3.0/5
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Lust am filmischen Experimentieren
  · 20.11.20
In kurzen, assoziativen Szenen arbeiten sich Sebastian Hartmann und der für die Livestream-Bildregie zuständige Jan Speckenbach in punktgenau zwei Stunden durch einen Abend, der zum einen viel „Hartmann pur“ bietet: Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren, in einem Overkill prasseln die Textfragmente und Soli auf das Publikum ein. Toll, wenn er dafür so Druckkessel-Hochleistungsspieler wie Niklas Wetzel zur Verfügung hat, der in einer Schlüsselszene des Abends von zwei Seiten mit dem Elektroschocks bearbeitet wird, verzweifelt „Ich muss sterben“ brüllt oder später in einem Solo an der Rampe vor dem – bis auf die Techniker*innen – leeren Saal roboterhaft zuckt. Wie von Hartmann gewohnt sind allerdings zwischen all den überschießenden Assoziationen und dem Verwirrspiel mit den Textfetzen auch recht öde Passagen durchzustehen.

Doch der „Zauberberg“-Live-Stream bleibt zum Glück nicht beim „Hartmann as usual“ stehen, dicke Roman-Wälzer zu durchpflügen und das Publikum mit Assoziationsgewittern zu beballern. Das Interessante an diesem Live-Stream-Abend aus dem Theater ist, dass er mehr und mehr zum Film wird, sich an Überschneidungen und Überbelichtungen berauscht, fröhlich mit filmischen Mitteln experimentiert und seinen Gimmicks spielt. Diese Lust am Ausprobieren macht neben den starken Spieler*innen den Reiz dieser Online-Premiere aus.

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