3.8/5 Insgesamt 9 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Remake eines wüsten Schlagabtauschs
  · 11.03.19
Vor zehn Jahren wirkte dieses „Stimmengewirr im Minenfeld“ des Nahost-Konflikts wie ein Kulturschock in der Berliner Theaterszene. Die junge israelische Theater-Regisseurin Yael Ronen lud Spieler*innen aus Deutschland, Israel und Palästina zu einem Stuhlkreis auf ansonsten leerer Bühne ein. Dort schleuderten sie sich gegenseitig sarkastische Bemerkungen, böse Pointen und wüste Beschimpfungen an den Kopf. Täter- und Opferperspektive wechselten in „Dritte Generation“ so schnell, dass dem Publikum ganz schwindlig werden konnte, klare Feindbilder von Gut und Böse wurden überzeichnet, der Lächerlichkeit preisgegeben und schließlich geschreddert. Der Mix aus Polit-Kabarett und Workshop-Atmosphäre wurde nach anfänglichen Protesten zum Erfolg und blieb mehr als fünf Jahre im Repertoire der Schaubühne.

Nach und nach kommen auch die anderen Spieler*innen auf die Bühne: sechs Veteran*innen aus dem Original (neben Bormann noch Knut Berger,  Orit Nahmias, Ayelet Robinson, Michael Ronen und Yousef Sweid) und vier Neulinge (Lamis Ammar, Karim Daoud, Abak Safei-Rad, Dimitrij Schaad) nehmen den Handlungsfaden wieder auf. Etwas enttäuschend ist, dass der Abend vor allem in der ersten Hälfte kaum darüber hinauskommt, die Szenen von damals nachzuspielen.

In Fahrt kommt „Third Generation – Next Generation“ in der letzten halben Stunde, die immer aberwitziger wird. Einen zynischen Auschwitz-Song zu Lagerfeuer-Klampfen- Romantik der Israelis kontern die Palästinenser*innen mit einem radikalen Protest-Lied gegen die Besatzungspolitik. Das Berliner Publikum wird zum Mitklatschen aufgefordert, während das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird. Michael Ronen fragt entgeistert ins Auditorium, ob man denn verstehe, wozu man hier gerade im Takt mitklopfe. Dann biegt auch schon Oscar Olivo als angeblicher Abgesandter von Donald Trump um die Ecke. Er hat einen völlig verrückten Vorschlag für eine Zwei-Staaten-Lösung im Gepäck: die beiden Staaten sollen vertikal übereinander liegen und in Rotation regelmäßig ihre Position wechseln. Selbst für Yael Ronens Verhältnisse werden hier die Grenzen des Geschmacks stark strapaziert.

Ein Gorki-Abend wäre aber noch nicht rund, wenn nicht am Ende noch Dimitrij Schaad, die hauseigene Allzweckwaffe mit der Wucht einer Neutronenbombe, das Ruder herumreißen würde. Fast stumm und sichtlich genervt folgte er dem Treiben seiner Kolleg*innen, bis es aus ihm herausbricht. Im Stil eines deutschnationalen Wutbürgers empört er sich, dass hier endlich Schluss sein müsse mit der Multi-Kulti-Nabelschau. Der in Kasachstan aufgewachsene Schaad kokettiert damit, dass seine Biographie nur eine Legende sei. In Wirklichkeit heiße er Dieter Schmidt und sei im Allgäu aufgewachsen, erst jetzt habe er den Mut, sich zu seinem wahren Ich zu bekennen, fabuliert Schaad und rezitiert den Text der ersten Strophe des Deutschlandlieds.

Wie könnte dieser Abend anders enden als in einem Getümmel aller Spieler*innen, die alle Gewissheiten verloren haben und sich in einem Kampf jeder gegen jeden prügeln?

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