Kritik zuAtlas
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Lesenswerter Text, minimalistisch umgesetzt
  · 04.06.19
Mit großen Vorschusslorbeeren reiste „atlas“ von Thomas Köck in der Regie seines österreichischen Landsmanns Philipp Preuß zu den Autorentheatertagen an: Die Uraufführung hat am Wochenende nicht nur die Jury der Mülheimer Theatertage überzeugt, sondern auch noch den Publikumspreis abgeräumt.

Tatsächlich ist Köcks Drei-Generationen-Panorama über Migrant*innen zwischen Vietnam, dem geteilten und wiedervereinigten Deutschland einer der stärkeren Texte des Festivals. Er beginnt philosophisch-raunend mit Wortspielen zum Thema „aus der Zeit fallen“ und zeichnet mit großer Sensibilität das Porträt seiner Figuren: die Großmutter, die zu den Boat People der 1970er Jahre gehörte, ist bis heute von den Erlebnissen auf ihrer Flucht traumatisiert. Die mittlere Generation litt unter den prekären Bedingungen als „Vertragsarbeiter“ im sozialistischen „Solidarität durch Ausbildung“-Programm der DDR und noch mehr unter den rassistischen Übergriffen nicht nur in Rostock-Lichtenhagen nach der Wiedervereinigung.

Philipp Preuß geht den Text sehr behutsam an. Die Inszenierung ist minimalistisch und spröde. Die szenischen Mittel sind so sparsam, dass „atlas“ eher wie ein Hörspiel wirkt. Die anderthalb Stunden ziehen sich trotz des lesenswerten Textes deshalb ziemlich in die Länge.

Der zentrale Effekt seiner Inszenierung, dass die vor der Leipziger Diskothek auf der Ringstraße vorbeifahrenden Autos Teil des Abends werden, kommt beim Gastspiel in der Box des Deutschen Theaters nur sehr eingeschränkt zur Geltung. Video-Aufnahmen mit großem Wahlplakat der Linken sind ein notdürftiger Ersatz. Der zweite große Nachteil dieses Gastspiels ist, dass in der kleinen Box an diesem heißen Sommertag ein stickiges Sauna-Klima herrschte.

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