Kritik zuOceane
4.7/5
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Vornehme Zurückhaltung
  · 29.04.19
''Musikalisch wird das von Glanert nur leicht aus den tonalen Angeln gehoben. Streckenweise könnte es gar aus der "Schweigsamen Frau" oder einem anderen Nebenwerk von Richard Strauss abgepaust sein. Ich schätze, Glanert wollte das komponieren, weil die Kurpromenade, die wir sehen, Gelegenheit zu so vielen Polkas, Galopps und anderen Tänzen gibt. Wodurch er, gute Sache!, den Wiederanschluss an einen tänzerischen Grundimpuls der Musik findet, der in der zeitgenössischen Musik sonst meist ignoriert wird. Emotional aufwühlende Musik ist das, die weder zernebelt noch bedeutungsvoll viel behauptet. Sie lässt nicht kalt. Hohe Tugend.

Regisseur Robert Carsen weiß als Kanadier von Fontane bekennend wenig und hält ihn für eine Art deutschen Henry James. (Er habe es immerhin mit dem "Stechlin" versucht, sagte er mir, sei aber rasch gescheitert...) Die edelgewandeten Seegäste sehen eher aus wie aus Tschechow. Titel: "Die Dame ohne Hündchen". Indem er sich vornehm zurückhält, liefert er eine Regie-Etüde und schöne Fingerübung. Er macht es richtig.

Donald Runnicles am Pult ist grundsätzlich nie besser als bei Neuer Musik; weil er hier jede Blutleere souverän verhindert. Auch mit Maria Bengtssons Porzellan-Sopran – aber KPM, bitteschön! – hat man die richtige Protagonistin. Einen saftigen Schlussmonolog (wie in "Capriccio") hat sie auch. – Kurzum, ein sehr schöner Abend, der zum Hit werden könnte. Der gute Ruf des Komponisten Glanert besteht zu Recht.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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