Kritik zuAtlas
3.5/5
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AUTORENTHEATERTAGEN
  · 07.06.19
''Regisseur Philipp Preuss hat diesen Auftragstext für das Schauspiel Leipzig recht behutsam inszeniert. Schon zu Beginn schafft er mittels eingespielter Musik und am Mikrofon verstärkter Geräusche mit Wassergläsern eine recht intime Atmosphäre im Raum der Leipziger Diskothek vor drei großen Außenfenstern, die er dann wieder bricht, wenn die DarstellerInnen nach draußen gehen und durch diese Fenster wieder hineinsehen. Das Innen und Außen symbolisiert auch die verschiedenen Zeit- und Erzählebenen. Nur einmal ziehen sich die DarstellerInnen hektisch Sachen von Kleiderständern an und aus, ansonsten bleibt die Atmosphäre eher kammerspielartig ruhig. Da beim Gastspiel der Blick auf den befahrenen Dittrichring in Leipzig, an dem sich schräg gegenüber auch die ehemalige Stasizentrale befindet, nicht gegeben ist, hat man diese Szenen vorproduziert und lässt sie auf drei Video-Screens ablaufen, was ein gewisses künstlerisches Zugeständnis ist. Durch das Verschneiden dieser Bilder gelingt aber auch ein deutscher Blick auf die Vergangenheit und europäische Gegenwart, der sich im Text in den Reflexion der Wendezeit durch die vietnamesischen Migranten und der Schilderung des Flüchtlingselends der Bootpeople auch wiederfindet. 

Einziger Wermutstropfen des Gastspiels am Deutschen Theater bleibt, dass sich das Schauspiel Leipzig unerwartet der Kritik von jungen Menschen aus der viet-deutschen Community gegenübersah, die auf die Nichtbeteiligung vietnamesischer MigrantInnen an der Produktion hinwiesen und das durch die Vereinnahmung derer Geschichte alte kolonialistische Muster bedient würden. Das Theater hat daraufhin eine Erklärung abgegeben, in der man auf den fiktiven Charakter des Werks hinweist. Trotz Recherchen des Autors sei das kein dokumentarischer Stoff, der reale Biografien nutzt. „Aus unserer Sicht waren alle persönlichen Kontakte, die das Produktionsteam des Schauspiel Leipzig während der Produktionsphase und zu den Aufführungen von atlas mit Personen aus der viet-deutschen Community hatte, geprägt von gegenseitigem Interesse und Respekt.“ Man veranstalte regelmäßige Nachgespräche und sei für Anregungen und Kritik offen. Zum Thema Diversifikation des Ensembles befinde man sich noch im Prozess. Ein Prozess, dem sich kein Stadttheater mehr entziehen kann.'' schreibt Stefan Bock am 7. Juni 2019 auf KULTURA-EXTRA
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