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Der zweite Teil des Abends gerät zur großen kannibalischen Leichenfledderei, nachdem alle Spielerinnen und Spieler brav gestorben sind und sich als Zombies an Shakespeares Gruft versammeln. Inspririert von Michel de Montaignes „Über die Menschenfresser“ (1580) machen sie sich über Shakespeares Leiche her und spielen sich gegenseitig die Meta-Theater-Bälle zu: Was soll eigentlich dieses ganze klassische Einfühlungstheater? Was haben uns Shakespeares Stücke überhaupt noch zu sagen?

Nach und nach stecken alle fünf ihren Kopf in den Sand, der am Rand des Planschbeckens aufgetürmt wurde, dessen Inhalt auch bis in die erste, mit Regencapes bewaffnete Reihe spritzte. Der launige Metatheater-Abend der irischen Gruppe, die in den vergangenen Jahren bereits zu drei Gastspielen beim FIND-Festival eingeladen wurde, entlockte dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble ein Schmunzeln, hatte aber auch sichtlich damit zu kämpfen, dass ihm über die Strecke von 105 Minuten sichtlich die Ideen und die Luft ausging.

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Kritik zu: Ibsen Huis
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Simon Stone lässt in seiner Ibsen-Übermalung nur noch vage Anklänge an das Werk des norwegischen Dramatikers übrig. Am ehesten sind noch Spuren von „Baumeister Solness“ und „Gespenster“ zu erkennen, dazu hier eine Prise „Nora“ oder dort eine kleine Inspiration aus dem „Volksfeind“.

Ansonsten packt er in die 3,5 Stunden „Ibsen Huis“ noch vieles andere wie die AIDS-Krise der 80er Jahre, die Flüchtlingsströme 2015/16 und den Brexit. Dies sind nur einige Nebenstränge der Familiensaga, die sich um den mehrfachen Missbrauch rankt, den Patriarch Cees (Hans Keesting) an seiner Nichte und an seiner Enkelin beging.

Bis zum eindringlichen Inferno, bei dem das Haus in Flammen aufgeht und sich die letzten Überlebenden wünschen, dass andere Familien ein besseres Leben und mehr Glück als sie haben werden, schleppen sich die nach Dantes „Göttlicher Komödie“ benannten ersten beiden Teile „Paradies“ und „Fegefeuer“ bei diesem Gastspiel zum Abschluss des FIND-Festivals der Schaubühne zu langatmig dahin.

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Für die Rolle des rauhbeinigen Stanley Kowalski dürfte auf den Berliner Bühnen kein passenderer Schauspieler zu finden sein als Andreas Döhler, der zum Beginn der Spielzeit vom Deutschen Theater ans Berliner Ensemble wechselte. Seine Spezialität ist es, kantige Typen zu verkörpern, die klare Ansagen machen, viel Testosteron versprühen und trotz allen Machotums weiche Züge durchschimmern lassen. Seine Figuren arbeiten sich oft aus einfachen Verhältnissen hoch, sind keine Sonnyboys, sondern Malocher, die mit dem Scheitern kämpfen. Den Stanley Kowalski bei Thalheimers „Endstation Sehnsucht“ spielt er mit großer Ernsthaftigkeit und in der richtigen Dosierung.

Da sich Döhler als Stanley zurücknimmt, können zwei andere Hauptdarsteller des Abends strahlen. Zum einen ist hier Olaf Altmanns Bühne zu nennen. Er bildet mit Michael Thalheimer ein eingespieltes Team und gestaltet fast jede Inszenierung mit. Für den Kampf der Familien Dubois und Kowalski, die dem Bedeutungsverlust als verarmte Südstaaten-Oberschicht nachtrauern bzw. mühsam um ihren Platz in einer sich rasant beschleunigenden Industriegesellschaft ringen, baute er eine eindrucksvolle, steil abfallende Bahn, auf den die Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem aufrechten Gang kämpfen und in den dramaturgisch entscheidenden Situationen buchstäblich ins Rutschen kommen.

Vor allem trägt aber Cordelia Wege diesen Abend. Sie wurde als Gast ans Berliner Ensemble engagiert und feierte ein eindrucksvolles Berlin-Comeback: Von 1998 bis 2001 war sie an Castorfs Volksbühne engagiert und reüisserte dort als Nachwuchschauspielerin des Jahres 2000. Bereits damals arbeitete sie eng mit Sebastian Hartmann zusammen, dem sie nach einer Zwischenstation in Hamburg ans Centraltheater Leipzig folgte. Cordelia Wege glänzt als Blanche Dubois.

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