0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat. - Irisches Sprichwort
Und genau so beginnt der Abend im Admiralspalast mit Irish Celtic: aus Fremden werden Freunde. Die irischen Musiker und Tänzer haben einen kleinen Teil ihres Landes und ihrer Geschichte nach Deutschland transportiert, ein echter, zünftiger irischer Pub wurde auf die Bühne gebracht! Waschecht, wie in jeder Kneipe auf der grünen Insel, steht der Chef selbst hinter dem Tresen, ein Glas cremiges Guinness in der Hand. Mit stolzgeschwellter Brust und Wehmut in der Stimme beginnt er, von seiner Heimat zu erzählen. Von den Unbillen, die sein Volk zu ertragen hatte und von den Traditionen, die man trotz der langen, langen Bevormundung immer hochgehalten hat. Und von der Musik, dem unvergleichlichen Irish Folk, der unwillkürlich in die Beine geht und der niemanden unberührt lässt.
Und während Paddy noch erzählt, fliegen schon die ersten Tänzerbeine in schier unheimlich schnellem Stakkato im berühmten Battering, dem Knallen der Tanzschuhe auf dem Boden, durch die Luft. Das bloße Auge kann oft gar nicht so schnell folgen, wie die jungen Leute da über den Tanzboden steppen, immer wieder sehen ihre Beine aus, als würden sie schmetterlingsgleich in der Luft verharren.
Aber auch die langsamen Stücke kommen natürlich nicht zu kurz und die Tänzerinnen des Irish Dance Ensembles schweben, passend zur Folklore des Landes, elfengleich über die Bühne. Und die fünfköpfige Liveband spielt dazu auf, natürlich mit den traditionellen irischen Musikinstrumenten, wie der Fiddle, der Bodhrán und dem Dudelsack. Weltbekannte Songs wie Whiskey in the Jar und Wild Rover lassen das Publikum enthusiastisch mitgehen, ehe Paddy uns mit seinen Erinnerungen an die Titanic-Katastrophe und die vielen irischen Opfer wehmütig und ein wenig traurig werden lässt. Aber was wäre ein echt irischer Abend ohne Whiskey und ein klein wenig Traurigkeit?
Nach der Pause trifft dann in einem großen Dancebattle das alte mystische Irland mit dem neuen, modernen Irland zusammen. Der traditionelle Brush (Broom) Dance, eine uralte Form des Solotanzes tritt an gegen das modernere Stepptanzen und gewinnt auch, obwohl beide Tanzformen sehr beeindruckend dargeboten werden. Als der Vorhang schließlich fällt, war das Publikum noch gar nicht bereit, den gemütlichen Pub schon wieder zu verlassen und blieb stur sitzen, bis es noch eine Zugabe gab. Ein wunderbarer heimeliger und doch rasanter Tanzabend im Admiralspalast! Ich habe mich als großer Irish Folk Fan bereits lange auf diesen Abend gefreut und bin danach fröhlich zur S-Bahn gesteppt.
Kritik zu: La Bohème
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ich habe ja schon häufig geschrieben, wie sehr mich das Bühnenbild einer Produktion beeindruckt hat, aber noch niemals entsprach das so sehr der Wahrheit wie im Dezember bei La Bohème in der Deutschen Oper. Kurz vor der Havarie, bei der eine defekte Sprinkleranlage die Bühne unter Wasser setzte, durfte ich noch einen magischen Abend dort verleben, der mich zu Tränen rührte.
Es beginnt in einer Dachkammer über Paris. Durch die gigantischen Fenster kann man auf die grauen Dächer sehen und im Raum selbst versuchen ein paar arme Künstler, trotz der bitteren Kälte, zu arbeiten: Rodolfo (Yosep Kang), ein Schriftsteller, Marcello (Markus Brück), ein Maler und Colline (Ante Jerkunica), ein Philosoph. Verzweifelt befeuern sie den kleinen Ofen mit einer alten Arbeit Marcellos, als plötzlich der Vierte ihres Gespanns hereinpoltert: Schaunard (Philipp Jekal), der Musiker, hat als einziger Glück gehabt, hat mit einer Posse gutes Geld verdient und bringt nun ein wahres Fest mit nach Hause, Wein, Essen, Brennholz, alles was das Künstlerherz gerade mehr begehrt als eine Muse. Fröhlich machen sich die Freunde auf, um im Café ihr Glück kräftig zu begießen. Nur Rodolfo bleibt zurück, er möchte endlich weiterarbeiten. Er hat kaum ein Wort geschrieben, da klopft leise eine Nachbarin an die Tür, die auf der Suche nach Licht für ihre Kerze ist. Rodolfo verliebt sich sofort und auf der Stelle in die schöne Mimí (Elena Guseva).
Um ihre aufkeimenden Gefühle zu feiern, folgen die beiden Turteltäubchen nun doch den Freunden Rodolfos hinaus auf die Straße, zum Café. Der Pariser Straßenzug ist unheimlich originalgetreu und beeindruckend auf der Bühne der Deutschen Oper dargestellt. Im Vordergrund die grazilen Stühle des Restaurants, davor die kopfsteingepflasterte Prachtstraße, auf der Marktschreier, Straßenkünstler und Passanten entlang flanieren. Kinderaugen verfolgen glänzend jede Bewegung der Spielzeug- und Ballonverkäufer. Leichte Damen rufen den feinen Herren Anzüglichkeiten zu. Und im Café treffen nicht nur die beiden Frischverliebten auf Rodolfos Freunde, sondern Marcello trifft auf eine alte Flamme: die schöne, lebensfrohe Musetta (Siobhan Stagg), eine verführerische Sängerin, mit der er eine Affäre pflegte, ehe er die Eifersucht nicht mehr aushielt. Sie ist mit einem wohlsituierten Herren unterwegs und sofort schlagen die Flammen seiner Eifersucht wieder hoch, von der temperamentvollen Dame eifrig geschürt. Während die beiden noch kabbeln, marschiert im Hintergrund mit viel Tsching-Tärä eine Militärparade auf und über den Köpfen der staunenden Menge explodiert glitzernde ein Feuerwerk. Ein absolut grandioses und zutiefst beeindruckendes Bühnenbild, das den Zuschauer unwillkürlich mitten hinein in das Künstlerviertel Montmartre im 19. Jahrhundert entführt, in das prachtvoll-romantische und zugleich armselige Leben der jungen Bohemians.
Eine wunderschöne, seelenvolle Oper mit trauriger und zugleich wunderschöner Geschichte und zeitlos wunderbarer Musik. Die musikalische Leitung hat Nicholas Carter, die sehr klassische und detailgetreue Inszenierung ist von Götz Friedrich und für Bühne und Kostüme dürfen wir Peter Sykora dankbar sein. Ein wahrer Genuss für Augen und Ohren! Ich fand besonders schön, dass ich gerade kurz vorher zum ersten Mal das Musical Rent gesehen hatte und die Parallelen nun deutlich sehen konnte. Als Mimí Rodolfo um Licht bittet, sang in meinem Kopf Rosario Dawson „Light my Candle“.
Durch die Havarie der Deutschen Oper gibt es in nächster Zeit vor allem szenisch adaptierte Versionen zu sehen, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen lohnt sich ein Blick in den Spielpaln.
©Nicole Haarhoff
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Anfang letzten Jahres habe ich in der Philharmonie die Taiko-Gruppe Kodō gesehen und war sehr begeistert. Das große Können, die perfekt synchronisierte Performance, es war ein großartiger und sehr beeindruckender Abend, den ich natürlich vor Augen hatte, als ich gestern Abend im Admiralspalast Yamato – The Drummers of Japan besuchte.
Allerdings ist der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen gravierend! Außer, dass sie beide mit den traditionellen japanischen Trommeln arbeiten, gibt es eigentlich kaum Berührungspunkte. Kodō gesehen zu haben, ist wie ein, zugegeben, recht ungewöhnliches klassisches Konzert besucht zu haben. Und Yamato ist eine elektrisierendes, kräftezehrendes und enthusiastisches Trommelhappening! Die zehnköpfige Truppe verliert laut Pressetext pro Mann (bzw. Frau) 2-3 Kilo Gewicht je Auftritt und im Nachhinein kann ich das auch gut verstehen. Die Arbeit mit den gigantisch großen Trommeln und den entsprechend großen Drumsticks ist schweißtreibend genug, aber als ob das nicht schon genug wäre, ist die Show auch noch voller sportlicher Anstrengungen, die Drummer tanzen und springen wie Derwische über die ganze Bühne, wirbeln und drehen sich, als würden die großen Trommeln nichts wiegen.
Statt den sanften und traditionellen Klängen von Kodō ist die Musik von Yamato treibend, kraftvoll, energetisch und voller Elan und Begeisterung. Die zehn Spieler werfen sich mit dem Kopf voran und all ihrer Energie in den Beat.
Masa Ogawa, der Yamato 1993 gründete, komponiert und choreografiert jedes einzelne aufgeführte Stück und ist auch für die kunstvollen Bühnenhintergründe verantwortlich. So werden die Shows von Yamato nicht nur zu einem Ohren- sondern auch einem Augenschmaus. Die besondere Haltung, die die Trommler einnehmen, um gerade und weitausholende Schwünge auf die stehenden oder liegenden großen Trommeln ausführen zu können, ergibt wunderschöne Bilder auf der Bühne, unterstrichen von den farbenprächtigen Kostümen der Performer, alle designt von dem bekannten japanischen Designer Kansai Yamamoto.
Insgesamt eine sehr beeindruckende, ungemein sportliche und sehr witzige Trommelshow. Die Künstler sind nicht nur Kraftpakete und talentierte Musiker sondern auch tolle Schauspieler, ohne viele Worte animieren sie das Publikum zum gemeinsamen Musik machen oder spielen gemeinsam, nur mit Klängen, ein Ballspiel. Ich kann euch die Show nur sehr ans Herz legen, sie ist ein Riesenspaß und noch bis zum 23. Dezember im Admiralspalast Berlin zu erleben. Weitere Infos und Tickets bekommt ihr hier.
©Nicole Haarhoff

DVDs kaufen
3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 279+
4 723+
3 644+
2 373+
1 174+
Kritiken: 892

DVDs bei Hugendubel oder Amazon kaufen

HIER KÖNNTE IHRE 
WERBUNG STEHEN
ab 7,99 € / Woche