2.6/5
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harms inszeniert wagner leidenschaftlich mit pathos und enormer wucht
  · 06.04.16
mal wieder der versuch einer annäherung an die antisemitische gottheit wagner. von seinem frühwerk "rienzi" war ich hingerissen, romantische weisen für die romantische seele (und leider eine regie von philipp stölzl in der deutschen oper, die nicht müde wurde, nazi-symboliken in endlosschleife zu zitieren).
die inszenierung "tannhäuser und der sängerkrieg auf wartburg" (premiere 2008 ) von intendantin kirsten harms, die 2011 die deutsche oper verließ, wurde mal wieder ostersonntag gezeigt (diverse plätze noch frei).
während das werk in düsseldorf 2013 skandalös verhunzt wurde mit dem aufmarsch von ss-schergen, der installation einer gaskammer, venus in nazi-uniform und im blutrausch, hält sich kirsten harms weitestgehend an die ja doch irgendwie unschuldige vorlage der auch wieder romantischen geschichte. tannhäuser sehnt sich in den armen der wollüstigen bildschönen venus zurück in das irdische reich zu seiner elisabeth. beim wettbewerb der sänger preist er aber hitzköpfig die leidenschaft, die ihn mit venus verband. und wird dafür vom landgraf verurteilt buße zu tun in rom. die pilger kehren vor ihm zurück. tannhäuser fleht erschöpft zu venus und zu elisabeth. die immerhin verzeiht ihm, wird schmerzerfüllt sterben, und seine seele findet erlösung. heldentenor stefan vinke gab den tannhäuser mit einer enormen und erstaunlichen wucht. erst mit ende 20 fand er zur oper und ist seitdem der wagner-spezialist. ein kraftstrotz, aber kein berserker. ricarda merbeth als venus und elisabeth mit wallendem platinblonden endloshaar verdiente sich ebenso heftigen applaus. der chor der deutschen oper bildete den großartigen rahmen der leidenschaftlichen vorlage.
offensichtlich neigt kirsten harms zum entschlossenen pathos und ließ z.b. dutzende ritterliche uniformen von der decke baumeln, wucherte mit treppenstufen (für den chor), baute metallene krankenbetten über den gesamten bühnenboden auf (in denen die pilger auferstehen). für die umbauten wurden die beiden pausen genutzt, die inszenierung nimmt sich dreimal eine stunde zeit, in denen wagner sich auch zeit nimmt um spannungsbögen aufzubauen, geduld. in der letzten halben stunde, als tannhäuser, elisabeth und der chor um erlösung für den hauptdarsteller ringen, rollt eine unglaubliche welle auf uns zu. stimmgewalten zum niederknien. erst sprachlosigkeit, dann riesen-applaus.
vorstellung vom ostersonntag, 27.3.2016
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