Kritik zuWut
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Wenn Islamkritik lebensgefährlich wird
  · 28.09.20
''Dem religiösen Bilderverbot steht eine digitale Bilderflut gegenüber. Zwischen den Spielszenen auf der Bühne werden zu beiden Bühnenseiten Kurzvideos in Dauerschleife gezeigt. Hier posieren Darsteller in Helden- oder Opferrolle. Sie stellen Träume von kraftvoll drohender Männlichkeit oder spektakulärer Gewalt nach. Sehr komisch ist auch ein projizierter Kurzfilm, in dem Lola Klamroth durch Filterfunktionen bildlich verfremdet mit übergroßen Kulleraugen, ohne Nase und mit riesigem Mund zu sehen ist. Sie regt sich mit künstlich verfremdeter Stimme darüber auf, dass jemand auf Social Media mit ihr falsch umgegangen sei. Gleichzeitig markiert sie durch die Verfremdungseffekte ein Cybermobbing-Opfer.

Es ist diese Angst vor Gläubigen und Fanatikern, die das Spektakel in Köln überschatten mag. Die Vorführung ist zu klamaukig, überdreht, albern und bunt, um wirklich zum Nachdenken anzuregen. Mondtag wird den ausufernden Texflächen und unzusammenhängenden Gedanken Jelineks nicht Herr, indem er sie durch Einsprengsel mit Bezügen zur Corona-Zeit, Geschrei oder lauter Musik übertönt. Claessens reitet in einer Video-Einspielung auf einem riesigen goldenen Penis. Es gibt anschließend eine Spermaexplosion auf seinem Bauch. Claessens telefoniert mit Elfriede oder Elfie, und sie echauffiert sich über männliche, weiße Intendanten im Theater. Die Moschee-Kulisse auf der Bühne wird kurzzeitig zum Berghain oder Kunstmuseum umfunktioniert. Schauspieler gehen aus Rollen und Text raus; sprechen sich mit Vornamen an. Claessens bezeichnet sich selbst als Isabelle Huppert und degradiert den attraktiven Elias Reichert zu seinem „Love interest“. Nur die 81jährige Margot Gödrös schafft es, neben Claessens lauten und unflätigen Auftritt Aufmerksamkeit zu erregen, wenn sie - mal wieder als Grande Dame des Schauspiel Köln – in einer Sänfte von Statisten auf und von der Bühne getragen wird. Auch der Souffleur Viktor Herrlich wird regelmäßig bemüht und einbezogen. Eindrückliche Passagen und starke Bilder gehen so im recht beliebigen, heftigen und grellen Bühnenereignis regelmäßig unter. Bleibt zu hoffen, dass dem Spotte Gewalt erspart bleibe.'' schreibt Ansgar Skoda am 28. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
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