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Es ist ein schöner Zufall, dass das Theater Münster seine Adaption des essayistischen Romans von Édouard Louis einige Tage nach dem Start der 2. Staffel der Serie <Das Boot> im Netz präsentierte. Unterschiedlicher könnten die Rollen von Joachim Foerster kaum sein.


Im TV spielte er den Unteroffizier Ralf Grothe, einen besonders unsympathischer Vertreter toxischer Männlichkeit, den man sich sehr gut dabei vorstellen kann, wie er gemeinsam mit dem Vater von Édouard Louis und seinen Kumpels Zoten reißt und homophobe Sprüche klopft. In seinem Theater-Monolog verkörpert Foerster einen sensiblen jungen Mann, der sich an die Demütigungen seiner Kindheit erinnert.

<Wer hat meinen Vater umgebracht?> wurde in den vergangenen Monaten mehrfach für die Bühne adaptiert. Die Inszenierungen des Münchner Volkstheaters und des Volkstheaters Wien hatten gemeinsam, dass die Wut und der Schmerz über eine kaputte Vater-Sohn-Beziehung immer wieder durch komische Einlagen gebrochen wurde.

Regisseur Michael Letmathe und Solo-Darsteller Foerster entschieden sich für einen anderen Weg, für ein minimalistisches Solo, das sich ganz auf den Schmerz fokussiert, den Édouard Louis in seinem autobiographisch geprägten Roman schildert. Der Text wird zum langen Monolog, der nur durch wenige spielerische Momente aufgelockert, aber eindringlich vorgetragen wird. Statt eines Spielpartners übernimmt hier die Lichtregie die zweite Hauptrolle: In den Großaufnahmen des Inszenierungs-Mitschnitts versinkt oft eine Gesichtshälfte des Solo-Spielers im Halbdunkel, das diesen Abend in der kleinen Spielstätte U2 atmosphärisch prägt.

Zum Schmerz und der Sehnsucht nach Versöhnung mit dem Vater passt die tieftraurige Version von <Barbie Girl>, die Foerster zur Mitte des Abends am Klavier vorträgt. Einer der klebrigsten Bubblegum Pop-Songs der Eurodance-Welle, die die dänische Band Aqua in den 1990er Jahren in die Charts spülte, wird in dieser Münsteraner Version als Weltschmerz-Ballade ganz neu hörbar.

Für die finale Abrechnung mit den Sozialstaats-Reformen der französischen Präsidenten von Chirac bis Macron hat Foerster noch einen weiteren theatralischen Auftritt: wie eine Chanson-Diva im schwarzen Abendkleid spricht er diese letzten Worte des Romans.

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Kritik zu: Lonely House
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Alles andere als ein <lonely house> war die Komische Oper Berlin bei den ersten beiden Vorstellungen dieses Abends von Katharine Mehrling und Intendant Barrie Kosky, der sie am Klavier begleitete: die Auftritte im Dezember 2019 und Januar 2020 waren ausverkauft.

Für die Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit war der Titel geradezu prophetisch: mit einer Live-Stream-Geistervorstellung aus dem leeren Haus meldeten sich Mehrling als Diva ganz in schwarz und ihr Bühnenpartner im queeren Einhorn-T-Shirt.

Sie wollen dem Publikum die unbekannten Facetten aus dem Werk von Kurt Weill zeigen, jenseits der Hits aus der Dreigroschenoper, die Kosky derzeit am Berliner Ensemble einstudiert. Sie konzentrieren sich auf die Werke aus dem Exil, als er vor den Nazis zunächst nach Paris, später in die USA fliehen musste. Düstere Themen und Einsamkeit dominieren, Chanson und Jazz fließen in das Werk von Kurt Weill ein.
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Das Jahr war anstrengend: unzählige Stunden musste sie sich durch die Öffnungsdiskussionsorgien der Ministerpräsident*innen quälen. Ebenso kräftezehrend wie vergeblich waren ihre Anstrengungen, vor der heranrauschenden zweiten Welle zu warnen.

Aber auch nach einem solchen annus horribilis lässt es sich Angela Merkel alias Christoph Jungmann nicht nehmen, das Kabarettistische Jahresendzeitprogramm zu moderieren. Dieses ehrenamtliche Engagement der Bundeskanzlerin hat eine lange Tradition, die Show kann aber in diesem Jahr natürlich nur digital stattfinden.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt: während sich die potentiellen Nachfolger aus CDU/CSU seit Monaten in einem Kandidaten-Schaulaufen um Kopf und Kragen reden, hat sie endlich den einzig würdigen Nachfolger in diesen Pandemie-Zeiten gefunden.

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