Kritik zu: Nichts von mir
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein namenloses „Ich“ und ein „Er“ bevölkern die Bühne, dazu ein „Mensch“ mit drei Identitäten („seine Mutter, meine Mutter und mein Sohn“) und ein „Ex“. Je drei identisch gekleidete Männer und Frauen verschiedener Generationen (die Männer ganz in Schwarz, die Frauen mit kariertem Pulli und blauem Rock) schreiten durch die spartanisch eingerichtete Wohnküche (Bühne: Raimund Orfeo Voigt). Monoton tröpfeln im Hintergrund die minimalistischen Sounds von Mitja Vrhovnik-Smekrar.
Ritualisiert wiederholen sich Handlungen: Männer duschen, Frauen lassen ihre Streichhölzer fallen und qualmen im Wintergarten, dazwischen schwermütige Gespräche am Esstisch. Das Konzept verschwimmenden Zeitebenen und Personen ist ebenso verkopft wie ermüdend. Die Schauspielerriege ist zwar erlesen, allen voran mit Corinna Kirchhoff und Judith Engel als zwei Aushängeschildern des neuen Berliner Ensembles und Anne Ratte-Polle als prominentem Gast.
Die knapp achtzig Minuten dieser deutschen Erstaufführung nach der Stockholmer Uraufführung von 2012 lassen mich jedoch sehr kalt.

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Kritik zu: Caligula
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Constanze Becker, die große Tragödin archaischer Thalheimer-Abende, war als Titelheldin angekündigt. Und dann das: die Schauspielerinnen und Schauspieler wirken in den Kostümen von Victoria Behr, die sich durch die enge Zusammenarbeit mit Herbert Fritsch einen Namen gemacht hat, wie arme Tröpfe. Wie ein Gummiball springt Annika Meier in einem gepunkteten Ganzkörper-Overall über die Bühne: auch sie eine feste Größe der Fritsch-Familie, die mit seinen Oberhausener und Volksbühnen-Inszenierungen bekannt wurde.
Leider passt das dadaistisch angehauchte Körpertheater im Fritsch-Stil überhaupt nicht zum kristallklaren Drama von Camus, das im Schatten des Zweiten Weltkriegs 1945 uraufgeführt wurde. Die Patrizier sind von vornherein der Lächerlichkeit preisgegeben und weinerliche Jammerlappen.
Wer die herausragenden Auftritte von Mirco Kreibich in Jette Steckels „Caligula“ vor einem guten Jahrzehnt in der Box des Deutschen Theaters oder von Max Wagner in Lilja Rupprechts Arbeit am Münchner Volkstheater gesehen hat, kann sich hier nur enttäuscht abwenden.
Komplette Kritik
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Christopher Rüpings Pop Version eines Polit Romans
Der Abend ist durchaus unterhaltsam, aber der Kern des Romans, das Einknicken der liberalen Gesellschaft, kommt hier zu kurz. Aus dem Verlesen des 15-Punkte-Manifests von Wahlsieger Windrip wird ein musikalische Nummernrevue. Felix Goeser spielt den Volkstribun sehr blass und ohne den nötigen aasigen Charme. Die Gleichschaltung wird mit einem kurzen, aber durchaus erwähnenswerten Regieeinfall abgehakt: das Publikum wird mit Hot Dogs auf die Bühne gelockt. Das kleine Grüppchen, das der Einladung folgte, verschwindet anschließend hinter der Eisernen Wand. Als sie einzeln wieder auf ihren Platz dürfen, referiert Jessup (Jammal), welches angesehene Mitglied der Gesellschaft hier gerade liquidiert wird.
Schade ist auch, dass die Figur des Shad Ledue (gespielt von Schlagzeuger Pröllochs) in der Bühnenfassung zu kurz kommt: seine Entwicklung von Jessups Gärtner zum Folterknecht ist einer der zentralen Aspekte des Buches.
Bis zur sehr effekthascherisch und mit viel Slapstick in Szene gesetzten Doppel-Liquidierung des Präsidenten Windrip und anschließend seines Spin-Doctors und Nachfolgers Lee Sarason (Michael Goldberg) folgt der Abend dem Romangerüst und endet mit einem wirkungsvollen Monolog von Benjamin Lillie als Militärdiktator Haik, der auf jede ideologische oder moralische Verbrämung verzichtet und die pure, totalitäre Gewalt propagiert.
Mit zwiespältigen Gefühlen entlässt der Abend sein Publikum: wir durften einen bemerkenswerten, fast vergessenen Stoff entdecken, wurden zumindest über weite Strecken des Abends unterhalten, haben auf der Bühne aber doch nur eine ausgedünnte Pop-Comedy-Version des Romans geboten bekommen. Ausführlichere Kritik mit Bildern

 

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