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Spagat zwischen Zeitgeschichts-Comedy und Ökonomie-Lecture
  · 22.05.22
Zum Abschluss-Wochenende des Theatertreffens 2022 wurde noch einmal sehr deutlich, warum der aktuelle Jahrgang auch als Musical- und Comedy-Treffen in die Geschichtsbücher eingehen wird.

n der ersten Hälfte bieten uns Volker Lösch und sein Ensemble ein unterhaltsames Polit- und Zeitgeschichtskabarett: von Molières Original sind nur noch einige Motive und die Namen der Figuren erhalten. Soeren Voima versetzt das Komödien-Personal in die Vorwende-Zeit und lässt in einer pointenreichen Vers-Dichtung die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren.

Von der 68er-bewegten Kommune um den Tantra-Guru Damis (Yassin Trabelsi), die sich unter dem Dach von Madame Pernelle (Thomas Eisen in einer etwas zu „Charleys Tante“-haften Drag-Rolle) und Orgon (Jannik Hinsch) breitmachte, geht es über die Biedermeier-Bräsigkeit, in der sich die alte Bundesrepublik während Helmut Kohls Kanzlerschaft eingerichtet hat, bis zu den Life-Style-Phrasen neoliberaler Selbstoptimierung, die mit dem Rot-Grünen Projekt von Schröder/Fischer und dem Start-up- und Dot.com-Hype zur Jahrtausendwende einhergingen. Zwangsläufig führt die ganze überhitzte Blase, die von Tartuffe (Philipp Grimm) angetrieben wird, im Lehman-Crash, so dass die Wohn- und Eigentümergemeinschaft vor einem Scherbenhaufen steht.

Überraschend ist, wie bruchlos der Übergang von Comedy zu Lecture im Schluss-Drittel funktioniert. Dass dies gelingt, ist durchaus bemerkenswert an dieser Inszenierung, die zu den sehenswerteren Arbeiten der aktuellen Saison zählt.

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