Kritik zu: Carmen La Cubana
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Der Name verrät bereits viel: Carmen la Cubana ist alles andere als eine klassische Interpretation der bekannten Vorlage der Oper George Bizets.
Zwar kommt ein kubanischer Tanz, die bekannte Habanera, im Original schon vor. Aber Christopher Renshaw, der die Idee hatte, die Handlung in´s Kuba der 50er Jahre zu verlegen, in die Tage der Revolution, erschuf in drei Jahren eine Inszenierung, die den Geist der kubanischen Musik auf das gesamte Stück übertrug.
Und das Ergebnis lässt sich sehen und hören. Die Schauspieler agieren mit unbändiger Energie, spielen, singen und tanzen auf den Punkt nach den fantasievollen Choreographien von Roclan González Chavéz und Alex Lacamoire präsentiert mit seiner Latin-Big-Band als Orchestrator Bizets Opernmelodien salsa- und mambolike.
Auch das Bühnenbild entführt die Zuschauer schnell nach Kuba, wer schon mal dort war, dürfte dies bestätigen. Die einzelnen Szenen verändern sich durch unaufwendige Veränderungen und Lichttechnik schnell, ob Straßenszene, Boxring oder Zugabteil. Und sogar Bistrotische bewegen sich tanzend über die Bühne ...
Manchmal befremden Interpretationen der Originalvorlage, derer es zu Carmen zahlreiche gibt. Da jedoch die Geschichte dem Original treu bleibt und auch die Melodien unverkennbar sind, fällt es nicht schwer, sich voll und ganz der kubanisch inspirierten Fassung hinzugeben, die zwischen Opern- und Musicalgesang hin- und herwechselt. Da passt es dann auch, dass Carmen Zigarrendreherin ist, Luna Manzanares Nardo begeistert mit warmer tiefer Stimme immer wieder neu, ist im richtigen Leben übrigens wirklich Kubanerin. An dieser Stelle müsste man unbedingt auch ihre 27 Kolleginnen und Kollegen nennen, jeder einzelne überzeugt zu jedem Zeitpunkt.
Mit ihrer Uraufführung in Paris 2016 ist die Produktion an seine Geburtsstätte der Oper aus dem Jahr 1875 zurückgekehrt. Deutschlandpremiere war im Sommer in Köln, nun ist das Ensemble noch bis zum 14. Oktober im Berliner Admiralspalast zu sehen. Wo es am Premierenabend Standing Ovations gab ...
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Der Dirk! Ist viel präsent, wenn auch nicht optisch. Aber der letzte Raucher, in Gestalt von Johannes Hallervorden, muss sich intensiv mit seinem Gastgeber auseinander setzen. Dieser hat ihn nämlich auf dem Balkon ausgesperrt, die Partygesellschaft ist weitergezogen, um die Häuser, und hat ihn dort vergessen, bestenfalls … Und so bleibt ihm nichts weiter übrig, als die (kalte) Nacht ohne größere Blessuren über die Runden zu bringen, sich seine Zigaretten dabei natürlich gut einzuteilen.
Der letzte Raucher, aus der Feder von Mark Kuntz und und in der Bühnenfassung von Kai-Uwe Holsten ist die jüngste Premiere im Schlosspark Theater. Sie findet nicht im großen Saal sondern in der Champagnerhalle statt. Eine gute Entscheidung, kann dieser Raum doch eine viel intimere Atmosphäre schaffen, die dieser Inszenierung sehr zugute kommt. Der Zuschauer könnte fast den Eindruck bekommen, er selbst würde ganz persönlich angesprochen sein, Johannes Hallervorden steckt voll und ganz in seiner Rolle, wenn er in den ca. 11 Szenen mit viel Energie die unterschiedlichsten Themen rund um´s Rauchen anschneidet. Schön das Zwiegespräch mit einem Automaten oder auch der Telefonsex mit Hilfe von Zigaretten. Dem runden Abend tut auch eine technische Störung keinen Abbruch, auch diese meistert Hallervorden sympathisch und souverän.
Und die Zuschauer hängen an seinen Lippen, dies tatsächlich für eineinhalb Stunden. Was nicht immer einfach sein muss, auch für den Betrachter kann so eine One-Man-Show anstrengend sein. Die weit größere Leistung liegt aber unbenommen bei Hallervorden, er präsentiert den vielen Text mit sehr viel Souveränität und Humor; Lampenfieber oder gar Unsicherheit sind ihm nicht anzumerken, ebenso keine Textpatzer, kaum mal ein kleiner Versprecher. An dieser Stelle läge nahe, Vergleiche mit seinem Vater anzustellen, dem er in mehrfacher Hinsicht, z.B. stimmlich unbedingt ähnlich ist, und der dieses Haus leitet, in Sachen Souveränität und Humor wirklich ein alter Hase ist. Aber das braucht es nicht, Johannes Hallervorden beweist mit diesem Stück unabhängig davon ein gutes Stück Schauspielkunst, hat sich sehr gesteigert, zieht man Vergleiche mit seiner Darbietung in Harold und Maude vor zwei Jahren an diesem Haus.
Anteil daran mag auch die Regisseurin haben; Irene Christ, die man am Schlosspark Theater als Schauspielerin kennt, hat einen guten Job gemacht, trägt das Stück doch die Handschrift vieler interessanter und witziger Regie-Ideen, außerdem scheint die Chemie zwischen ihr und ihrem erst 20-jährigen Schützling unbedingt zu stimmen, was ihren Umgang miteinander am Schluss deutlich macht. Beide zeigen sich gerührt über den langen Applaus, aber das beruht auf Gegenseitigkeit, Johannes Hallervorden hat mit seinem Spiel berührt. Könnte sein, dass die Champagnerhalle schnell zu klein werden wird ...
Kritik zu: Souldance
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Man nehme eine gute Auswahl tanzbarer Musik, 20 Profi-Tänzer, drei ebensolche Sänger, ein Live-Orchester, einen geistreichen Moderator, der durch die Show führt und einen Produzenten und eine Choreografie, die diesen Potpourri kreativ zusammenfügen... Heraus gekommen ist Souldance, eine Tanzshow, die den Zuschauer durch den Paartanz zeitreisen lässt und ihre Weltpremiere am 21. September in den Admiralspalast gelegt hat, dort, wo vor über hundert Jahren bereits das erste Tanzturnier stattfand.
Entsprechend hochkarätig sind die Künstler, die sich hier präsentieren, als da wären die Tatarenkos Sergey und Viktoria, Weltmeister der Latein-Kür 2012, Produzent und Tänzer Robert Beitsch, der Paralympics-Star Heinrich Popow und einige mehr, die dem Zuschauer durch einschlägige Fernseh-Shows wie z.B. Let´s Dance bekannt sein können.
Das Souldance Orchestra unter der Leitung von Genya Ginzburg und die Soul-Legende
Keith Tynes der Doo-Wop-Truppe The Platters führen durch die musikalische Reise von Berlin nach Hollywood und Lateinamerika mit Unterstützung der Soul-Stimmen der Sänger Daniel Keeling (Harlem Gospel Chor), Mizmoni und Tutu Tutani (Afroblue).
Entertainer Thomas Hermanns jongliert souverän und unterhaltsam, wie man es von ihm nicht anders gewohnt ist, durch den Abend, gibt zwischendurch einen zeitlichen Abriss und darf auch schon mal die Naomi in sich entdecken und den Laufsteg testen, der ins Publikum führt, dadurch noch mehr Nähe zulässt.
Witzig verpackt erfahren die Zuschauer einiges Interessantes, z. B. was die Rumba mit der Entarteten Kunst zu tun hat oder warum der Disco-Fox auch schon mal Trottel-Fox genannt wird.
Das Tanzensemble besticht durch größte Körperbeherrschung, zeigt sich manchmal nur zu zweit, oft aber auch in größeren Konstellationen auf der Bühne, überzeugt in kreativen Choreografien, inspiriert von den 20er Jahren bis hin zur heutigen Musik, die aus den USA, Südamerika und Europa stammt. Insofern ist der Titel Souldance ein bisschen untertrieben, zeigt die Show doch weit mehr.
Und das Publikum darf auch auf die Bühne, wenn es möchte, Thomas Hermanns gibt eine Runde Tanzunterricht aus.
Robert Beitsch dürfte sich mit dieser Show einen Traum erfüllt haben, drei Jahre hat er an ihr gebastelt, aber das Ergebnis dürfte ihn bestätigen. Und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, auch auf der Bühne zu stehen, z.B. den Paso Doble zu tanzen.
Auswahl der Musiktitel und Stimmung laden oft genug dazu ein, seinen Sitzplatz in einen Stehplatz verwandeln zu wollen, am Ende gibt’s noch eine Art Party-Finale und spätestens dann ist die Stimmung wirklich partymäßig. Leider nur noch bis zum 23. September. Die Zuschauer dürften entspannt nach Hause gehen ... bzw. das nächste Tanzlokal aufsuchen …
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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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