Kritik zu: Stück Plastik
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Jenny König ist als Haushaltshilfe von überspannten Leuten umgeben. Das Beste an ihren beeindruckenden Gesangseinlagen: dann ist endlich für kurze Zeit Ruhe mit den Problemchen der Familie: dem Arzt, der sich doch nicht traut, das Angebot der Ärzte ohne Grenzen anzunehmen, seiner Gattin, die sich als persönliche Assistentin eines tyrannischen Hipster-Künstlers (Sebastian Schwarz im Schottenrock), und dem pubertierenden Sohn, der sich am liebsten die Nägel lackieren und die Kleider der Mutter anziehen möchte.
Wie einfallslos das Ganze daherkommt, zeigt allein schon, dass auch das beliebte Prenzlauer Berg-Bashing nicht fehlen darf. Der Container des Roten Kreuzes, in dem die Dame des Hauses (Marie Burchard) ihre zu engen Kleider abgeben möchgte, steht – herzlich willkommen in der Klischeefalle! – Knaackstraße/Ecke Wörther Straße. Stück Plastik lässt sich am Sonntag Nachmittag gut wegkonsumieren. Wie Simone Kampf so treffend schrieb: „Bei aller Rumsauerei bleibt der Abend Hochglanztheater, das mit gutaussehenden Oberflächen protzt, aber es nicht unter die Haut schafft.“ Weiterlesen
Kritik zu: Romeo und Julia
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Der Abend zerfasert in Comedy-Klein-klein: Romeo (Benjamin Lillie) braucht ganz dringend seine Lactose-freie Milch, die er dann auch den Frauen in der ersten Reihe anbietet, und fragt vergeblich nach Magnesium und einem Trampolin, da er sonst Julia auf ihrem Balkon nicht erreichen kann. Mercutio (Lisa Hrdina) stellt sich neben ihn und sagt: „Lieber Romeo, liebe Kinder, ihr wisst schon, was jetzt kommt“ und spielt darauf an, dass Benjamin Lillie seine Hose mittlerweile fast so regelmäßig runterlässt wie Lars Eidinger. Die Inszenierung hat nun den Punkt erreicht, an dem Eva Biringer seufzte: „Am schlimmsten aber wird es, wenn es lustig sein soll.“
Rüping hat das Shakespeare-Drama auseinandergenommen, die Bausteine durcheinandergewirbelt und findet keine überzeugende Linie, sie wieder schlüssig zusammenzusetzen. Der Abend hat zwar seine unterhaltsamen Momente, überzieht aber teilweise so sehr, dass es nur noch albern wirkt. Deshalb ist es sehr verständlich, dass Eva Biringer den Eindruck hatte, „dass die Inszenierung ihr Thema nicht ernst nimmt.“ Weiterlesen
Kritik zu: Macbeth
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Den fünf Hexen gehören die stärksten Szenen des Abends: wie sie sich anschleichen, um das Ehepaar Macbeth (Ulrich Matthes und Maren Eggert) herumschlängeln, ihre Machtphantasien anstacheln und ihnen einflüstern, nach der Krone zu greifen, bleibt in Erinnerung. Auch nachdem Macbeth den Thron bestiegen hat, lassen die Hexen nicht von ihm ab. Sie werden zu seinen inneren Dämonen, plagen ihn mit Ängsten vor dem sozialen Abstieg, vor dem Machtverlust und vor seiner Ermordung.
Leider bleiben diese gelungenen Szenen eher die Ausnahme. Über weite Strecken der mehr als zwei Stunden wird weniger gespielt, sondern vor allem deklamiert. Die Sätze aus der romantischen Shakespeare-Übersetzung von Dorothea Tieck aus dem Jahr 1833 stehen schroff und scharfkantig im Raum. (...)
Tilmann Köhlers Macbeth schafft das Kunststück, in einem der blutrünstigsten Dramen der Weltliteratur ganz ohne Theater-Kunstblut auszukommen. Wenn die Hexen nicht gewesen wären, wäre aber auch die gesamte Inszenierung blutleer geblieben. Weiterlesen