Kritik zuNora
2.0/5
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Nacktes Fleisch, eine glatte Hülle
  · 27.10.20
''Sophia Burtscher gestaltet Ibsens Titelheldin von Anfang an nicht als Sympathieträgerin. Sie überzeichnet ihre Figur grotesk, wenn sie beim Small Talk mit Bekannten deren Vornamen mehrfach marktschreierisch ausruft, am Boden liegend laut und verlottert um „Champagner“ bettelt, oder ihre größte Angst der Missgunst von Influencern oder Bloggern gilt. Inspiriert wurde Ibsen zu seinem Drama vom realen Schicksal der Laura Kieler. Ohne Wissen ihres Mannes nahm die norwegisch-dänische Schriftstellerin ein Darlehen auf, um ihren Mann durch eine Reise in den Norden von seiner Lungenkrankheit zu heilen. Wie der realen Kieler wird auch Ibsens Nora dieses Darlehen zum Verhängnis. Viel Handlungsspielraum bleibt Nora nicht, als der abgehalfterte Nils (Alexander Angeletta) sie auf ihre Schuld hin anspricht. Es wird auf der Bühne leidenschaftlich viel geschrien. Doch insgesamt erscheinen die Darsteller mit ihren Figuren deutlich unterfordert. So ist etwa Justus Maier dazu verdonnert, minutenlang nur in Unterhose auf einer herabhängenden Attrappe eines geschlachteten und gehäuteten Rindes zu liegen. Bei Peter Miklusz als Helmer lassen sich sogar herabbaumelnde Geschlechtsteile rezensieren. Burtscher entwickelt zum Ende hin die Selbstreflexion, den Gesinnungswandel und das Erstarken ihrer Nora kaum. Die Motivation ihrer Figur, herrschenden Konventionen und bürgerlichen Moralvorstellungen kühn den Rücken zu kehren, scheint zu irrational, diffus und blass auf. Robert Borgmanns platte Bearbeitung nach einer Übersetzung des Dramas von Hinrich Schmidt-Henkel wirkt zu grell und reißerisch. Das Schicksal der Figuren lässt einen kalt.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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