Erstaunlich viel O-Ton aus Büchners Fragment blieb in dieser „Woyzeck Interrupted“-Fassung erhalten. Das „Best of“ der berühmtesten Zitate über den „hirnwütigen“ Franz, der jeden Halt verliert, ist auch in dieser Fassung zu hören. Diese Original-Passagen sind eingebettet in eine radikale Fortschreibung des Büchner-Texts: Franz und Marie sind ein Paar in unserer Gegenwart. Sie haben sich bei den Proben kennengelernt: er ein berühmter Schauspieler, sie eine junge Hospitantin. Nach den ersten Schmetterlingen im Bauch hat sie das Kind abgetrieben, die Beziehung ist in die Brüche gegangen. Doch da wir mitten im Lockdown sind, können sie sich nicht so einfach trennen.
Madri/Koohestani erzählen in den 90 Minuten vor allem, wie dieses Paar, das längst keines mehr ist, aber doch noch auf engstem Raum zusammen wohnt, miteinander ringt: Sie will ausziehen, er schlägt eine Paartherapie via Zoom vor, die er jedoch torpediert. Schnell wird klar, worum es ihm vor allem geht: die Kontrolle über sie zu behalten.

Die Konflikte werden in heutiger Sprache ausgetragen, in die immer wieder die Original-Passagen eingebaut sind. Anders als bei Simon Stone, der es zu seinem Markenzeichen gemacht hat, klassische Stoffe zu übermalen und in die Gegenwart zu transferieren, wird „Woyzeck Interrupted“ aber nie soap-artig und platt. Der Abend ist ein betont düsteres Kammerspiel, oft agieren die beiden Spieler*innen Lorena Handschin und Enno Trebs im Halbschatten. Ihre Dialoge sind eine Abfolge kleiner Miniaturen. Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, die ebenfalls vom Scheitern einer Beziehung erzählen, sind dieser „Woyzeck“-Aktualisierung näher als die populären Arbeiten von Stone.

Weiterlesen
Kritik zu: Don Karlos
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Die Inszenierung kommt nicht über ein auf zwei Stunden ausgedünntes historisches Kostümdrama hinaus, ein überzeugender Zugriff fehlt, so dass der Abend als <viertelironische Kolportage> endet.. Marek Harloff und Bruno Cathomas bleiben in den Hauptrollen blass.

Wie Andreas Willink auf Nachtkritik treffend beschrieben hat, verkümmert Harloffs &quot;Don Karlos&quot;zu einem verunsicherten <Schreihals> mit <jämmerlichem Aufbegehren, pubertärem Wallen, sich entblößender Emphase und stotternd weinerlichem Ich-Tamtam>, Bruno Cathomas wirkt wie ein <Zirkusdirektor>  und muss sich mit großem Pathos selbst auspeitschen.

Am Ende gibt es als Bonus einen kleinen Auftritt des Comedians Ralph Morgenstern, dessen Karriere auf Kölner Off-Bühnrn begann, in der Rolle des Großinquisitors.
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mit einem schroffen „Tach“ lässt Nils Kahnwald Benjamin Lillie auflaufen. Kein Wort mehr als nötig, aggressiv-lauernd, auf Distanz bedacht, gibt er seinem Bruder keine Chance auf Versöhnung.
Auf die Eskalation zwischen diesen beiden steuert der Abend hin. Kahnwald hat viel von der bedrohlichen Aggressivität eines Vincent Cassel, der diese Rolle in der Dolan-Verfilmung hatte. Lillie wirkt aber deutlich agiler als der ätherisch-trauerumflorte Gaspard Ulliel, der bei jedem Blick spürbar werden ließ, dass hier ein Todkranker Abschied nimmt.

Es ist der Höhepunkt des Abends, als die beiden Brüder aneinander geraten und Kahnwald Lillie barsch zurückstößt und ihm die Umarmung verweigert. Nur noch schemenhaft tanzend sind die Figuren anschließend auf der Bühne wahrzunehmen, die ganz in Blutrot getaucht ist.

Problematisch ist allerdings die Regie-Entscheidung für den gestrigen Live-Stream: Christopher Rüping entschied sich dafür, auf das technische Equipment des Schauspielhauses Zürich zu verzichten und setzte fast ausschließlich eine Handkamera ein. Die wackligen Bilder geben der Inszenierung etwas Fahriges. Hektisch schwenkt die Kamera zwischen den Familienmitgliedern hin und her und geht dabei oft genug ins Leere. Die bewusste Entscheidung, die digitalen Möglichkeiten nicht zu nutzen und stattdessen den Urlaubs- und Heim-Video-Stil der 90er Jahre zu kopieren, macht das Zusehen anstrengend. Der Low-Budget-Charakter der Wackelbilder passt zwar zu manchen Szenen mit dem grobschlächtigen, aggressiven Bruder. Aber die Ausschließlichkeit, mit der dieses Mittel hier über den gesamten Abend eingesetzt wird, tut der Inszenierung nicht gut.

Weiterlesen

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 


DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2021

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

TICKETS KAUFEN
eventim


PDF-Datei: 11,95 € 8,95 €
Weitere Formate auf
Amazon & Google:
Kindle eBook
Taschenbuch
Google eBook

WEITERE BÜCHER


ANZEIGE

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 843+
4 1885+
3 1672+
2 1053+
1 425+
Kritiken: 2892

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon & Google Play:
Kindle eBook - Taschenbuch - Google eBook


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


UNSER PARTNER

BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click