4.0/5
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Zeitloses Zerrinnen
  · 10.04.19
''Die gelungenen Bilder und die atmosphärische Musik der Vorführung regen vielfach zum Nachdenken über das eigene Zeitempfinden an. In Die Sache Makropulos geht es ja nicht isoliert um die Unsterblichkeit, sondern um ihr Verhältnis zur Sterblichkeit. Die Position der Hauptprotagonistin verändert sich im Verlauf des Stückes: anfangs ein gefeierter Star, selbstbewusst und überlegen, wird sie dann immer mehr zur Außenseiterin – haltlos, zynisch, nach materieller und menschlicher Sicherheit suchend. Und davon kann sie dann doch immer weniger halten als alle anderen Menschen, die nur einige flüchtige Jahre zu leben haben. Eine besonders beeindruckende Szene ist es, wenn fast alle Akteure von der linken Bühnenseite hin zur hellen Eingangsseite gehen und nur die Protagonistin diese Menschen in Gegenrichtung durcheilt. Dabei versucht sie Einzelne zu fassen, was ihr aber nicht gelingt und ihre Verzweiflung nur steigert. Die Bewegung des individuellen Lebens hat eine andere Richtung als die Unsterblichkeit der inzwischen 337jährigen. Von diesem starken Eindruck des Bühnengeschehens ins Publikum blickend wird einem als Zuschauer plötzlich klar, dass alleine in der eigenen Reihe Menschen sitzen, deren Lebensalter zusammengenommen über 1500 Jahre sind – und dass in diesem Moment in der Oper in Bonn die Aufmerksamkeit von Menschen mit insgesamt über 50.000 Jahren Lebenserfahrung auf diese Momentaufnahme der Vergänglichkeit gerichtet ist.'' schreibt Ansgar Skoda am 9. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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