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Lost future
  · 27.10.20
''N (Hanna Nagy) reicht beim Lehrer einen Aufsatz mit rassistischen Äußerungen ein. Artosha Jasmin Mokhtare lockt in der Rolle des herumstreichenden Mädchens Eva den verführbaren Erenay Gül als Z mit kraftvoll-verführerischem Gesang. Justin Herlth bläut den Eleven als Schulleiter und später in der Rolle eines Feldwebels furchteinflößend Zucht und Ordnung ein, macht dabei jedoch ausdrucksstark auch dem Lehrer Angst und Bange. Der wohl jüngste Akteur Ruben Chwilkowski spricht als W gegen Ende einen berührenden Epilog auf das Leben: Auch wenn er den ganzen Tag vorm Computer Minecraft zocke, wünsche er sich insgeheim doch, dass ihm andere einen Weg in die Welt zeigen. Dabei öffnet er das schwere Seitentor zur Bühne und tritt nach draußen. Abendlicht fällt auf die Spielfläche. Ein Ruhepunkt nach dem hitzigen und aufwühlenden Geschehen.

Das IMPORT EXPORT KOLLEKTIV zeigte zuletzt Aldous Huxleys Dystopie-Klassiker Schöne, neue Welt und aktualisiert den Stoff durch Einbezug der Lebenswelten und möglicher Selbstreflexionen der jungen Akteure. Ein Coup, die letzten Produktionen der diversen Initiative des Kölner Schauspiel unter der Leitung des libanesischen Theatermachers Bassam Ghazi waren meist auserkauft, schon vor den Corona-Zuschauerbeschränkungen. Auch Ghazis Inszenierung von Jugend ohne Gott begeistert durch erfrischende, in die Geschichte einbezogene Gedanken der jungen Darstellerinnen und Darsteller. Jugend ohne Gott ist ein temporeich durchchoreographierter Parforceritt mit kraftvollen Bildern, gelungenen Einbezügen der Jetztzeit und eindrücklichen Darstellerleistungen. Wer letztes Jahr Dominic Friedels eher düstere Bonner Inszenierung gesehen hat, könnte meinen, er habe in einem anderen Stück gesessen, da Bassam Ghazi die Geschichte nach einer Neuadaptation der Schweizerin Tina Müller freier und auch ästhetisch anders, aber mindestens ebenso spannend umsetzt.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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