Kritik zuKarl V.
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Scheitern an Gott und der Welt
  · 22.02.19
''Was diese späte Wiederaufführung (das letzte Mal wurde Karl V. in München 1965 gespielt) jedoch so unwiderstehlich macht, ist die Inszenierung von La Fura dels Baus, dieser furiosen Straßentheatertruppe aus Katalonien. Regisseur Carlus Padrissa hat als Kontrapunkt zu dem staatstragenden Individuum Karl V. höchst wirkungsvolle Massen- und Gruppenszenerien erdacht, die sich passend zu Musik und Handlung dauernd verändern. Die wenigen Requisiten, zwei Säulen und vor allem mehrere riesige Spiegelwände brechen alle Sicherheiten und werden geschickt variiert. Wer immer noch glaubt, dass Videoinstallationen nicht in die Oper gehören, wird eines Besseren belehrt: aus Tizian wird abstrakte Kunst, Bildteile werden zu Tierkreiszeichen, zum blutigen Stundenglas, zur über die Meere drängende Menschheit. Akrobaten fallen davor vom Himmel, wälzen sich in den Orgien des französischen Hofes, quetschen sich als geschundene Sklaven in enge Käfige und turnen über die Stuhlreihen mitten ins Publikum hinein. Die Mitglieder von La Fura dels Baus könnte auch ein spätmittelalterlicher Kaiser wie Karl nicht aufhalten. Vielleicht würde er das auch nicht wollen. Denn sie entsprechen seinem geschichtlich verbürgten, lateinischen Motto: Plus Ultra. Zu deutsch: immer weiter. Eine moderne, politische Oper, ja, ein Gesamtkunstwerk, das man gehört und gesehen haben muss!'' schreibt Petra Herrmann am 22. Februar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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