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Das Ensemble strömt von den Seiten auf die Bühne und legt mit einer Gangnam Style-Nummer los, also jenem Chart-Hits aus Südkorea, der vor einigen Jahren die Oberflächlichkeit des gleichnamigen Schicki-Micki-Stadtteils von Seoul aufs Korn nahm. Zwei Tänzer liefern dazu eine beeindruckende Breakdance-Performance ab.
Von da an ging es allerdings bergab: ein Quintett aus Militär, Kirche, Banken, Politik und Justiz hat die Gesellschaft fest im Griff und lässt sich immer neue Demütigungen für die Jugend einfallen, die bewusst ungebildet und als sexuell jederzeit verfügbares Frischfleisch gehalten wird. Ihnen gehen sechs nackte, mit schwarzer Farbe beschmierte Männer zur Hand: Stützen des Systems, die Gegenstände apportieren oder die Masse in Schach halten müssen.
Die nächsten knapp neunzig Minuten lässt die Inszenierung kaum eine Gelegenheit aus, sich als anachronistisches Bürgerschrecktheater lächerlich zu machen: vor einigen Jahrzehnten mag dieser penetrante Einsatz von nackten Körpern, Kunstblut und Splatter-Ästhetik voller aufgeschnittener Bäuche und gegrillter Körperteile vielleicht aufrüttelnd gewirkt haben. Hier wirkt dieses Attitüdentheater, wie es André Mumot in seiner Nachtkritik treffend bezeichnete, nur unfreiwillig komisch.
Wer möchte bestreiten, dass in unserem Wirtschaftssystem einiges schief läuft? Aber mit seinem zur Pose erstarrten Haudrauf-Stil schafft es Kresnik wohl kaum, den notwendigen Diskussionsprozess anzustoßen. Zu leicht kann man diesen Abend und die zu plakativ vorgetragene Kritik abtun. Weiterlesen
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Yael Ronen spricht viele Tatsachen an, die wir aus der Realität und den täglichen Nachrichten kennen: die mangelnde Kontrolle der Geheimdienste, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, die weltweiten Krisenherde, für die hier exemplarisch der Nahost-Konflikt und der IS-Terror stehen. Auf der Gorki-Bühne torpedieren einige Nachahmungstäter von Kohlhaas mit ihren Guy Hawkes-Masken die Vorbereitungen auf das 20. Dienstjubiläum von Angela Merkel im Grand Hotel Heiligendamm. In der Realität blickt Angela Merkel erst ihrem 10. Jubiläum entgegen und obwohl die Zutaten für einen Wut-Cocktail vorhanden wären, blieb der große Knall bisher aus. Weiterlesen
Kritik zu: Bella Figura
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Diesem Abend fehlt alles, was „Gott des Gemetzels“ zu einem Publikumshit gemacht hat, der auch von Hollywood adaptiert wurde: keine bissigen Wortgefechte, kaum überraschende Pointen, wenig Esprit. Isabelle (Lore Stefanek), die älteste der fünf Figuren, meint einmal sinngemäß: Irgendwann werde ich tot sein und ihr werdet einfach weiter quatschen.

Die Exposition ließ auf amüsanten Edel-Boulevard aus der Feder der französischen Erfolgsautorin hoffen: ein Unternehmer will sich mit seiner Geliebten einen schönen Abend in einem schicken Restaurant machen, trifft aber dort auf die beste Freundin seiner Gemahlin, die mit ihrer Familie den Geburtstag der Schwiegermutter feiert. Statt guter Unterhaltung gibt es dann aber leider nur viel Qualm inklusive Product Placement von Nina Hoss für die Marke „Lucky Strike“, quäkende Frösche, zirpende Grillen, Käfer in Großaufnahme, eine Slapstick-Toiletten-Sex-Szene und leeres Gerede.

„Ich drehe durch vor Glück!“ – Nein, dazu bietet dieser Abend kaum Anlass. Und auch bei der alleinerziehenden pharmazeutisch-technischen Angestellten Andrea (Nina Hoss) ist das nur Sarkasmus, als sie ihren Liebhaber Boris (Mark Waschke) gallig auflaufen lässt. Aber immerhin war das einer der Momente, wo sich schemenhaft andeutete, was für ein Theaterfest bei diesem Trio Reza/Hoss/Waschke möglich gewesen wäre.

Yasmina Reza ist und bleibt eine großartige Autorin bissig-spritziger Gesellschaftskomödien, aber diese Auftragsarbeit ging leider daneben. Die Vorstellungen bis zur Sommerpause sind trotzdem schon ausverkauft. Weiterlesen