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Um Sophie Rois ist es am Deutschen Theater recht still geworden. Ihre beiden Premieren mit René Polleschs „Cry Baby“, das immerhin regelmäßig auf dem Spielplan steht, und dem charmanten Lese-Abend „Have a cup of tea mit Sophie Rois“ liegen fast genau ein Jahr zurück. Der Eindruck drängt sich auf, dass die Ex-Volksbühnen-Starschauspielerin, die 2022 auch dorthin zurückkehren wird, und das restliche Ensemble des Deutschen Theaters friedlich und ohne größere Berührungspunkte nebeneinander her leben.

Wenn Sophie Rois doch mal wieder mit einem neuen Projekt auf die Bühne kommt, ist der Abend prompt ausverkauft. „Sophie Rois macht Theater“ nennt sie ihr neues Solo, eine szenische Lesung mit Musik-Einspielern. Sie macht es sich erst mal gemütlich auf der Couch, genießt die Vorschusslorbeeren des prasselnden Auftritts-Beifalls, gießt sich Tee ein, greift zum Gebäck und nebelt die Bühne mit ihrer Zigarette ein.

Der Text hat einige maliziöse Stellen, die Rois sich auf der Zunge zergehen lässt. In diesen Passagen kann sie ihr Können voll ausspielen. Zwischen den raren Höhepunkten hat der Roman von Somerset Maugham jedoch einige Längen, die Rois routiniert und mit feiner Ironie beackert.

Bei früheren Lesungen servierte Rois gezielt mehrere kurze Filetstückchen unterschiedlicher Autoren. Diesmal zog sie es vor, sich über die kompletten 90 Minuten nur einem Text zu widmen. Dafür wären andere Vorlagen geeigneter gewesen, die weniger gemächlich erzählt sind und noch mehr funkelnde Passagen bieten.

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In den ersten knapp zwei Stunden am Gorki Theater reibt man sich die Augen: Kurz wird eine Szene aus „Arme Leute“ angespielt. Bald switcht der Abend zu „Anna Karenina“: In wallenden Gewändern und sehr getragen werden wesentliche Kapitel der Romanhandlung betont realistisch abgehandelt. Nur selten ist ein Augenzwinkern zu spüren. Soll diese müde Roman-Nacherzählung wirklich von dem kroatischen Regisseur stammen, der im Marstall des Münchner Residenztheaters mit aufwühlenden, mutigen, gegenwartssatten Abenden wie „Balkan macht frei“ und „Mauser“ begeisterte?

Lang und länger zieht sich die erste Hälfte, hie und da wird noch mal ein Schnipsel Dostojewski oder ein Tolstoi-Fremdtext eingebaut. Am ehesten kann noch Lea Draeger als leidende Titelheldin punkten. Gorki-Jungstar Jonas Dassler, der sonst fast jeden Abend im Alleingang rocken kann, wird in eine Knallchargen-Nebenrolle abgeschoben und ist die größte Enttäuschung der faden ersten Hälfte. Dementsprechend heruntergezogen waren viele Mundwinkel bei den Pausengesprächen.

In der letzten Stunde holt Frljić zum Plottwist aus, allerdings nicht mit dem Florett, sondern mit dem marxistisch-leninistisch geschulten Holzhammer. Das Bild des Zaren, das während der ersten Hälfte an der Rückwand prangte, wurde gegen Lenins Konterfei ausgetauscht. Der Adel findet sich plötzlich gefesselt und in Unterhosen in Sibirien wieder. Statt Anna Kareninas Suizid gibt es ein Gewitter aus Pistolen-Salven.

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Kritik zu: isson
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Es spricht für sich und die Qualität der Choreographie, dass der einstündige Abend auch anderthalb Jahrzehnte nach der Premiere im Repertoire der Gruppe ist. 2016 neu für zwei Männer bearbeitet und nach diversen Umbesetzungen ist „Isson“ (griechisch für „gleich“) an diesem Wochenende wieder in der Halle Tanzbühne im Prenzlauer Berg zu sehen.

„Solo für zwei Männer“ wird der Abend im Untertitel genannt. Ihre Choreographie spielt mit dem Doppelgänger-Motiv: Bis auf kleinere, wohl unvermeidliche Ungenauigkeiten tanzen sie über weite Strecken der 60 Minuten jede kleinste Bewegung synchron. Optisch haben der Brasilianer Leonardo d´Aquino und der Italiener Alessio Scandale eine gewisse Ähnlichkeit, sind aber doch klar auseinander zu halten.

In der zweiten Hälfte des Abends spielt Choreographin Toula Limnaios mit diesem Wahrnehmungsmuster und gibt den Tänzern für kurze Momente ihre Individualität. Mal führt wirklich nur einer der beiden eine Bewegung aus, mal tanzen sie einen Umzieh-Slapstick zeitversetzt in Wiederholungsschleifen.

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