4.0/5
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Wer hat Angst vor…
  · 26.05.19
''Einige Themen wirken abgenutzt. So nennt der Darsteller Daniel Stock als „geniale“ Urheberinnen dramaturgischer Werke einzig Elfriede Jelinek und Pina Bausch. Dabei gibt es doch eine ganze Frauenliteraturgeschichte, zu der bereits unzählige Sachbücher und Anthologien erschienen. Später werden Übergriffe und typische Missbrauchssituationen vorgeführt. Eine theatrale Darstellung sexueller Gewalt wird in einer längeren, durchaus sehenswerten Szene hinterfragt, in der die Vergewaltigung der Lavinia in Shakespeares Titus Andronicus nachgestellt werden soll. Als die Darstellerin Lydia Stäubli sich weigert weiter mitzuspielen, wird sie gegen ihren Willen freigestellt, und es springt spontan Sandrine Zenner ein. Diese wird sogleich zusammen mit einem Teppich und ihrer Kollegin Birte Schrein in den Boden unter der Bühne gezogen. Auf Großleinwand werden nun Sandrine Zenner und Birte Schrein auf einer Suche im Untergrund gezeigt und mit zahlreichen Szenen konfrontiert, die weibliche Unterordnung vorführen. Birte Schrein begegnet Bertolt Brecht (Daniel Stock) als gewichtigen Schwerenöter, dem im Hintergrund bleibende Schriftstellerinnen wie Elisabeth Hauptmann (Sophie Basse) und Margarete Steffin zuarbeiten. Sandrine Zenner wird von Jack the Ripper (ausdrucksstark: Annika Schilling) verfolgt und mit allerlei Penisnasen und frauenverachtenden Sprüchen großer Schriftsteller konfrontiert.  (...)

Auf die Emanzipationsbewegung und den Feminismus folgten ja bekanntlich die Queer Theory und Queer Studies. Wenn sich Volker Lösch das nächste Mal um ein „Minderheiten“-Thema bemühen sollte, läge hier ja vielleicht das Thema LGBT nahe. Es stimmt auch, dass am Theater Bonn ausgesprochen wenig Theaterstücke und Opern von Frauen Premiere feiern. Andere Häuser sind da sehr viel progressiver. So gibt es seit 2018 am Badischen Staatstheater Karlsruhe ein Frauen-Leitungsquintett und die dortige Schauspieldirektorin Anna Bergmann arbeitet ausschließlich mit weiblichen Regiekräften.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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