Kritik zu: Hiob
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Für viele ist die Geschichte von Hiob eine Parabel davon, dass Gott dem Menschen eine Chance gibt, sich in Prüfungen zu bewähren. Auch wenn er ihm viele Leiden auferlegt, solle der Mensch doch nicht seinen Glauben an das Gute, an seinen Gott, verlieren.
Joseph Roth hat zu diesem existentiellen Drama 1930 einen Roman geschrieben, in dem er das von Schicksalsschlägen geprägte Leben des jüdischen Bibellehrers Mendel Singer und seiner Familie erzählt. Orte der Handlung sind das fiktive Schtetl Zuchnow im zaristischen Russland und New York im ausgehenden 19. Jahrhundert bis nach dem Ende des ersten Weltkriegs.
Jasmina Hadžiahmetović hat nach diesem Buch eine Bühnenfassung erstellt und diese an der Vagantenbühne zur Premiere gebracht, gleichzeitig auch die Regie übernommen.
Und eine schnörkellose Inszenierung erarbeitet, die durch die Klarheit des Spiels der Schauspieler besticht. 
Christian Dieterle verkörpert den Familienvater Mendel Singer, dessen glückliche Zeiten nur noch als Vergangenheit erzählt werden können, geht ihm seine Familie doch nacheinander verloren. Den jüngstgeborenen Sohn Menuchim, nicht als Person auf der Bühne, der behindert auf die Welt kommt, lässt die Familie zurück, als sie ihrem Sohn Schemarjah (Florian Rast) in die USA folgt, in der vergeblichen Hoffnung auf ein besseres Leben. Sohn Jonas, der die Familie ebenfalls nicht begleitet, weil er als einberufener Soldat sein Vaterland verteidigt, und die Tochter Mirjam werden beide von Senita Huskić gespielt, die Mutter von Magdalene Artelt.
Auch wenn der Abend nicht nur eindrücklich von den Schicksalsschlägen handelt, die die Familie Singer erdulden muss, sondern auch von den Folgen der Immigration, die sich hier allerdings hauptsächlich auf das schlechte Gewissen der Eltern für den bei einer Pflegefamilie zurückgelassenen behinderten Sohn beziehen, bleibt das persönliche Unglück des Familienvaters Singers in fast allen Momenten unbedingt vorherrschend. Die anderen Familienmitglieder bilden dazu einen gewissen Kontrapunkt, auch wenn sich bei ihnen selbst in scheinbar glücklichen Momenten noch Verzweiflung zu mischen scheint, etwa wenn Mirjam sich mit einem Liebhaber vergnügt. Alle Handlungen sind existentiell inszeniert.
Die Sinnhaftigkeit dieser Parabel bleibt fragwürdig, vor allem wenn Mendel sich selbst im Angesichts des Todes noch bedroht fühlt und verständlicherweise an seinem Gott verzweifelt, übrigens eindrucksvoll inszeniert und dargestellt, so wie auch alle anderen Schauspieler intensiv und berührend spielen. Da kann auch das Ende, wenn im Prozess des 
Sterbens Mendel Singer noch einmal wundersame Dinge erscheinen, ihn die gesamte Familie gesund und erfolgreich in ihre Mitte nimmt, nicht wirklich versöhnen. Aber dies kann auch nicht gewollt sein, wenn man sich diesen Stoff für eine szenische Umsetzung vornimmt.
Das Publikum war konzentriert und hat das hervorragende Ensemble mit reichlich Applaus belohnt.
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Wer die Stücke Shakespeares kennt, dem dürften die Namen Dogberry und Probstein durchaus etwas sagen: Beide verkörpern Narren in zwei von seinen Werken. 
Das Autorenteam Anatol Preissler und Otto Beckmann veröffentlicht unter diesen Namen seine Theaterstücke, was schon ein bisschen darauf hinweisen könnte, dass ihnen der Humor nicht ganz fern ist.
Was seinen Ausdruck unbedingt in der Komödie „Adel verpflichtet“ findet, frei nach einem Roman von Roy Horniman aus dem Jahr 1874 und der Filmfassung mit Alec Guinness von 1949, die gerade im Schlosspark Theater zur Aufführung kommt. Entsprechend zeitgemäß ist auch die Ausstattung der Bühne und der Kostüme, die Regie hat praktischerweise Preissler selbst übernommen. Dabei hat er Erfahrung und Schauspieler aus seiner Inszenierung am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater an die Spree mitgebracht, wo das Stück im letzten Jahr seine Uraufführung erfolgreich feierte.
Kurz zum Inhalt: Victor Lopez (Otto Beckmann) geht unentdeckt über Leichen, um endlich seiner Herkunft Rechnung tragen zu können und den Grafentitel tragen zu dürfen, nicht zuletzt, um endlich seine Jugendliebe Sibella für sich gewinnen zu können. Entstammen seine Wurzeln doch wenigstens einigermaßen einer blaublütigen Familie, wie ihm seine Mutter eingeschärft hat, wenn man mal von seinem Vater absieht, der als mexikanischer Straßenmusiker immer wieder über die Bühne fegt. Endlich in der Erbfolge ganz oben und somit geadelt, landet er aber im Gefängnis für einen Mord, den er ausnahmsweise nicht begangen hat und verbringt seine letzte Nacht zusammen mit dem Henker William Calcraft (Oliver Nitsche), mit dem sich eine intensive Unterhaltung entspinnt, die sie fast Freunde werden lässt. Schräg genug, seine Memoiren zu schreiben und gleichzeitig seinem Henker ausführlich zu den vielen Morden zu berichten, die nun in Rückblenden dargestellt werden. Aber das ist nicht alles. Die Morde selbst entbehren auch keiner Absurditäten, Preissler und Beckmann bespielen die Komödienklaviatur in voller Breite, sodass Wortwitz, Slapstick und eine hochkomische Überzeichnung der Figuren dem Publikum einen kurzweiligen und witzigen Abend bescheren.
Neben den vielen kreativen Regieeinfällen tragen aber auch die Schauspieler die Inszenierung. Otto Beckmann spielt seine textreiche Rolle äußerst souverän, ebenso sein Gegenpart Oliver Nitsche, beide harmonieren gut miteinander. 
Herrlich exaltiert, sowohl in Gestus als auch Sprache, agiert Annika Martens, die Jugendliebe Victors, die durch ihre Beziehung zu Lionel Holland (Tommaso Cacciapuoti) „ihren“ Victor auf für das Publikum sehr komische Weise immer wieder neu provoziert.
Auch Jantje Bilker überzeugt mit ihrem Spiel, nicht nur als Victors Mutter.
Dieter und Johannes Hallervorden übernehmen in jeweils mehreren Rollen die unterschiedlichen Adligen, die nacheinander das Zeitliche segnen, also jeweils drei bis fünf Rollen. Hallervorden Junior kann dabei sein komisches Talent unter Beweis stellen, der Senior hat die ganze Zeit Sprüche auf Lager, die sich allesamt auf die Wasserwelt beziehen („Der Dorsch ist forsch, aber die Qualle schafft alle“), die auch noch an anderer Stelle Bedeutung auf sehr plakative Weise bekommt.
Das Ende ist dann doch noch überraschend, Victor kommt frei und dann wieder doch nicht, dank ... Dies soll hier nicht verraten werden, schließlich hat das Stück ja schon auch was von einem Krimi ...
Das Publikum ist sehr angetan und dies vollkommen zu Recht, es gibt langen Beifall.
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Sie kommt auf die Bühne und fängt ohne Umschweife an zu singen. Christine Bovill macht nicht viel Aufsehen um sich selbst; während zwei Stunden lässt sie Amerikas 20er Jahre wieder aufleben und es fällt nicht schwer, sich mitreißen zu lassen und in diese Zeit einzutauchen.
Auch Dank der vielen kleinen Geschichten, in die sie die Songs einbettet. Viel Zeitkolorit eines Jahrzehnts des Jazz und Blues, das seinen Reiz bis heute nicht verloren hat, entsteht auf der Bühne der Bar jeder Vernunft, mit Songs von Cole Porter („Let´s do it, let´s fall in love“), Irving Berlin („Puttin‘ on the ritz“) oder Charly Chaplin („Smile“). Fast könnte man mitsummen, aber das wäre schade, möchte man doch lieber der warmen, etwas heiseren Stimme von Christine Bovill lauschen, die mit angenehmer Unaufdringlichkeit und viel Humor und Hingabe durch den Abend führt. Sie lässt den Liedern ihre Seele, so wie sie sehr viel bei sich zu sein scheint, sich unprätentiös auch über sich selbst amüsieren kann.
Das Publikum gibt sich nicht nur dem musikalischen Genuss hin, es erfährt auch eine Menge zur Geschichte der Lieder und ihrer Komponisten und Sänger, aber auch der Geschichte der Zwanziger Jahre New Yorks, der Literatur („Der große Gatsby“), charismatischen Persönlichkeiten wie Dorothy Parker (Frauenwahlrecht), unvergesslichen Filmen (Charly Chaplin), und der Rassendiskriminierung, zwischendurch gibt Bovill aber auch ein wenig preis zu Persönlichem, ihrer Pubertät und ihren Liebschaften, nicht ohne eine gehörige Portion Humor, versteht sich und einer liebenswerten Rückversicherung beim Publikum.
Die Glasgowerin erscheint ganz und gar authentisch und uneitel, sehr scharfsinnig und mit einem guten Gefühl für den Moment.
Das Publikum möchte sie nicht gehen lassen; mit einem Duett mit ihrem Pianisten Michael Bradey, der zwischendurch immer wieder Raum für sein Klavierspiel bekommt, entlässt sie die begeisterten Zuhörer, die sie am liebsten mit zurücknehmen möchte nach Schottland mit dem Song „I‘ll see you in my dreams“. 
Und die alle wiederkommen sollen, am 9. und 10. September, wenn sie weitere Konzerte ihrer Deutschland-Premiere von „Tonight you belong to me“ geben wird.

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