3.0/5
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Langatmig statt melancholisch
  · 02.02.19
Am Bühnenbild von Oleg Golowko hätte Peter Stein seine helle Freude. Die Wohnstube der Familie Prosorow ist so naturalistisch eingerichtet, dass nur noch der Birkenwald fehlt, um die Nostalgie perfekt zu machen.

Das Drama entfaltet sich mit all den berühmten Sentenzen und mit zwei Gegenpolen im Zentrum: Daria Jemeljanowa als Weltschmerz ausstrahlende, nur kurz aufblühende Mascha, die mit ihrer Trillerpfeife ein strenges Regiment führt, und Linda Ahmetzjanowa als quecksilbrige Irina, die optisch und auch in ihrer Spielweise etwas an Kathrin Angerer erinnert und sich ebenso sehr nach den Videos von Miley Cyrus wie nach Moskau sehnt.

Bemerkenswert ist, dass der Regisseur fast komplett auf das gesprochene Wort verzichtet. Die Spieler*innen verständigen sich in russischer Gebärdensprache, die Galina Nischuk mit ihnen einstudiert hat. Ihre Dialoge werden auf Deutsch und Englisch an die Bühnenrückwand projiziert. Sein Ziel, dass der Tschechow-Klassiker damit eine höhere Dringlichkeit bekommt, hat Kuljabin aus meiner Sicht nicht erreicht. Langatmig statt melancholisch zieht sich der Abend, schon nach der ersten von drei Pausen bröckelt die Besucher*innenzahl sichtlich.
 
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