Kritik zuBette & Joan
4.0/5
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hollywood-diven und ihre brüchigen allüren
  · 25.06.17
youtube, instagram, trash-tv, umsatzgierige blockbuster. diven gibt’s nicht mehr. selbst désirée nick, die sich gern dafür hält, taucht zu oft im trashsumpf ab und ruiniert damit dann doch ihr diszipliniertes wohlerzogensein. schlau schnappte sie sich aber die rolle der showstardiva joan crawford und streift sich dieses glamouröse wesen für die theaterbühne über, brünett statt blond. nick kokettiert sofort mit einem spagat, korsett-tauglichen proportionen und glänzt madamig als bühnenverschnitt der 1905 geborenen leinwandbeauty. manon straché (blond statt brünett) gibt in „bette & joan“ die so andere dame hollywoods. bette davis, drei jahre jünger als crawford, deren große melancholische augen kim carnes mit dem song „bette davis eyes“ verewigte. straché kann auch so gucken und platziert sich adrett, kompakt und schnoddrig in die kudammtheater-kulisse. die zeigt die plüschigen garderoben der ziemlich vom leben ramponierten diven, spiegelwand an spiegelwand. das alte mädchen bette davis putzt ein ebenbild von püppchen, crawford flippt wegen aluminiumbügeln aus. am telefon. die assistentin muss hier einiges aushalten, auch bob, der regisseur, hängt zwischen den ansprüchen der alternden diven, die von ihm einen weg aus der talsohle der ermüdeten karriere erhoffen. es ist anfang der sechziger jahre. was geschah denn nun wirklich mit baby jane? das beantwortet das theaterstück nicht (die story sollte der zuschauer zumindest quergelesen haben, besser noch das schwarzweiße bitterböse schwesterndrama gesehen haben). regisseur Folke Braband ließ strachè und nick aber thrillige szenen nachspielen und die trailer in s/w sind atmosphärisch und amüsant skurril. aufhänger ist aber die probe zur szene, in der crawford im rollstuhl von davis angegangen wird. eine demütigung für crawford (die sich dafür heimlich rächt), ein giftiger genuss für davis (die das bemerkt). braband lässt die diven aus ihren leben und seelischen zuständen monologisieren, sich einander besuchen in den garderoben, den schein wahren, die gemeinsamkeiten nicht vertuschen. robert aldrich, der den film drehte, wähnt man nur am telefon, er als dritte figur auf der bühne hätte dem lauf der diven-dinge mehr dynamik verliehen. so bleibt der spannungsbogen auch nach der pause ausstaffiert gemütlich. straché und nick sind einander ebenbürtig, straché darf als davis mehr rumpampen und das liegt ihr im ostdeutschen blut, nick verfängt sich anfangs erstmal in ihrer dozierenden interpretation einer schauspielerin. ein jahr nach der premiere in hamburg zeigt das kudammtheater „bette & joan“ nun zielgruppennah, die vielen reihen müssen sich trotzdem erst einmal füllen. und das interesse für einen plötzlichen diven-anmarsch geweckt werden.
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