Kritik zu: Die Anderen
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Jule Böwe als vor sich hin raunzende Wirtin eines Hotels im Dauerregen und ohne Gäste, Stephanie Eidt als Witwe, die zwischen Wahn, Wirklichkeit und erotischen Phantasien pendelt, und Ruth Rosenfeld als Schamanin im Fuchsfell, die passend zur abgedunkelten Bühne und zum Schauermärchen-Plot wunderbare dunkle Gesangssoli bietet, sind zwar starke Darstellerinnen.

Der Abend krankt jedoch daran, dass die Handlung sehr schleppend erzählt wird. Die angekündigte Thriller-Spannung will nicht so recht aufkommen, die meisten Sonntagabend-Fernsehkrimis haben mehr Suspense als dieses Theaterstück.

Vandalem gelingt es zwar gut, eine düstere, schwarz-romantische Atmosphäre zu erzeugen. Ihre Figuren erinneren aber tatsächlich mehr an das schlurfende Marthaler-Personal und die skurrilen Kaurismäki-Typen, wie Doris Meierhenrich in der Berliner Zeitung schrieb, als an die raffinierten Psychothriller von Claude Chabrol und die surreal-albtraumhaften Bildwelten von David Lynch, die Michael Wolf auf Nachtkritik als Referenzen nannte.

Ausführliche Kritik mit Bild
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Karl Schönherrs historisches Bergdorf-Melodram aus dem Jahr 1910 über eine Dorfbevölkerung im Zillertal, die von der katholischen Gegenreformation gezwungen wird, sich zwischen dem Bekenntnis zu ihrem protestantischen Glauben und ihrer Heimat zu entscheiden, wird aus guten Gründen heute nur noch selten gespielt: Zu kitschig und pathetisch wirkt der versöhnliche Schluss, wenn der Reiter des Kaisers sein Unrecht einsieht. Als Historiendrama ist „Glaube und Heimat“ zu eindimensional, als Parabel auf Flucht, Vertreibung, ethnische und religiöse Säuberungen zu plakativ.

Der Hausregisseur des Berliner Ensembles holte das alte Stück wohl vor allem deshalb aus dem Regal, da die Gewissensbisse der Bauern und das Aufeinanderprallen von Obrigkeit und geknechtetet Bevölkerung gut zu Thalheimers kraftvoll wummerndem Theater passt. Sehr routiniert und grundsolide spult er in publikumsfreundlichen 100 Minuten sein Repertoire ab: wie vom Intendanten Oliver Reese bestellt, so wird es hier auch geliefert. Ein handwerklich tadelloser, aber auch sehr erwartbarer Theaterabend, wenn man schon die eine oder andere Thalheimer-Inszenierung gesehen hat.

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Kritik zu: minute papillon
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Vor allem der schwarze Torf bleibt von diesem knapp einstündigen Abend in Erinnerung. Der ganze Boden ist damit übersät. Von seinem Podest schüttet Chronos weitere Erde auf seine Mitspieler*innen herab.
Die Bewegungen der Tänzer*innen werden im Lauf des Abends immer hektischer und roboterhafter. Statt Minimal Music und romantischer Klaviermusik von Schumann und Schubert dominieren harte Elektro-Klänge. Die Kleidung der Tänzer*innen ist vom Torf in Mitleidenschaft gezogen, eine von ihnen kann nicht mehr sehen, wird herumkommandiert, herumgeschubst und gedemütigt.

„minute papillon“ ist bis auf Textbrocken und eine französische raunende Stimme vom Band eine wortlose Meditation. Fast roboterhaft abgehackt wirken die Bewegungen der Tänzer*innen, die sich durch assoziative szenische Splitter einer düsteren Welt hangeln.

Die einzelnen Szenen wirken jedoch etwas beliebig aneinander gereiht. Die Choreographie wirkt deshalb nicht zwingend genug, sondern kreist rätselhaft um sich selbst.

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