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Zwischen Comedy, Kindergeburtstags-Mitmach-Aktionen des Publikums, Video-Installationen, ausgelassenen Tanz-Einlagen in traditionellen afrikanischen Gewändern und wenigen stillen Momenten schaltet der 70 Minuten kurze Abend blitzschnell hin und her.

Die große, schwer zu bespielende Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz füllen die acht jungen Tänzer*innen vom Moving Into Dance Mophatong-Ensemble aus Johannesburg mit ihrer Power problemlos. Dementsprechend werden sie am Ende auch mit Standing Ovations gefeiert.

Als Party funktioniert das Gastspiel gut, aber die Versatzstücke des Abends wirken doch zu sehr als Sammelsurium aneinander gereiht. Dass es der Choreographin und ihrem Team um eine Erinnerung an Zulu-Rikschafahrer*innen und ihre kolonialistischen Ausbeutung geht, lässt sich für ein europäisches Publikum nur durch spärliche Zwischentitel und den Programmzettel erahnen. Zwischen oft regelrecht albernen Passagen, bei denen das Publikum aufgefordert wird, im Takt auf den Stühlen mitzuwippen, geht das ernste Anliegen über weite Strecken des Abends verloren.

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Für die 75minütige Choreographie haben Morau und sein Dramaturg Roberto Fratini eine bildstarke Arbeit entwickelt, die sehr wuchtig sein will, aber zu überfrachtet ist. Von der Belagerung Sarajevos und Leningrads über ein großes Holzkreuz, das über die Bühne gezerrt wird, bis zu den altertümlichen Hauben und Reifröcken, mit denen das rein weibliche Ensemble zu Beginn auftritt und damit an die Kostüme in der dystopischen Serie „A Handmaid´s Tale“ nach Margaret Atwood oder „Hexenjagd“-Inszenierungen des Klassikers von Arthur Miller erinnert: im Breitbild-Format jagt ein opulentes Tableau das nächste. Stampfend und keuchend performt „La Veronal“ ekstatische Tänze oder lauscht den stilleren Passagen aus dem Off.

Die Arbeit, die im Sommer 2020 im Museu Nacional in Barcelona erstmals gezeigt wurde, zielt darauf, europaweit von Festival zu Festival zu touren, in Deutschland war sie z.B. bereits bei der Tanzplattform Rhein-Main oder dem Colours-Festival im Theaterhaus Stuttgart zu sehen. Die Aneinanderreihungen von bildungsbürgerlichen Anspielungen wirken allerdings zu willkürlich und beliebig. Es bleibt der Eindruck einer effektsicher inszenierten, dramaturgisch zu wenig ausgefeilten Produktion, die die gesamte große Bühne füllt, aber dennoch kaum nachwirkt.

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Der Abend ist erst wenige Minuten alt, als sich das Quintett seiner Kleider entledigt. Sie kriechen weiter auf ihrer Spielweise zwischen den Sitzreihen, die an den Seitenbegrenzungen aufgestellt sind. Zunächst scheinen sie sich selbst genug, streunen vereinzelt, finden sich dann aber immer öfter zu Paaren zusammen. Sie imitieren Hunde, beginnen zu bellen, heben ihr Bein, springen aufeinander und vollführen akrobatische Übungen wie einen Handstand.

Aus dem Off kommt phasenweise ein meditativ raunender Kommentar (Text: Nayla Naoufal). Fragend starrren die menschlichen Vierbeiner ins Publikum. Wenige Zentimeter vor den Sitzen bleiben Tänzer*innen unvermittelt stehen, halten minutenlang inne und Blickkontakt mit ausgewählten Zuschauer*innen.

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