Kritik zu: Der Geizige
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ifflandring-Preisträger Jens Harzer mimt einen alten, weißen Mann mit Überbiss, Buckel und großem Kaffeefleck auf dem schmuddligen Shirt. Vor seiner schmierigen Übergriffigkeit sind weder die Mitspielerinnen noch das Abo-Publikum aus Poppenbüttel sicher.

Wie der Hamburger Cousin von Horst Schlämmer, Hape Kerkelings legendärer Lokaljournalisten-Figur vom Grevenbroicher Tagblatt, wirkt dieser Harpagnon aus Molières Tragikomödie aus dem 17. Jahrhundert.
Die ersten zwei Stunden werden auf einer fast komplett leeren Bühne gespielt. Klapprige Bürostühle mit dem Glamour eines Gemeindesaals am Niederrhein sind die einzigen Requisiten, bis zum Finale eine märchenhafte Rokoko-Treppenkulisse aufgebaut wird, über die die Spieler*innen allzu slapstickhaft kugeln, purzeln und taumeln.

Bis dahin ist der Abend aber ein schöner Komödienspaß, der ganz klassisch auf die Komödien-Mechanik des französischen Altmeisters vertraut und das Wort und die Schauspielkunst in den Mittelpunkt rückt.
Um Horst Harzer alias Jens Schlämmer als Fixstern schwirren seine schüchternen Kinder, die kaum ein Wort herausbekommen (Toini Ruhnke und Steffen Siegmund), seine Bediensteten und Frosine (Marina Galic) als manipulative Strippenzieherin. Es ist ein Glücksfall für die Inszenierung, dass er und Galic auch privat ein Paar sind, so dass die beiden die Komik der Verführungskunst der Frosine und der treudoofen, auf jede Schmeichelei hereinfallenden Selbstverliebtheit des Harpagnon genüsslich und ohne Abstands-Regeln ausspielen können.

Weiterlesen
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Der zweistündige Abend ächzt unter der enormen Textmasse, die er sich vorgenommen hat. Die einzelnen Elemente stehen zu unverbunden nebeneinander. Wie ein Fremdkörper in dieser szenischen Lesung wirkt Lia Şahin, die mit ihren Beatboxing-, Hiphop- und Souleinlagen für willkommene Abwechslung zwischen den langen Textblöcken sorgt, die sich vor allem Knirsch und Meyer teilen, bei denen aber auch Abdoul Kader Traoré, der aus Castorfs „Faust“ bekannt ist, und Rüpings Stamm-Musiker Christoph Hart und Matze Pröllochs einige Passagen übernehmen. Wenn Şahin loslegt und ihre Aerosole derart ins Publikum schmettert, dass Karl Lauterbach einige Kilometer weiter auf seinem Stammplatz im Studio von Markus Lanz zusammenzuckt, wird eine Ahnung spürbar, wie der Abend ursprünglich konzipiert gewesen sein mag.

Da aber zu viele Fäden ins Leere laufen und kein Ganzes bilden, verhält es sich mit dieser „Paradies“-Inszenierung wie mit Platons „Höhlengleichnis“: wir sehen nur die blassen Schatten der Ideen.

Weiterlesen
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
„Five Deleted Messages“ ist eine ungeheuer dichte Reflexion über den Corona-Lockdown, witzig geschrieben und rasant vorgetragen.

Dimitrij Schaads „K.“ versucht zu begreifen, was um ihn herum vorgeht, und durchlebt die gesamte Palette seiner Corona-Stimmungsschwankungen: von dem Frust darüber, dass er isoliert ist und Selbstgespräche führen muss, bis zur Freude über eine friedliche Zeit, die sich wie ein elegischer Frühlingsnachmittag dehnt.

Falk Richter lässt seinen Protagonisten darüber nachdenken, warum die Menschen plötzlich per Gesetz verpflichtet wurden, die „Einzelkämpferpartikel“ zu werden, die sie in der Praxis bereits waren. Wie können wir wieder eine Gesellschaft werden, die keine Angst davor hat, aufeinander zuzugehen?

Gewohnt politisch engagiert setzt sich Richter auch mit den Missständen in den Schlachthöfen, Fleischfabriken und den Sammelunterkünften auseinander, in denen „K.“ plötzlich gestrandet ist. Zu drastischen Schwarz-Weiß-Bildern von Chris Kondek rechnet Dimitrij Schaad mit der Massentierhaltung ab.
„Five deleted messages“ ist ein facettenreicher Text über den Lockdown: ein hochinteressantes Zeitdokument, das viele Fragen stellt, keine vorschnellen Antworten gibt und sich zur allgemeinen Ratlosigkeit dieser Umbruchzeit bekennt.

Weiterlesen

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2020

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

TICKETS KAUFEN
eventim


PDF-Datei: 11,95 € 8,95 €
Weitere Formate auf
Amazon & Google:
Kindle eBook
Taschenbuch
Google eBook

WEITERE BÜCHER


WIR EMPFEHLEN

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 824+
4 1849+
3 1625+
2 1014+
1 422+
Kritiken: 2748

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon & Google Play:
Kindle eBook - Taschenbuch - Google eBook


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


WIR EMPFEHLEN



BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click