Kritik zuBabylon
2.4/5
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Die Musik ist erfrischend
  · 11.03.19
''Bei der Erstaufführung wurde das "unkomponierbare" Libretto moniert. Nun, kein Text ist unvertonbar. Das Problem ist der unglaublich prätentiöse Gehalt, zu dem sich Autor Peter Sloterdijk versteht (der thematisch offenbar gerne ein neuer Hans Blumenberg werden möchte ... Dream on!). Es geht hier nicht um den Turmbau zu Babel; sondern um die Zeit nach der Sintflut, als sich die Menschen verwirrt fragen, wie sie die Natur durch ein Menschenopfer besänftigen können. Der jüdische Tammu, das erkorene Opfer, wird am Ende von seiner Geliebten aus der Unterwelt zurückgeholt. 

Die Staatskapelle leistet – auch ohne Daniel Barenboim! – Vortreffliches (Dirigent: Christopher Ward). Auch die Sänger sind zumeist sehr gut, allen voran Susanne Elmark: eine in Fest-Porzellan ausgeführte Kampf-Soubrette. Erstaunlich, dass unter den vielen teuren Gästen mal wieder Ensemblemitglied Marina Prudenskaya (als Euphrat) die mit Abstand Großartigste ist. Regisseur Andreas Kriegenburg frönt ausgiebig seiner Lust an der mehrgeschossigen Vertikale. Das Bühnenbild ist sechsstöckig und funktioniert dank der sehr guten Hubpodien des Hauses.

Hörenswert! Und zwar für Menschen, die sich überzeugen wollen, wie ein undogmatischer Komponist den verkanteten Tanker der Neuen Musik wieder flott kriegt. Ich neige zu der Ansicht: Die Musik ist erfrischend. Für das Libretto kann er nichts.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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