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Der Regisseur diskutierte in einem Programmheft-Interview mit dem Soziologen Wolfgang Engler darüber, warum er sich gegen eine Aktualisierung des Stoffes entschieden hat: Während man zu Pinnebergs Zeiten noch von einer recht homogenen „Arbeiterklasse“ ausgehen konnte, ist die heutige Situation wesentlich ausdifferenzierter: „Es gibt die Facharbeiter, Leiharbeiter, Zeitarbeiter, die in Werkverträgen Beschäftigten, die Illegalen, die gar keinen Vertrag haben, die Stamm- und Randbelegschaften! Je mehr einzelne Kategorien es gibt, umso mehr verliert sich auch der Zusammenhang untereinander. Im Bewusstsein der Beteiligten lebt eher der Differenz: ich bin der und nicht der! Ich habe noch ein paar Vorteile im Bezug auf die Anderen, die noch kommen!“

Deshalb ist die Entscheidung, nicht noch stärker aktuelle Bezüge auf das Hier und Jetzt herauszupräpieren, durchaus schlüssig. Mit „Kleiner Mann – was nun?“ bietet das Gorki einen ungewohnten Farbtupfer in seinem Repertoire, an dem wenig auszusetzen ist. Wenn da nicht der Zigarren- und Zigarettenqualm wäre, dem nicht nur das Publikum, sondern auch die schwangere Hauptdarstellerin so penetrant wie lange nicht mehr ausgesetzt ist. Ein Rückfall in die stark verqualmten Zeiten des Vorgänger-Intendanten Armin Petras am Gorki.

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Kritik zu: Die Mutter
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Der Truppe gelingt das Kunststück, die richtige Balance zwischen ironischer Brechung und dem Ernstnehmen der Vorlage zu wahren. Einerseits spielen sie Brechts Fabel von der Proletarierin Pelagea Wlassowa, die sich Schritt für Schritt von einer unpolitischen Frau zur überzeugten Revolutionärin wandelt, in all seinen Stationen recht detailgetreu nach. Andererseits wird die Handlung durch Auftritte wie den Rap von MC V-Effekt oder ähnliche, mit Szenenapplaus bedachte Einlagen auf amüsante und intelligente Art gebrochen. Felix Witzlau rauscht als personifizierter Kapitalismus im Glitzer-Kostüm herein und feuert einige böse Bemerkungen über das wohlsituierte Theater-Publikum, das in kapitalismus- und globalisierungskritische Aufführungen strömt, und über die Flüchtlinge als Humankapital ab. Anspielungen auf die Kreuzberger Krawall-Folklore zum 1. Mai, die russischen Femen-Aktivistinnen oder die Merkel-Raute wechseln sich mit weiteren Solo-Nummern wie von Elvis Clausen ab, der sich beklagt, dass er statt Brechts Agitationsdrama viel lieber einen Klassiker von Kleist spielen würde. Weiterlersen
Kritik zu: Kriegerin
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Die Intensität des zurecht vielfach ausgezeichneten Films „Kriegerin“, zu erreichen, ist ein schwieriges Unterfangen. David Wnendt ließ 2011 bei seinem Regiedebüt mit rauer Sprache, grauen, ungeschönten Bildern und den beiden starken Hauptdarstellerinnen Alina Levshin und Jella Haase aufhorchen.

Autorin Tina Müller und Regisseur Robert Neumann verlegen die Handlung in eine Baustellen-Landschaft im GRIPS Theater. Das Ensemble ist unter Hochdruck fast ständig in Aktion: in Parcours-Einlagen hangeln sie sich über die Bühne. Zu dröhnenden Beats werden Parties gefeiert und rassistische Parolen gegrölt. Auf Marisa (Alessa Kordeck) und Svenja (Maria Perlick) übt die Neonazi-Clique eine ungeheure Faszination aus, sie wollen unbedingt dazugehören.

In den stärksten Momenten wird die Orientierungslosigkeit und Wut der Mädchen, die in ihren Elternhäusern weder Halt noch Vorbilder finden und den rechten Rattenfängern, deutlich spürbar. Die jugendliche Zielgruppe (ab 14 Jahren) war vor allem von den Rap-Einlagen (Lorris Blazejewski) begeistert und feierte das Stück nach der zehnten Vorstellung.

In die Dialoge werden außerdem Parolen im Pegida-Stil über Deutschland als „Warmduscher-Verein“ und gegen „Multikulti-Schönredner“ eingeflochten: eine provozierende Diskussionsgrundlage für die Workshops, die von der Theaterpädagogik des GRIPS Theaters in Kooperation mit „Gesicht zeigen!“ an Berliner Schulen angeboten werden.

Weniger gelungen als die dichte Atmosphäre ist jedoch die Konturierung der Figuren. Dies dürfte auch an der Regie-Entscheidung liegen, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ständig zwischen mehreren Rollen wechseln: eben noch Neonazi, im nächsten Moment Flüchtling. Dementsprechend ist die Wandlung der Hauptfigur von der militanten Nazibraut zu einer mitfühlenden Figur, die Rasul bei seiner weiteren Flucht nach Schweden hilft, nicht ganz nachvollziehbar. Weiterlesen

 

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