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Eisblumen und der Bass des Bösen
  · 01.01.20
''Die Inszenierung von Andreas Kriegenburg verlegt die Handlung in ein heruntergekommenes Krankenhaus, splittet die Hauptfiguren in verschiedene Persönlichkeitsstadien auf. Auf der Bühne stehen gleichzeitig Kay und Gerda als stumme Kinder, als Heranwachsende (Kay ist da ein Mezzosopran), als Erwachsene. Multifunktional und überraschend hat der Komponist auch die Rolle der Schneekönigin angelegt. Sie ist das (komische) Rentier, die (unerbittliche) Uhr und vor allem ein schwarzer Mann, die dunkle Seite der Macht und der Verführung. Dieser böse Bass – und wer hätte keinen Sopran erwartet? - hat Kay vereist, traumatisiert, so dass er sich in stumme Depression zurückzieht und den Kontakt zur Umwelt und zu Gerda verweigert. Doch sie kämpft um ihn. Das führt zu einer langen Heldinnenreise ins Innere der Kälte. (...)

Die Schnee-Musik der Snow Queen lässt einen vor allem im zweiten Teil nicht kalt. Filigrane Flächen, ungewöhnliche Instrumentierungen, fein variierte Wiederholungen schaffen viele Klangbilder von Schneeflocken, die da ausschwärmen wie die schneeweißen Bienen des Original-Textes. Abrahamsen setzt auch eindrucksvoll auf Stille: Zu Beginn der Oper etwa erklingt lange Zeit nicht ein einziger Ton, die Großmutter liest den Kindern stumm vor.

Allerdings: unvorbereitet sollte man sich die Oper nicht anschauen. Unbedingt das Andersen-Märchen vorher lesen! Sonst kommt man nicht mit. Und es ist keineswegs einfach, sich gleichzeitig auf die subtile Musik als auch auf ein verwirrend simultanes Bühnengeschehen zu konzentrieren - und auch noch die vielen eröffneten Assoziationsräume wahrzunehmen.'' schreibt Petra Herrmann am 31. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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