Kritik zu: Versetzung
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„Versetzung“, ein Auftragswerk von Thomas Melle für das Deutsche Theater Berlin, ist thematisch hoch interessant. Wie schon in seinem Bestseller „Die Welt im Rücken“, das Joachim Meyerhoff dem Berliner Publikum in seiner Burgtheater-Solo-Adaption im Juni präsentierte, verarbeitet Melle auch in diesem Text seine manisch-depressive Krankeit.
Diesmal steht ein Lehrer im Mittelpunkt: Daniel Hoevels tritt zu seinem ersten langen Monolog vors Publikum und spielt klassischen Frontalunterricht nach. Bis zur Karikatur versucht dieser Lehrer Ronald, es allen recht zu machen: immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Schüler, zugleich aber auch sehr angesehen beim Direktor Schütz (Helmut Mooshammer), der ihn als Wunschnachfolger auserkoren hat. Das Glück scheint perfekt, als ihm seine Frau Kathleen (Anja Schneider) auch noch mitteilt, dass sie schwanger ist.
Regisseurin Brit Bartkowiak hatte mit Daniel Hoevels auch einen tollen Hauptdarsteller, der bis zu den finalen Hilfeschreien, als er mit Klebeband ans Aquarium gefesselt von allen verlassen ist, alles gibt.
Das Problem des Abends ist aber der Text: viel näher an der Prosa als am Drama, viel, zu viele Monologe und zu wenig Reibung zwischen den Figuren, dazu eine merkwürdig papierne Mischung aus hölzernen und schwülstigen Passagen. Kommt es doch mal zu Dialogen, sprechen die Figuren in einer völlig alltagsfernen, wie auswendig gelernten Wortwahl. Deshalb blieb die „Versetzung“ bis zum Schluss hinter einer Glaswand eingekapselt.
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Den Roten Salon hätte man heute Abend sicher mehrfach ausverkaufen können. Die Glücklichen, die eine Karte ergatterten, erlebten eine Sandra Hüller in beeindruckender Wandlungsfähigkeit.
Ist das noch Theater? Oder doch eher ein Rockkonzert? Es passt jedenfalls gut in das erklärte Konzept von Chris Dercon und Marietta Piepenbrock, die Grenzen zwischen den Kunstgattungen auszuloten und mit den Formen zu experimentieren. „Bilder einer Liebe“, Tom Schneiders eigenwillige Adaption von Wolfgang Herrndorfs Romanfragment, ist als Gastspiel des Theaters Neumarkt aus Zürich der bisher überzeugendste Abend der noch jungen, aber bekanntlich extrem umstrittenen Volksbühnen-Intendanz.
Sandra Hüller spielt mit den Extremen: Flüstern und Schreien. Fast völlige Dunkelheit und gleißendes, das Publikum blendende Scheinwerfer. Zarte, hingehauchte, poetische Sätze und vulgärste Gossensprache. Von diesem ständigen Wechsel und der eindrucksvollen Präsenz der Hauptdarstellerin lebt dieser 75 Minuten kurze Abend.
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Die holzschnittartige Kapitalismus- und Religionskritik hat einiges an Patina angesetzt. Auch die Musik von Paul Dessau wirkt aus der Zeit gefallen.
Deswegen fehlt dieser Arbeit der Witz und Esprit, mit dem die Vorgänger-Jahrgänge in „Mutter“ und „Dantons Tod“ überzeugten, die sie ebenfalls mit Peter Kleinert einstudierten. Das Stück wurde zwar auf 140 Minuten gekürzt, der Abend kommt aber nicht richtig in Schwung. Die Handbremse bleibt angezogen. Am Ende sehen wir betroffen die Frage offen, warum sich Kleinert und sein Jahrgang für diesen Stoff entschieden. Die Themen soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung sind zweifellos weiterhin drängend, wie auch der kurze Text des französischen Philosophen Alain Badiou unterstreicht. Brechts Parabel wirkt aber so altbacken und gibt den Spielerinnen und Spielern so wenig Chancen, ihr Können zu zeigen, dass es eine verschenkte Chance war.
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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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