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Postdramatische Fingerübung mit sich verausgabender Solistin
  · 24.04.22
Reinsperger verausgabt sich, keucht, wälzt sich: die Solistin zieht alle Register, aber das zentrale Problem dieser postdramatischen Fingerübung von Robert Borgmann ist, dass sein Konzept nicht aufgeht. Zu oft bleibt unklar, wer gerade aus Reinsperger spricht: Hippolytos oder Phaidra? So bleibt der zwiespältige Eindruck eines Abends, an dem Reinsperger zwar zeigen darf, dass sie alle Register von Wut, Hass und Schmerz ziehen kann, bei dem aber hinter den Textbrocken, die sie herausschleudert, selten lebendige Figuren sichtbar werden, sondern alles zu einem Parforce-Solo verschwimmt.

Robert Borgmann ließ sich eigens für seine Musik-Performance-Version von „Phaidras Liebe“ von den Rechteinhabern eine Neufassung genehmigen, zu der ihn ein im Programmheft abgedrucktes Interview der Autorin von 1998 inspirierte: Phaidra und Hippolytos sind für Kane „zwei Facetten ein und derselben Person“, ihr Dialog wird zum Selbstgespräch. Wie Gollum im „Herrn der Ringe“ oder von Schizophrenie zerrissen muss Reinsperger ständig zwischen den beiden Stimmen hin und her switchen.

„Hätte es doch nur mehr Momente wie diesen gegeben“, sagt Reinsperger alias Hippolytos zum Schluss mit breitem Grinsen und im weißen Marilyn Monroe-Kleid ins Publikum – und trifft damit genau den Punkt: Bei aller Virtuosität der begabten Solistin blieb der Abend zu beliebig.

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