Kritik zu: Zeppelin
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Woran denken Sie beim Wort Zeppelin? – Demnächst werden Sie dabei an Ödön von Horváth denken. Vorausgesetzt, Sie kennen Horváths Texte. Wenn nicht, werden Sie an menschliche Puppen denken, die an einem Zeppelin aus Stahlrohren ein Luftballett im Blauen zu der sphärischen Musik ihres Gefährts aufführen und dabei schimmernde Sätze aneinander fädeln.
Diese Sätze stammen von Horváth. Herbert Fritsch hat sie für seine erste Inszenierung an der Berliner Schaubühne sorgfältig auswählt. Er erzählt mit diesen Sätzen keine Geschichte, sondern deutet hunderte an – und entwirft so eine Anatomie menschlicher Abnormitäten, die sein Ensemble komödiantisch, mimisch und mit vollem Einsatz verkörpert. Weiterlesen →
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Wer am Tag vor der anstehenden Bundestagswahl noch mal Unterricht in politischer Bildung nehmen möchte, kann dies im Deutschen Theater Berlin tun. Gepaukt wird der Romanstoff It can’t happen here des Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis. Regisseur Christopher Rüping und Dramaturg John von Düffel haben diesen fast vergessenen Text zur richtigen Stunde für die Bühne adaptiert: Diese Dystopie des Faschismus in Amerika entstand 1935 unter dem Eindruck der Machtergreifung Adolf Hitlers. Damals meldete die US-Presse: „Das kann hier nicht geschehen!“ Unter veränderten Vorzeichen finden wir uns heute in einer ähnlichen Situation wieder: Über die Wahl des aktuellen US-Präsidenten wird aus vermeintlicher geistiger Überlegenheit heraus gespottet, doch auch hierzulande verzeichnen die rechten Kräfte einen dramatischen Aufschwung. It can’t happen here ist der Aufruf, dieser Entwicklung nicht mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Weiterlesen →
Kritik zu: Der Untertan
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zwischen Schwänen aus Wagners Lohengrin, dem Reichsadler und der Kaiserkrone führt die Inszenierung Der Untertan an der Vaganten Bühne Berlin ins Herz eines Deutschtums, das noch immer schlägt.
Premiere war am 7. September 2017. Lars Georg Vogel hat den Romanstoff von Heinrich Mann für die Bühne bearbeitet. Weiterlesen →
Kritik zu: Peng
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mit Peng, der Geschichte vom Aufstieg eines Despoten, ist Marius von Mayenburg an der Schaubühne ein besonderer Erfolg gelungen. Fesselnd führt die Inszenierung uns Dynamiken der Macht in der medialen Gesellschaft vor Augen. Es ist der sagenhaften Ensembleleistung zu verdanken, dass einem bei dieser Geisterbahnfahrt nie das Lachen vergeht. Die Uraufführung fand am 3. Juni statt. Weiterlesen →
Kritik zu: Auerhaus
3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schulabschluss, Leistungsdruck, die Frage, wie es danach weitergehen soll, die Vorstellungen der Eltern und die eigenen Sehnsüchte – oftmals grundverschieden –, das alles kann einem schon ganz schön Angst machen. Und den Moment, an dem man aus Mühle mal raus will, um sich klar darüber zu werden, welche Sehnsüchte so groß sind, dass man ihnen nachspüren möchte, hat wohl jeder schon erlebt. Um sich jedoch nicht ganz allein in dieses Abenteuer zu wagen, weiß man gern Gleichgesinnte an seiner Seite – das Modell WG ist bei vielen im Augenblick des Erwachsenwerdens deshalb sehr beliebt.
Eine nicht ganz gewöhnliche WG-Konstellation stellt Bov Bjerg in seinem Roman Auerhaus vor. Nora Schlocker und Birgit Lengers haben die Geschichte um diese sechs ganz besonderen Jugendlichen, die für kurze Zeit ihre idealistische Vorstellung von Gemeinschaft leben dürfen, nun für die Bühne des Deutschen Theaters Berlin adaptiert. Die bejubelte Premiere fand am 21. Mai 2017 statt. Weiterlesen →
Kritik zu: Phädra
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das Deutsche Theater Berlin bringt mit Phädra von Racine in der Inszenierung von Stephan Kimmig eine klassische Tragödie par excellence auf die Bühne und beweist, was schon Alfred Kerr befand: Phädra „bleibt schlichtweg ein spannendes, wundervoll gebundenes Meisterwerk kultivierter Leidenschaft. Treibhäuslicher Tragik. Alles wächst auf Beeten. Jeder Ausbruch bemessen, gerundet …“ Die Premiere fand am 12. Mai 2017 statt. Weiterlesen →
Kritik zu: Glückliche Tage
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Samuel Beckett war der Dichter des Schweigens, der Poet des Nicht-Gesagten. – Verglichen mit anderen Inszenierungen, die derzeit Premiere feiern und ein Themenspektrum von Patriarchat über Nationalismus, Homosexualität, Klassenkampf und romantische Liebe bis hin zur Umweltzerstörung (wohlgemerkt gleichzeitig!!) abhandeln, geschieht in Glückliche Tage nahezu nichts. Und doch, man spürt es deutlich, geht es in der Inszenierung, die am Deutschen Theater Berlin unter Regie von Christian Schwochow am 22. April 2017 Premiere feierte, um alles, was das menschliche Sein ausmacht. Weiterlesen →
Kritik zu: Der Kirschgarten
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Seit der Übernahme der Intendanz durch Shermin Langhoff, werden im Maxim-Gorki-Theater bevorzugt Migrations-Themen behandelt. – Man beleuchtet unsere Gesellschaft als eine des “Übergangs“.
Eine andere “Gesellschaft im Übergang“ meinte Anton Tschechow, als er im Jahr 1900 seine Komödie Der Kirschgarten schrieb. Darin geht es um die Familie, der ein Gut, der „Kirschgarten“ gehört. – Nicht irgendein Garten, sondern ein ganz besonders schöner, bezaubernder, berühmter: Er habe sogar eine Eintragung ins Konversationslexikon erfahren. Dieser Kirschgarten nun soll versteigert werden, weil die Gutsbesitzerfamilie ihr Geld auf Reisen und im Rausch verprasst hat. Emporkömmling Lopachin (Taner Şahintürk), Enkel eines ehemaligen Sklaven des Gutes, kauft schließlich den Kirschgarten. Tschechow beschreibt damit metaphorisch das Ende der Feudalgesellschaft und lässt eine Vorahnung auf die Revolution laut werden. Ab sofort soll Reichtum durch Arbeitsleistung und nicht länger durch Herkunft erworben werden.
Am 11.12.2013 hatte am Maxim-Gorki-Theater eine Inszenierung des Kirschgarten Premiere, die mit dem ursprünglichen Stück nicht mehr viel zu tun hat. Weiterlesen →
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 5. Oktober 2012 hatte die Bühnenadaption der Erzählung Antwort aus der Stille von Max Frisch am Deutschen Theater in Berlin Premiere. Regisseur Frank Abt ist eine spannende, sprachgewaltige Inszenierung gelungen, die das Publikum mit existentiellen Fragen in den Bann zieht. 
Protagonist Balz Leuthold (Markwart Müller-Elmau) hat schon früh gespürt, dass er anders als die anderen ist und dass er um keinen Preis das gewöhnliche Leben der “normalen“ Leute führen will. Mit knapp dreißig Jahren sieht er all seine hohen Jugendziele unerreicht und sich unaufhaltsam auf jenes gewöhnliche Leben zusteuern, vor welchem es ihn graust und ekelt. Seine Außergewöhnlichkeit ist bisher nicht durch Taten belegt. Das soll sich nun ändern. Er tritt die Besteigung des als unbezwingbar geltenden Nordgrats, einer Bergwand, die viele Bergsteiger ihr Leben kostete, an. Weiterlesen →
Kritik zu: Die Welt in uns
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zu einem Zeitpunkt, an dem nationalistische Strömungen eine erschreckende Kraft und Popularität entwickeln, erinnert das Deutsche Theater Berlin mit der Stückentwicklung Die Welt in uns des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal an die nahezu vergessene Weltbürgerbewegung, die 1948 von Garry Davis angestoßen wurde. Die Uraufführung fand am 23. April 2017 statt. Weiterlesen →

Premieren

23 September 2017
Kaukasische Kreidekreis
Michael Thalheimer
Berliner Ensemble

24 September 2017
Bremer Stadtmusikanten
Tobias Ribitzki
Komische Oper Berlin

24 September 2017
Nach uns das All
Sebastian Nübling
Maxim Gorki Theater

24 September 2017
Rückkehr nach Reims
Thomas Ostermeier
Schaubühne

Google play