2.7/5
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Konservatives, aber sehr verqualmtes Literaturtheater
  · 03.11.19
Voller Melanchole erzählen Reimanns Buch und Löffners Theaterabend vom Scheitern der Hauptfigur, die sich beruflich an den engen Grenzen des Systems aufreibt und auch privat in einer Serie unglücklicher Liebesgeschichten festgefahren ist. Der Abend wird vor allem von Kathleen Morgeneyer getragen, die überzeugend den Wandel vom kleinen Mädchen zur selbstbewussten Architektin verkörpert.

In Schlüsselszenen wird ihre Leidensmiene per Live-Video auf die ansonsten fast leere Bühne von Wolfgang Menardi projiziert. In diesen Momenten kommt der Erzählfluss bewusst fast ganz zum Stillstand, die Inszenierung zoomt mit den Mitteln des Licht- und Sounddesigns auf diese zentralen Augenblicke heran.
Es spricht für sich, dass trotz der enormen Länge von vier Stunden auch nach der Pause fast alle Plätze besetzt blieben, auch wenn die Handlung in der letzten Stunde etwas ausfranst und z.B. der lange Video-Monolog von Felix Goeser als Franziskas letzter Liebhaber deutlich straffer erzählt werden könnte.

Neben Morgeneyer sind aus dem Ensemble vor allem Maren Eggert als Alkoholikerin Gertrud und Maike Knirsch als Wirtin Frau Hellwig hervorzuheben. Sie bekommen den nötigen Raum für ihre Frauenfiguren, die zum Teil ganz beiläufig sehr Kritisches über die Zustände in der damaligen DDR zu sagen haben.

Die Romanadaption ist handwerklich gut gemacht und löst die Probleme zahlreicher Rückblenden und vor allem die oft abrupten Perspektivwechsel mitten im Satz, mit denen Reimann experimentierte, geschickt. Tonband-Einspielungen mischen sich mit live auf der Bühne gesprochenen Sätzen. Mal doppeln sie sich, mal wechseln sie sich ab oder gehen fließend ineinander über.

Ärgerlich ist allerdings, dass die Regisseurin nicht auf den penetranten Qualm verzichten wollte. Während der vier Stunden breitet sich ein übler Gestank im Deutschen Theater aus, der überhaupt nicht zu der gediegenen Atmosphäre des Abends passt.

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