Kritik zu: Der Fiskus
Mit recht klischeehaften Figuren witzelt sich Felicia Zeller durch den Paragraphen-Dschungel des Steuerrechts und den Alltag einer Finanzverwaltung. Wir lernen kennen: die übereifrige Spürnase, die sich in allen Details verbeißt und auch bei noch so komplexen Cum Ex-Fällen dranbleibt, aber bei der Beförderung übergangen und schließlich kaltgestellt wird; die neuen Behördenleiterin, die den McKinsey-Sprech aus Workshops nachbetet; das Sachbearbeiter-Paar, das die „1.000 ganz legalen Steuertricks“ auswendig kennt, alle Vorteile des Ehegatten-Splittings ausnutzt, aber außer der gemeinsamen Freude am Austüfteln von Steuersparmodellen nichts verbindet, so dass die Scheidung zwangsläufig ist; schließlich die Betriebsprüferin, die von den Bestechungsversuchen erzählt.

Der Unterhaltungswert ist leider geringer als der Nerd-Faktor. Die 100 Minuten kreisen so ausführlich um den heißen Brei der verwinkelten Steuerparagraphen und verheddern sich vor allem im Mittelteil in manchen zu langen Monologen, so dass die Uraufführung recht fad gerät. Den Jurys der Mülheimer Theatertage und der DT-Autorentheatertage war „Der Fiskus“ dennoch eine Einladung wert, die Gastspiele mussten wegen Corona jedoch ausfallen.
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Durch Corona verschieben sich zwangsläufig die Akzente: Statt einer faszinierten Hommage an den Tanz auf dem Vulkan der Weimarer Republik, dem ein brutaler Absturz in die Nazi-Barbarei folgte, wird eine melancholische Zeitdiagnose. Der Blick zurück in den Januar in die Prä-Corona-Zeit wirkt wie eine Erinnerung an eine frühere Epoche. Die verheerenden Waldbrände, die damals in Australien tobten, stehen im Zentrum der zweiten Episode „Feuer“.

Der beschwingt-leichte Ton des Anfangs weicht mehr und mehr einem Requiem. Es werden zwar immer wieder Songs aus den 1920er Jahren wie z.B. Kurt Weills „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“ eingestreut und Lisa-Katrina Mayer, langjähriges Ensemble-Mitglied des Zürcher Schauspielhauses während Barbara Freys Intendanz, bemüht sich in ihrer Doppelrolle als Conférencière und Sängerin um einen ironisch-koketten Ton. Mehr und mehr dominieren aber schwermütig-düstere Opern-Arien von vier Solist*innen des koproduzierenden Zürcher Opernhauses (Rebeca Olvera/Sopran, Christina Daletska/Mezzosopran, Iain Milne/Tenor, Cheyne Davidson/Bariton), die um die Themen Tod und Vergänglichkeit kreisen und im apokalyptischen „Dies irae“ von Karl Jenkins in der vorletzten Episode gipfeln.

Als pathetischer, fast schon zu kitschiger Kontrapunkt folgt darauf die Hymne der Bürgerrechts-Bewegung „We shall overcome“, bevor das kleine Ensemble auf der Dachterrasse gemeinsam über die „neue Normalität“ und die Frage, ob Corona langfristig etwas verändert, räsoniert.

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Die Online-Premiere des Staatstheaters Darmstadt verknüpft Theater und Tanz. Rätselhaft bleiben die vier Episoden, die um Überwachung kreisen: In einem Gefängnis oder bei der Sicherheitskontrolle philosophieren die Spieler*innen über ihren beobachtenden Blick und den Einsatz der Technik. Alexandra Badeas SciFi-Text wurde vor fünf Jahren in Freiburg uraufgeführt und besteht aus einer Aneinanderreihung längerer Monolog-Passagen in raunend-nachdenklichem Ton.

Ungewöhnlich ist, dass Schwarz-Weiß-Probenvideos, auf denen der Regisseur seinen Spieler*innen szenische Anweisungen gibt und auch exakte Datumsangaben zu erkennen sind, immer wieder in den Stream hineingeschnitten wird. Gefilmt wurde im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt und in leeren Gängen des Frankfurter Flughafens sowie auf der Autobahn-Fahrt dorthin.

Stärker als die szenische und textliche Ebene ist die Choreographie mit einigen schönen tänzerischen Momenten.

 

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