieder in der Versenkung verschwunden ist, bleibt zu oft in einem unentschiedenen Zwischenstadium stecken: nichts Halbes und nicht Ganzes, weder Theater noch Film. Ausnahmen wie Pinar Karabuluts „Edward II.“, die sich vom Theater löste und konsequent mit den Stilmitteln einer Serie spielte, bestätigen diese Regel.

Vom Temporeichtum und der Energie einer türenschlagenden Komödie über Wutbürger*innen und Influencer*innen vermittelt sich in der Aufzeichnung als Theaterfilm wenig.

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