4.7/5
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Hamlet von Ambroise Thomas - von wem bitte?!
  · 25.06.19
''Entgegen einem (in der Sparte Schauspiel) immer mehr sich breit machenden Trend, die Hamlet-Titelfigur durch "sichtlich" gebrochene, zartgliedrige, mitunter androgyne AkteurInnen spielen zu lassen, hatte anno dazumal der Komponist Thomas beschlossen, seinen Protagonisten als maskuline Wuchtbrumme zu besetzen. Der französische Heldenbariton Florian Sempey erfüllt dieses gewünschte und bestimmte Ideal auf das Vortrefflichste; ja und so staunen wir nicht schlecht, mit welchem expressiven Impetus ein Mensch (ein Jünglingsmann) den Wahnsinnsgrad, mit dem man ihm - so von der Handlung her, die freilich etwas von dem Shakespeare'schen Original abweicht - stigmatisiert, beinahe ad absurdum führt. Immer und immer mehr wird deutlich, dass der Typ wohl alle, aber wirklich alle (Handlungs-)Fäden in der Hand behält und sich die Butter nicht vom Brot stibitzen lässt... Ganz anders wird und muss in dieser Oper Hamlets von ihm ungeliebte und zum Schluss dann wieder doch von ihm geliebte Braut in spe die echte und unmissverständlicher denn je artikulierbare Irssinnsentwicklung durchzustehen haben. Mit Diana Damrau (als Ophélie) konnte dieser Cast nicht toppbarer besetzt sein; ihre halbstündige Wahnsinnsarie aus dem Vierten Akt - mit wirrwitzigen Anleihen aus einer orientalisch anmutenden Klangwelt - gestaltete sich selbstverständlich zum zentralisierten Highlight dieser konzertanten Aufführung, die uns ein Werk, das in Berlin vielleicht noch nie zuvor erklungen war, sehr nahe brachte.'' schreibt Andre Sokolowski am 25. Juni 2019 auf KULTURA-EXTRA
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