Kritik zuMetropol
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Zwischen den Stühlen
  · 21.10.21
''Charlotte (Yvon Jansen) und Wilhelm (Ronald Kukulies) werden aus ihren Ämtern entlassen, um in Moskau das ehemalige Luxushotel Metropol zu beziehen. Sie hatten Kontakt mit einem angeblichen Volksfeind, dem Charlotte ein gebrauchtes Grammophon verkaufte. Beide warten weit über ein Jahr auf das Urteil. Angeschwärzt wurde das Paar von Hilde (Sabine Waibel), der eifersüchtigen Exfrau Wilhelms, die selbst bald vom Geheimdienst als Volksfeindin verdächtigt wird. Wassili Wassiljewitsch Ulrich (etwas überzeichnet von Nikolaus Benda in Fatsuit mit Latexmaske) verantwortet als Vorsitzender des Militärkollegiums des Obersten Gerichts der UdSSR zehntausende Todesurteile für vermeintliche Feinde.

Einige der Darsteller verkörpern mehrere Figuren. Akteure werfen weiße Papierflocken aus ihren Jackentaschen über sich in die Luft (Kostüme: Cinzia Fossati), um russischen Schnee anzudeuten. So wird gezeigt, dass sie sich unter freiem Himmel befinden, etwa um möglicher Überwachung zu entkommen. Trotz staatlicher Willkür, Widersprüchen des Systems und der Verdächtigung in der Ära Stalins werden Charlotte und Wilhelm später in der DDR glühende Anhänger des Kommunismus bleiben, wie gegen Ende textlich auf der hinteren Bühnenwand skizziert wird. Ein ungetrübter Glaube an die Ideale des Kommunismus wird schlussendlich auch bei einem gemeinschaftlichen Silvesterumzug in Partylaune zu „I love it (I don’t care“ von Icona Pop (musikalische Einrichtung: Sven Kaiser) angedeutet. Armin Petras bringt seinem Publikum atmosphärisch eindrücklich mit einem starken Ensemble eine allzu vergessene, angstvoll düstere Ära näher.'' schreibt Ansgar Skoda am 20. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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