Kritik zuSchnee Weiss
2.5/5
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Abschüssig bergab durch die Spalte
  · 24.12.18
''Jelinek macht auf hohle Leere in den Phrasen aufmerksam, indem sie die Vieldeutigkeit von Worten fokussiert. Sie thematisiert Vorstellungen von Pflicht, Schuld und Verantwortung. Das Drama arbeitet mit Mechanismen der Ironie, wenn biblische Themen eingebettet werden. So lassen gleich zwei Jesusfiguren in Nacktkostümen vermuten, dass hinter Gott als Allvater auch der Skivater, der Rektor und der Chef des Skiverbandes stecken könnten. Der abgeschnittene Kopf von Johannes dem Täufer erklärt freiheraus, dass er die Salome gedenke zu überleben. Es gibt archaisch sexualisierte Rituale, wenn sich gehörnte Männer in Nacktkostümen an einer Wassermelone verlustieren. Thematisiert wird nicht nur ein vom Sport ausgehendes Unglück, nein, auch dass die Zuschauer noch auf anstößige Tweets hierzu warteten. Und die Frauen werden ja sowieso überhört, wenn sie ihre Stimme erheben, wie auch schon in Ovids mythologischen Epos Metamorphosen, worauf das Programmheft zum Drama hinweist. In Schnee Weiss heißt es: „…und wir schweigen sowieso still, man würde uns nicht hören.“ 

In Jelineks Potpourri werden allerlei heilige Kühe im rechtsrechten Österreich geschlachtet, etwa ob es gut sein muss, immer unbedingt Erste oder Erster sein zu wollen. Schnee Weiss ist ein Drama gegen die Verdrängung, das Machtspiele angreift und entlarvt. Doch ebenso, wie man im Lauf der Herde auf dem Weg zu überfüllten Stadien und Pisten offensichtlich aus dem Schlepplift fallen kann, geht man auch in Jelineks Textwüste arg schnell verloren und muss sich immer wieder zwingen, die Ohren bereitwillig zu spitzen.'' schreibt Ansgar Skoda am 23. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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